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SHMF 2015 - News Geben und Nehmen
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12:43 30.08.2015
Von Oliver Stenzel
Im Kreis ihrer Protegés wirkt Anne-Sophie Mutter (li.) gewohnt konzentriert und ungewohnt gelöst zugleich. Quelle: nick

Die bestens besuchte Holstenhalle unterstreicht die gesteigerte Volksnähe des SHMF. Zu den schönen Nebeneffekten von Anne-Sophie Mutters musikalischer Hochbegabtenförderung zählen die Rückwirkungen auf die Geigerin selbst. Im Kreis ihrer Protegés wirkt sie gewohnt konzentriert und ungewohnt gelöst zugleich. Der Kontrabassist Roman Patkoló zählt bereits seit Ende der Neunzigerjahre dazu und ist Mutters ideales Gegenüber in Krzysztof Pendereckis Duo concertante für Violine und Kontrabass. Auf Augenhöhe geben sich die beiden Widmungsträger des Werks hier wechselseitig den Führungsstab in die Hand, lassen ihre Instrumente kratzbürstig klingen und dazwischen herbe Lyrik aufscheinen. Mit André Previns Nonett für zwei Streichquartette und Kontrabass folgt darauf ein weiteres Stück zeitgenössischer Musik. Die abermals innigen Dialoge zwischen Mutter und Patkoló werden dabei durch weitere Binnengespräche zwischen den Mitgliedern der Virtuosi ergänzt, die hier jugendfrische Energie mit kammermusikalischer Intimität kombinieren.

Das stille Lächeln, das der Geigerin immer wieder über das Gesicht huscht, wenn ihre Mitstreiter alles geben, erscheint auch in Johann Sebastian Bachs Konzert d-Moll für zwei Violinen, Streicher und B.c. BWV 1043 regelmäßig. Mutter nutzt seinen doppelten Solopart dabei als kleine Talentshow, in deren Verlauf ihr verschiedene Virtuosi gegenübertreten. Frappierend intensiv gerät dabei die musikalische Zwiesprache zwischen ihr und der Koreanerin Ye-Eun Choi im Largo. Da gewinnt man den Eindruck, zwei Künstler gemeinsam atmen zu hören – ein berührender Moment inmitten einer ansonsten angenehm quicklebendigen Aufführung.

Dass sich Anne-Sophie Mutters Zugang zur Barockmusik allgemein und zu Antonio Vivaldis Konzertzyklus Vier Jahreszeiten speziell im Laufe der Jahrzehnte stark verändert hat, ist kein Geheimnis. Schon zwischen ihren beiden Einspielungen von 1984 und 1999 liegen Welten. Nochmals verschlankt, lässt seine Aufführung in der zweiten Konzerthälfte nun gänzlich vergessen, dass ihr Spiel einst als Antithese zur historischen Aufführungspraxis galt. Vom ansteckenden Drive ihrer Musiker optimal getragen, serviert Mutter den Solopart der Konzerte wunderbar reich und konturiert, definiert sich aber zugleich hörbar weiter als Orchestermitglied, so dass eine dichte Vernetzung aller Beteiligten entsteht. Nach zwei Vivaldi-Ehrenrunden und Bachs Air ist das Publikum außer Rand und Band. Man hatte Großes erwartet. Wenn man aber musikalisches Geben und Nehmen in so vollendeter Form miterleben darf, ist die Freude darüber berechtigt riesig.

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