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Ragna Schirmer staunt und lacht vor Glück
Schleswig-Holstein Musik Festival 2015 - SHMF 2015

SHMF Ragna Schirmer staunt und lacht vor Glück

Ragna Schirmer ist die große Entdeckerin unter den namhaften Pianisten. Immer wieder lässt sie mit außergewöhnlichen Repertoire-Erkundungen aufhorchen. Bevor im September bereits ihre neue CD rund um Clara Schumann erscheint, stellt sie beim Schleswig-Holstein Musik Festival ihr auf drei Berlin-Classics-CDs präsentiertes Händel-Projekt rund um dessen Orgelkonzerte vor – live und mit Jazzband.

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Starke Persönlichkeit, starke Pianistin: Ragna Schirmer will beim SHMF zwischen Klavier und Hammond-Orgel wechseln.

Quelle: Robert Dämmig

Frau Schirmer, wie kommt man als Pianistin dazu, sich immer wieder derart intensiv um den Opern-, Oratorien- und Konzertmusik-Komponisten Georg Friedrich Händel zu kümmern?

 Die Barockmusik liegt mir sehr am Herzen. Ich habe ja auch mal den Bach-Preis in Leipzig bekommen. Und, nicht zu vergessen, ich lebe schon seit 1996 in Halle an der Saale, der Geburtsstadt Händels. Außerdem gibt es eben einiges an unterschätzter Tastenmusik von ihm, die ich ganz wunderbar finde, weil sie sehr charakteristisch und nah am Leben ist. Man kennt das ja aus den Opern, wie er die Gefühle der Figuren in Musik zu fassen bekommt. Außerdem „groovt“ sie, animiert dazu, sich zu ihr zu bewegen. Anders als bei Bach lässt die Musik dem Interpreten sehr viele Freiräume. Sie ist bisweilen nur skizziert und bietet Raum für Improvisationen und Ornamente.

Wie kam es denn zu der eigenwilligen Idee, die Werke auf drei völlig unterschiedlichen Instrumenten auf CD aufzunehmen?

 Zunächst hatte ich 2009 alle Cembalo-Suiten auf das Klavier übertragen. Aufbauend auf dem großen Erfolg dieses Albums erschien der Schritt fast logisch, auch die Orgelkonzerte auf dem Klavier zu realisieren. Das gestaltete sich dann aber sehr viel komplizierter, weil es sich dabei um eine klangliche Reduktion handelt, während der Schritt vom Cembalo zum Klavier mir zuvor als Plus an Klang erschien. Insofern sah ich mich jetzt geradezu genötigt, bereichernd zu arrangieren. Ich fand ein barockes Spezialistenensemble und ein modernes Orchester beides gleich reizvoll. Der historische Hammerflügel hat mich genauso gereizt wie der moderne Steinway. Da es ja fünfzehn Konzerte gibt, konnte die Aufteilung beginnen. Da drei CDs dafür nötig sind, wurde mir plötzlich klar, dass wir noch einen Schritt weitergehen sollten. Händel war ein sehr populärer Star seiner Zeit. Da bot sich aus heutiger Sicht die Unterfütterung zum Beispiel mit Schlagzeug geradezu an. Die Hammond-Orgel ist stilistisch der entsprechende Schritt nach vorn, wenn auch zugleich zurück zur Orgel. Ich spiele auf der Hammond-Orgel tatsächlich den originalen Notentext von Händel. Die Arrangements beziehen sich auf den Orchesterpart für die Jazzband.

Sind Sie da irgendwie vorgeprägt gewesen? Durch Jacques Loussier beispielsweise?

 Vorgeprägt nicht. Aber wir haben uns natürlich nach dem umgeschaut, was es in der Richtung schon gibt. Ich bin ja nicht die Erste, die darauf kommt, dass gerade die Barockmusik sich sehr dafür eignet, in die Jazzrichtung zu gehen. Es gibt ja das kontinuierlich pulsierende rhythmische Element. Die andere Parallele ist das Element der Improvisation, dass man einzelne Versatzstücke je nach Lust und Laune ausführt. Das war eine sehr, sehr spannende Arbeit.

Wie dürfen wir uns das jetzt bei den SHMF-Konzerten vorstellen? Da liegt der Schwerpunkt ja gerade bei der Hammond-Orgel, oder?

 Angefragt wurde konkret dieser Aspekt. Ich finde den Rückschluss auf die Originale von Händel aber wichtig. Die Jazz-Arrangements legitimieren sich durch das Original. Deshalb haben wir beim SHMF eine Version erarbeitet, wo ich jeweils Händel-Suiten auf dem Klavier spiele und dann im Wechsel die Hammond-Versionen der Orgelkonzerte erklingen.

Beim Hammerklavier mag die Umstellung für Sie als Pianistin ja noch naheliegend sein. Bei der Hammond-Orgel stellt man sich die manuelle Herausforderung allerdings extrem vor.

 Ich habe mir eine eigene Hammond-Orgel angeschafft. Und es macht mir immer mehr Spaß, ihre Möglichkeiten auszureizen. Das leicht zeitversetzte Reagieren durch die Ansprache der Röhren, die Tremolo-Effekte durch die eingebauten Leslie-Rotationslautsprecher oder schon allein die Registrierung der beiden Manuale erweist sich sozusagen als eine völlig anders geschichtete Klangwelt. Ich sehe das Tasteninstrument sowieso als Ganzes – durch verschiedene Epochen und Stadien. Ich habe zu Hause inzwischen einen „Fuhrpark“ von 1840 bis heute. Ich möchte darin die Hammond-Orgel nicht mehr missen. Es ist für mich aber etwas Neues, dass ich auf Strom angewiesen bin (lacht) ... Einmal ist sie schon nicht angesprungen. Drücken Sie die Daumen! Ansonsten ist eines klar: Ich hatte noch nie so viel Spaß auf der Bühne wie bei diesem Projekt. Alleine das gemeinsame Atmen, wenn die tollen Jazzer anfangen, wirklich zu improvisieren: Da legt man sich als Solistin einfach rein. Ich sitze dann da, staune – und muss immer lachen vor Glück.

 Händel on Hammond, 11. August, 20 Uhr, Christkirche Rendsburg (weitere in Hohenlockstedt und Wotersen). Karten: 0431 / 23 70 70 www.shmf.de

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Ein Artikel von
Dr. Christian Strehk
Kulturredaktion

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