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SHMF 2015 - News Vom Vergnügen am Leiden
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10:06 26.07.2015
Von Dr. Christian Strehk
Geiger Erik Schumann im Kieler Schloss. Quelle: Axel Nickolaus
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Kiel

Im gut besuchten, aber trotz namhafter Besetzung nicht ausverkauften Kieler Schloss steigerten sich allen voran die drei heimgekehrten Bernstein-Preisträger in einen wahren Tschaikowsky-Rausch hinein.

Die Pianistin Anna Vinnitskaya legte mit Ausschnitten aus dem Jahreszeiten-Zyklus im Wechselbad von Trübsal und kleinen Freudefunken vor. Dann ließ der superbe Geiger Erik Schumann an ihrer Seite die meditativen Kantilenen des Opus 42 funkeln. Und der Cellist Leonard Elschenbroich verwirbelte leichthändig die kapriziösen Kreisel im Opus 64. Dazwischen versenkte die niederländische Mezzosopranistin Christianne Stotijn ihre bisweilen bezaubernd schöne und raumflutende Stimme tief in die Seufzer ausgewählter Lieder. Hätte man im leider durchgehend nachtschwarz abgedunkelten Saal die Chance bekommen, die Texte im Programmheft zu verfolgen, wäre die Feinzeichnung im Einklang mit dem maximal sensiblen Klavierpartner Julius Drake vielleicht noch deutlicher geworden. Wobei Stotijn, anders als das unablässig tonströmende Team Netrebko / Barenboim, manchmal fast zu ausgestellt mit den wechselnden Vokalfarben der russischen Sprache jonglierte und dadurch Gefahr lief, Linie zu verlieren.

Anders als in den episch weitschweifigen früh(er)en Werken und Liedern erlebt man das russische Roulette zwischen zu Tode betrübt und grandios aufbrausend beim späten Großmeister Tschaikowsky als perfekt ausbalancierten Existenzkampf. Vorausgesetzt, es wird so elektrisierend intensiv musiziert wie von den jungen Kammermusikern hier. Das berühmte Sextett Souvenir de Florence, dieser hörbar russisch gefärbte Reflex auf Temperament und Licht Italiens, nahm unter der hochvirtuosen, ja geradezu übermütigen Beteiligung von Erik Schumanns Quartettkollegen rasante, häufig in einen fesselnden Fiebertraum umschlagende Züge an.

Kaum zu glauben, dass diese Intensität noch zu übertreffen war. Doch eines der ohne Frage größten Meisterwerke Tschaikowskys machte das möglich: Der in schmerzlichen Windungen und selbstbefreiender Expressivität auskomponierte klingende Nachruf auf seinen Freund und Förderer Nikolai Rubinstein. Wie Vinnitskaya, Schumann und Elschenbroich dem Trauerthema in diesem a-Moll-Klaviertrio klagende Größe gaben, das Aufbegehren gegen Verlustängste dramatisch ausfochten, um dann im Variationensatz immer neue Zustände von Verklärung und Erinnerungsfreude heraufzubeschwören, war schlicht grandios. Das nirgends larmoyant verkitschte Spektrum zwischen lichter kammermusikalischer Intimität und quasi sinfonischer Wucht hätte man sich größer nicht vorstellen können. So erntete die Melancholie des manisch mit sich selbst kämpfenden Russen Riesenbeifall.

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