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SHMF 2015 - News Ein großer Fürsprecher
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14:38 23.08.2015
Von Oliver Stenzel
Dirigent Christoph Eschenbach. Quelle: dpa (Archiv)

Peter Tschaikowsky ist ein Komponist, der Fürsprecher braucht. Im Gegensatz zu Felix Mendelssohn Bartholdys Musik, die im vergangenen Jahr das Festival prägte, herrscht über die Qualität der seinen keine Einigkeit. Der Kritiker Eduard Hanslick meinte, sie „stinken“ zu hören – einige seiner Nachfolger reagieren auch heute noch vergleichbar extrem. Wenn es in Deutschland einen Dirigenten gibt, der einen die Vorbehalte zumindest für die Dauer eines Konzertes vergessen lässt, dann ist das sicher Christoph Eschenbach. Eigentlich gilt Tschaikowskys Sinfonie Nr. 1 g-Moll op. 13 Winterträume als frühes Bagatelldelikt, nicht zu vergleichen mit dem Kaliber der Vierten, Fünften oder Sechsten. In der sehr gut besuchten Hamburger Laeiszhalle allerdings begegnet dem Hörer am Freitagabend ein über weite Strecken sehr einnehmendes Werk – vielförmig und klangsinnlich, strukturell ideal proportioniert.

Der 75-Jährige hat bei seinen Proben mit dem Schleswig-Holstein Festival Orchester ganze Arbeit geleistet. Dicht und aufgeladen steigern die jungen Musiker das Hauptthema des Allegro tranquillo und erwecken die Sanftheit des zweiten Satzes dann ebenso konzentriert wie behutsam. Obwohl Eschenbach im Klangbild durchaus auf Reichhaltigkeit setzt, arbeitet er zugleich die Details der Musik akkurat heraus, erlaubt sich zum Ende des Scherzos einen pointierten Wumms und schließt das Werk danach stimmig ab. Für den großen Applaus gibt es also schon jetzt viel Grund. Dabei steht der eigentliche Gipfelpunkt des Abends, ein Sänger-Parcours durch Tschaikowskys Oper Eugen Onegin, ja noch bevor.

Das Programmheft beschränkt sich darauf, „Auszüge“ anzukündigen, mit anderthalb Stunden Spieldauer bewegt man sich jedoch schon relativ dicht auf eine Netto-Version des Werkes zu. Die bei der Bewerbung des Konzerts in den Mittelpunkt gerückte Michaela Kaune trägt mit ihrem wunderbar natürlich klingenden und zu Herzen gehenden Sopran wesentlich zum Glanz des Abends bei. Berechtigte Bravi sichert sich allerdings auch Daniel Behle, der seinen schmelzig weichen Tenor als Lenski in der Duellszene in wunderbar schwerelose Pianissimo-Sphären vordringen lässt. Im schönen Kontrast dazu steht der metallisch feste Kern von Markus Eiches Bariton, dessen Eugen Onegin für die Rolle genau die richtige Dosis Überheblichkeit ausstrahlt. Mehr oder weniger am Rande runden die Mezzosopranistinnen Margarita Gritskova als wunderbar kraftvoll strahlende Olga und Claudia Rüggeberg als herbere Filipjewna das Ensemble erstklassig ab. Für den Überraschungserfolg des Abends  sorgt Mikhail Petrenko als Fürst Gremin, der seinen kurzen Auftritt mit virilem Bass effektvoll gestaltet. Ein schönes i-Tüpfelchen in dieser durch Eschenbach und das SHFO exzellent grundierten Aufführung, die in entsprechenden Applaus mündet.

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