21 ° / 9 ° wolkig

Navigation:
Christoph Schoener ehrte die Orgel

Rendsburger Christ-Kirche Christoph Schoener ehrte die Orgel

Schon beim Eintritt in die Rendsburger Christ-Kirche wird klar, dass den Gast hier kein ganz reguläres SHMF-Konzert erwartet. Zwar annonciert das Festival stolz, dass es mit Christoph Schoener einen der Preisträger des „Echo Klassik“ präsentieren kann, das Gotteshaus füllte sich aber nur zur Hälfte.

Voriger Artikel
Die Welt ist ein Kinderzimmer
Nächster Artikel
Von der Brüchigkeit des Seins

 Christoph Schoener gastierte in Rendsburg.

Quelle: Michael Zapf

Kiel. Da dieser aber als langjähriger Kirchenmusikdirektor an der Hamburger Hauptkirche St. Michaelis eine feste Größe im hiesigen Musikleben darstellt, ist das Gotteshaus an diesem Abend nur etwa zur Hälfte gefüllt. Mit einem reinen Bach-Programm möchte der Organist hier einen Beitrag zum Jubiläum „300 Jahre Arp Schnittger-Orgel in der Christ-Kirche“ leisten und beginnt diesen mit der Passacaglia c-Moll BWV 582. Mathematisch streng und ehrfurchtgebietend klar tönen die 20 Variationen durch den Raum und öffnen eine erste Tür zum musikalischen Kosmos des Komponisten wie auch zum Ausdrucksspektrum der Orgel. Im anschließenden Concerto G-Dur BWV 592 präsentiert Schoener das Instrument von seiner sanglichen Seite, manövriert sich leicht und wendig durch seine drei Sätze, auf die mit der Aria variata alla maniera italiana BWV 989 eine flüssig zum Leben erweckte Vorstufe der Goldberg-Variationen folgt.

Mit der ursprünglich für Cembalo verfassten Chromatischen Fantasie und Fuge BWV 903 ehrt Schoener en passant den Jubilar Max Reger, der die Orgelfassung des Werks besorgte. Es erscheint hier ganz vom Virus der Spätromantik befallen und bietet für den Interpreten daher einen willkommenen Ausgangspunkt, auch das diesbezügliche Potential der Orgel versiert auszuloten, die nach ihrer Fertigstellung am 26. Juni 1716 im 19. und 20. Jahrhundert wiederholt überarbeitet und klanglich erweitert wurde. Nach der kontemplativen Choralbearbeitung „Erbarm dich mein, o Herre Gott“ BWV 721 folgt zum Finale mit Max Regers Orgelbearbeitung von Fantasie und Fuge (Toccata) D-Dur BWV 912 ein weiteres Stück romantisch entzündeter Barockmusik, mit dem der Kirchemusikdirektor die Vermessung des Instruments eindrucksvoll beendet. Großer Applaus für eine musikalisch randvolle Feierstunde.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
ANZEIGE
Mehr aus SHMF 2016 2/3