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SHMF 2015 - News Sechzehn sonore Saiten
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16:37 16.08.2015
Von Dr. Christian Strehk
Das Borodin Quartett trat in der Flemhuder Feldsteinkirche auf. Quelle: Axel Nickolaus

Die Kirche von Flemhude mag für die Disposition der Festivalleitung zu wenig Platzkapazität bieten – als intimer Raum ist sie gerade für Kammermusik eine Perle. Das gilt auch für die Akustik, wie man am Eiderkanal in den Wanderwegkonzerten seit Jahrzehnten erleben konnte.

Der Einstieg hätte am Sonnabend auch künstlerisch nicht glücklicher gelingen können. Das 70-jährige Moskauer Borodin Quartett ist auch in veränderter Besetzung immer noch ein Solitär. Der erdige, enorm volle und auf dem farbintensiven Cello von Vladimir Balshin aufgebaute Ensembleklang hat nichts von seinem speziellen Reiz eingebüßt. Mit den Geigern Ruben Aharonian und Sergey Lomovsky sowie dem Bratschisten Igor Naidin waren, wen wundert’s, die vier ernsten Russen beim Schwerpunkt-Komponisten Peter Tschaikowsky ganz zu Hause.

Der orthodox sonore Choral im B-Dur-Frühwerk, vor allem aber die weit gefassten, raffiniert rhythmisch changierenden Klangfelder des Ersten Streichquartetts D-Dur lagen in kundigen Händen. Das berühmte Andante cantabile, der schöne langsame zweite Satz dieses Opus 11, tönt tatsächlich nur bei den Borodins seit Jahrzehnten wie das klagend atmende und doch völlig unsentimentale Sinnieren eines Bajans, des osteuropäischen Knopfakkordeons. Und das lichtgeflutet flirrende Finale passte optimal zu den leuchtenden Sonnenblumen an der Bühne.

Nach der Pause nahmen die Vier Beethovens spätem a-Moll-Streichquartett op. 132 ein wenig den Schrecken motivsplittriger Kopfgeburt-Sperrigkeit, indem sie extrem scharfkantige Kontraste gelinde hochromantisch einebneten. Jede Gelegenheit zu warm strömender Intensität wurde genutzt, der „neuen Kraft“ im „Heiligen Dankgesang eines Genesenen an die Gottheit“ tatkräftige Energie zugeführt und das Finale mit großer Geste wirklich passioniert angefasst. Da wären auch die Sakralhelden St. Georg und Mauritius, Namenspatrone der Flemhuder Kirche, von den Bänken gerissen worden. Zugaben für die begeisterten Besucher: Petitessen von Tschaikowsky.

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