Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
SHMF 2015 - News Sensibel und brutal zugleich
Veranstaltungen-Kiel SHMF SHMF 2015 SHMF 2015 - News Sensibel und brutal zugleich
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:10 14.07.2015
Von Dr. Christian Strehk
Musiker/innen der Orchesterakademie spielen sich zur ersten Probe vor der ACO-Thormannhalle ein: Josh Baker, USA, Sophie Pariot, USA, Chiai Tajima, Japan/USA. Quelle: Axel Nickolaus

Krzysztof Urbanski, einer der Shooting-Stars der internationalen Dirigentenszene, hat die heikle Aufgabe übernommen, aus den unter 1700 Bewerbern ausgewählten 125 jungen Spitzenmusikern in kurzer Zeit als erster einen Klangkörper zu formen. Er weiß, worauf er sich da einlässt: 2013 war er erstmals hier – mit sehr großem Erfolg. Jetzt wird er (auch) dafür mit dem Leonard Bernstein Award geehrt. Der 1982 in Polen geborene Musiker, Chef in Trondheim und demnächst zentraler Gast beim NDR Sinfonieorchester in Hamburg, ist der erste Dirigent in der Reihe. Das Preisgeld von 10000 Euro hat er zum Teil für einen Nachwuchszweig an der Hochschule seiner Heimatstadt vorgesehen, wo er einst unter den Mitstudenten auch seine mit angereiste Frau kennengelernt hat.

 Reinhard Boll, Präsident des Verbandes, der den Preis der Sparkassen-Finanzgruppe stiftet, sieht Vorteile im „Geben und Nehmen“ und freut sich, dass in diesem Sommer so viele Bernstein-Preisträger im SHMF-Programm auftauchen wie nie zuvor. Urbanski fühlt sich angesichts des großen Namens und seiner Ausstrahlung mit „Liebe und Leidenschaft“ besonders geehrt: „Auch wenn ich nie nur einen einzigen Dirigenten als mein größtes Vorbild nennen könnte – Bernstein hat auf besondere Weise den Fokus auf den Mann vor dem Orchester gelenkt.“

 Urbanski hat ein Programm vorgesehen, dass er als ganz besondere Herausforderung einschätzt. Mit seinem Freund Jan Lisiecki, Bernstein-Preisträger von 2013, möchte er versuchen, das Zweite Klavierkonzert seines Landsmanns Chopin („so nah am Herzen“) zu knacken: der Eindruck großer Eleganz ist ihm dabei wichtig. Schwierig sei das, weil Chopin zwar ein begnadeter Komponist, aber kein begnadeter Orchestrator gewesen sei. „Hier trotzdem einen reichen Sound herauszukitzeln, ist nur mit besonders sensiblen Musikern möglich“, so Urbanski.

 Nach der Pause soll dann ein „persönlicher Favorit“ des Dirigenten erklingen: Igor Strawinskys Sacre du Printemps, die einst als so skandalös empfundene und lange als „unspielbar“ eingeschätzte Ballettmusik. Auch Urbanski sieht Hürden in den rhythmischen Höchstschwierigkeiten, dem unablässig nötigen Energieschub der oft „vulgären und brutalen, aber in Farben und Textur auch enorm reizvollen Klänge“. Wie einst Lenny in Salzau sieht auch Urbanski das Werk aber als besonders geeignet für die „hungrige“ junge Truppe an.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige