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SHMF 2015 - News Chor-Umarmung des Festivals
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17:10 25.08.2015
Von Oliver Stenzel
Das große Strömen der Töne: der Schleswig-Holstein Festival Chor unter Nicolas Fink. Quelle: Axel Nickolaus

Beim Abschlusskonzert am Sonntag werden die Sänger wie im Vorjahr wieder von renommierten Ensembles und Solisten flankiert werden. Hier aber widmen sie sich unbegleitet Sergei Rachmaninoffs Chrysostomos-Liturgie op. 31.

 Allerdings kann der Leiter des Festivalchors, Nicolas Fink, zurzeit als Spezialist für das lange in Vergessenheit geratene Werk gelten. Gerade hat er es mit dem Rundfunkchor Berlin auf einer CD veröffentlicht, der in Fachkreisen bereits Referenzstatus bescheinigt wurde. Die Transparenz und Plastizität, die diese Aufnahme auszeichnen, prägen auch das Konzert mit dem SHFC. Fink scheint bei seinem Dirigat stets ebenso von der großen Gesamtarchitektur des Werkes auszugehen, wie er die Charakteristika seiner einzelnen Stationen fokussiert. So wechseln hier in schöner Selbstverständlichkeit introvertierte und extrovertierte Passagen, scheint der Chor mitunter schwerelos zu schweben und begeistert dann wieder durch einen natürlichen Flow.

 Hinsichtlich der Qualität einer solchen Aufführung gewinnt man in ihrem Verlauf ganz unterschiedliche Eindrücke: Da gibt es Momente, in denen man fast vergisst, dass man es hier mit einem semiprofessionellen Chor zu tun hat. Insbesondere die geschlossenen Passagen des trotz schlicht anmutender Melodieführung anspruchsvollen Werks gelingen Fink und dem SHFC erstaunlich einwandfrei. Geht es komplexer zu, klingen die Sänger so, wie man sich den idealen Kirchenchor im Lande vorstellen würde: musikalisch hoch versiert – und endlich einmal frei von Frauenüberschuss und Tenormangel. Schließlich gibt es insbesondere bei den von Einzelstimmen gesungenen Teilen Momente, in denen die Musik wieder ganz auf der Erde landet. Und als einem der Sänger inmitten der Aufführung ein handfester Einsatzpatzer unterläuft, ist dann wieder klar, dass es sich hier eben doch um ein Sonderkonzert handelt, das vom Hörer eigene Maßstäbe erfordert. Dies gilt natürlich auch für die Wahrnehmung des kirchenslawischen Liturgietextes, dessen Aussprache selbst Elite-Ensembles an ihre Grenzen führen würde, wenn sie nicht aus Russland stammten.

 So klatscht man am Ende nicht nur für eine homogene Interpretation eines interessanten Werks. Auch die Idee der neuen Chorakademie hat sich erneut den Beifall verdient: Das Festival umarmt das Land, indem es seine singenden Leute in sich aufnimmt. Das nennt man wohl eine Win-win-Situation.

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