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Kino und Konzert in packender Symbiose

SHMF: West-Side-Story in Neumünster Kino und Konzert in packender Symbiose

Gern wird die West Side Story als „Mutter des Musicals“ bezeichnet. Tatsächlich vereinigen sich in dem 1957 am Broadway uraufgeführten und 1961 kongenial verfilmten Meisterwerk Tanz, Gesang, Schauspiel und Handlung zu einem künstlerisch anspruchsvollen und wirkungsvoll dramatischen Stück. Über fünfzig Jahre später feierte der mit zehn Oscars prämierte Film nun komplett restauriert und live begleitet vom Schleswig-Holstein Festival Orchester in der Holstenhalle Neumünster ein spektakuläres Revival.

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Breitwand-Feeling in der Holstenhalle Neumünster.

Quelle: Nickolaus

Neumünster. „Das erste Mal werden wir hier heute Abend nicht schwitzen“, verspricht Festival Intendant Christian Kuhnt vor der Vorstellung und bezieht sich dabei auf die neu gestaltete und jetzt vor allem auch gut klimatisierte Halle 1 des Veranstaltungskomplexes. Eine bessere Premiere als die West Side Story freilich konnte man sich für die aufwendig modernisierte Spielstätte kaum wünschen. Der Hollywood-Musical-Meilenstein in der Regie von Robert Wise und Jerome Robbins auf einer Großbild-Leinwand, die den Namen auch verdient, und dazu das auf höchstem Niveau musizierende Festival-Orchester. So schlugen die Herzen des Publikums in der nahezu ausverkaufen Halle also nicht nur aufgrund der berührenden Geschichte des Films – der ja bekanntermaßen eine im New York der 50er Jahre angesiedelte Neu-Interpretation von William Shakespeares ewiger Liebes-Tragödie Romeo und Julia ist – deutlich höher.

 Die Begeisterungsstürme und stehenden Ovationen am Ende des dreistündigen Abends galten in erster Linie dem prachtvollen, ausdifferenzierten aber auch einfühlsamen Spiel des jungen, etwa 100-kopfigen Klangkörpers. Leonard Bernstein vermischte den damals modernen „progressiven“ Jazz und seine ausgeprägten Synkopen und Dissonanzen mit Oper, lateinamerikanischen Rhythmen und amerikanischer Unterhaltungsmusik zu einem bezwingenden und bis heute gültigen Ganzen.

 Unter der dynamischen Leitung des amerikanischen Filmkomponisten und Dirigenten David Newman (Sohn des neunfachen Oscar-Gewinners Alfred Newman und selber mit einer Oscar-Nominierung für den Zeichentrickfilm Anastasia geehrt) brachten die Nachwuchsmusiker diese stets mitreissende, facettenreich funkelnde Komposition zur vollen Blüte. Und auch wenn in einigen Tutti die adolescente Wucht aus dem Graben drohte, das Geschehen auf der Leinwand kurzzeitig aus den Angeln zu heben, war die akustische Ausgewogenheit zwischen Live-Begleitung und den originalen Dialogen und Liedern des Films verblüffend. Das lag nicht zuletzt daran, dass es durch ein technisch ausgetüffteltes Verfahren mittlerweile gelingt, orchestrale Elemente auf der Tonspur eines Films zu erkennen und zu entfernen, während alles andere zu hören bleibt. Werden diese Leerstellen nun durch ein Live-Orchester besetzt, können Kino und Konzert wie in diesem Fall eine packende Symbiose eingehen.

 Vor achtundzwanzig Jahren initiierte Leonard Bernstein im Rahmen des SHMF die Orchesterakademie mit dem Festivalorchester. In Anwesenheit seines Sohnes Alexander Bernstein bedankte sich das Festival nun mit einem ganz großartigen Abend bei dem Menschen, Mentor und Meister.

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SHMF in Neumünster
Foto: Lichtdurchflutet präsentierte sich die erneuerte Holstenhalle 1 kurz vor Beginn des Festivalkonzertes "West Side Story".

Härtetest bestanden: Das Eröffnungskonzert in der komplett neugestalteten Holstenhalle 1 mit dem live zum Kino-Klassiker West Side Story aufspielenden Schleswig-Holstein Musik Festival-Orchester war ein voller Erfolg. Die 3000 Zuschauer am Freitag feierten die Musik und sparten nicht mit Lob für das runderneuerte Ambiente des unter Denkmalschutz stehenden Veranstaltungstempels.

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