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SHMF 2013 Picknick mit Swing und Kolibris
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08:33 22.07.2013
Von Beate König
Swing im Grünen: Das Quintett Salaputia Brass machte gleich zu Beginn Stimmung. Quelle: Axel Nickolaus
Stocksee

Kürzer geplant, dafür in der Ausführung deutlich länger als beabsichtigt – dieses Kunststück gelang am Sonnabend in Stocksee: Erstmals hatte das Schleswig-Holstein-Musikfestival das Musikfest auf dem Lande straff ohne Abendprogramm geplant. Tatsächlich gab es dann anfangs soviel Infos zur lettischen Musik, dem Blechbläserquintett Salaputia Brass und dem Cello-Trio Melo M, dass der Beginn des dritten Konzertblocks sich bis in den Abend hinzog. Eine wohl unbeabsichtigte Kompromisslösung für alle, die das Flair von Musik zur Nacht im neuen Konzept vermissten. Die Gäste reagierten südländisch entspannt auf die mehr gefühlten als tatsächlichen Startzeiten. Picknickkörbe, gut gefüllt mit Leckereien, dazu eine Decke für den Schattenplatz auf dem Rasen am Teich oder im Bestfall ein Komplettsatz Gartenmobiliar machten die Pausengestaltung zwischen den drei Musikeinheiten leicht.

 Die hatten es in diesem Jahr im ersten Block in sich. Vor dem deutschen Brass-Ensemble mit dem jugendlich swingenden, elegant-warmen Ton, stellte das Trio Anete Toca (Flöte), Ints Dälderis (Klarinette) und Anton Lyakhovsky (Klavier) in der zum Konzertsaal umfunktionierten Obsthalle des Gutes mit Werken von Juris Karlsons und Peteris Vask anspruchsvolle zeitgenössische Musik aus Lettland vor.

 Moderne Linien statt sanfter Melodien waren in Vasks Landschaft mit Vögeln nicht jedermanns Sache. Toca ließ Töne schnurren wie eine gefährlich zufriedene Katze kurz vor dem Angriff, Läufe schwirren wie aufgeregte Kolibris. Und sie wagte sich ohne Kompromisse im Ausdruck ins plakative Forte. „Etwas fremd“, sagte Zuhörerin Irene Bührsch in der Pause über die neuere Musik.

 Sie blieb jedoch, wie viele andere auch, um weitere Facetten des Trios und seiner baltisch inspirierten Auswahl musikalischer Appetithäppchen kennen zu lernen. Und bekam ein Glanzstück zu hören: Eine großartig intensive Interpretation von Frederic Chopins Ballade Nr. 4 E-Dur von Anton Lyakhovsky. Andere dagegen zog es mitten im Vortrag, durch die Reihen der Sitzenden, ins Weite. „Respektlos gegenüber den Musikern, die spielen hochkarätig“, so Irene Bührsch, die erstmals ihre Enkelinnen zum Musikfest mitgenommen hatte.

 „Dieses Kleinteilige ist nicht meine Sache“, befand Doris Wüstenberg eher zurückhaltend begeistert über den ersten Konzertblock. Sie hatte gehofft, die erst gestern auftretenden Latvian Singers schon am Sonnabend zu hören. „Als ich die Karten kaufte, war die Programmfolge noch nicht bekannt.“ Durchaus unterschiedlich sind auch die Ansichten zum neuen verkürzten Konzept.

 „Das Flair war so schön“, äußerten die gestandenen Musikfest-Besucherinnen Hanna Necker (68) und Brigitte Michaelis (61) aus Fockbek ihr Bedauern darüber, dass es nach dem Beschluss des SHMF nun nicht mehr bis in die Nacht Musik zu hören gibt. Und Eitel-Wolf Necker (70) erinnerte sich an eine laue Musikfest-Nacht in Emkendorf: „Da kam zu später Stunde Justus Frantz mit ein paar jungen Musikern auf die Bühne. Die Stimmung war locker, es wurde über Musik gesprochen.“ Andererseits rechnete Necker aber auch mal eben das Preisleistungsverhältnis bei dem verkürzten Programm hoch: „Drei Stunden Musik für 30 Euro – das ist doch super.“

 „Eigentlich schön, aber ein bisschen geballt“, erinnerten sich Silke Barth (48) und Klaus Klüver (49) an vergangene Musikfeste, die sie gewöhnlich zwei volle Tage lang mitmachten. Was ihnen in Stocksee fehlte, war vor allem die Beschallung der Liegewiese um den Teich für Zaungäste, die Musik und Natur gleichzeitig erleben wollen: „Das gefällt uns in Emkendorf besser.“

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