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Wie man ein Zuhörergesicht macht
Kultur-Rausch Kiel 2015

Ex-Punk Fil im Studio-Filmtheater Wie man ein Zuhörergesicht macht

Watt fürn Typ! Wer mit 49 noch so drauf ist wie Zeichner, Autor und One-Man-Spaßgesellschaft Philip Tägert alias Fil, dem glaubt man zweifellos, dass seine Pubertät einer Via Dolorosa glich. Das Buch dazu heißt Pullern im Stehn, und Ex-Punk Fil las, sang, spielte und hibbelte sich durch zwei famose Stunden im bestens besuchten Studio-Kino.

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Fil (Philip Tägert) aus Berlin las im Kieler Studio.

Quelle: Kai-Peter Boysen

Kiel.  „Ich bin Autor, ich brauche Leid!“, erzählt Fil und macht sich über die Pärchen in seinem Bekanntenkreis lustig: „Die sind wie zwei Neurotiker, die sich aneinander festhalten müssen.“ Da ist er lieber Single, der muss sich seinen Sex hart erkämpfen: „Du musst in vielen Cafés sitzen können, du musst viel Kaffee vertragen können, du musst zuhören können. Ich weiß, Zuhören ist wie Ersticken, deshalb mache ich ein Zuhörgesicht: Ich kneife die Augen zusammen, dann wirken die Ohren größer.“ Single ist er im wahren Leben nicht, aber egal: Fil möchte die Leute zum Lachen bringen, und das gelingt ihm ausgezeichnet.

 „Jetzt kommt ein Lied im 80er-Style, zum Glück haben die 80er nur neun Jahre gedauert, dann kamen die Ostler, die noch in den 70ern waren, dann ist das irgendwie in Techno übergegangen“, läutet er den ersten Song ein, der zur Melodie von Grauzones Eisbär startet, dann in einen lustigen, von Akkorden begleiteten, Monolog über Pärchen, die ständig Bilder von sich posten, übergeht („Hier ist nochmal ein Bild von uns mit noch vom Ficken geröteten Wangen, ist das nicht süß, wie vielen Leuten gefällt das?“) und im Lachen versandet. Zeit, aus seinem Buch Pullern im Stehn zu lesen. Aufgewachsen ist Fil im Märkischen Viertel, einer Berliner Hochhaussiedlung, in der es drei Arten von Kindern gab: „Schläger, Schwuliberts und Irre“. Fil zählte zu den Schwuliberts, was weniger auf die sexuelle Ausrichtung hinwies, sondern an ständig nach oben abgewinkelten Armen lag.

 Später wird Fil Punk, da gehören Saufgeschichten dazu wie der einzige Auftritt seiner Band „Ei, Blut, Kakao“. Das ist nicht neu, solche Geschichten finden sich auch Rocko Schamonis Dorfpunks, doch die mit Berliner Schnauze und einem Schuss Naivität vorgetragenen Abstrusitäten sind derart bilderreich gezeichnet, dass man aus dem Lachen nicht herauskommt. „Ein Freund hat mal gesagt: Kunst ist, wenn man nichts mehr weglassen kann“, erzählt Fil, und so wird auch seine Grönemeyer-Parodie, die er bis aufs Kehlkopfklicken reduziert, zu einer ganz neuen Erfahrung. Wiederkommen, Alta!

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