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Arbeit an den letzten Dingen

Eschenbach mit SHFO Arbeit an den letzten Dingen

Dass es beim letzten Konzert des Schleswig-Holstein Festival Orchesters teilweise sehr zur Sache gehen wird, merkt man bereits vor Beginn der ersten Probe. Die Arbeit mit Christoph Eschenbach vereinnahmt die Musiker.

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Zeigte sich in Büdelsdorf gestern konzentriert und in Lobeslaune: Christoph Eschenbach.

Quelle: Axel Nickolaus

Büdelsdorf. Laut und aufgeregt tönen in der Büdelsdorfer Thormannhalle die Instrumente durcheinander, und insbesondere der hektische Forteklang der Hörner macht die Nachfrage überflüssig, welches der beiden Werke des Konzertprogramms vom kommenden Sonnabend hier an diesem Vormittag geprobt werden wird. Es ist unüberhörbar Anton Bruckners Neunte Sinfonie, mit der sich die jungen Musiker in den kommenden drei Stunden beschäftigen werden – der unvollendet gebliebene Abschiedsgruß des Komponisten, der bis zu seinem Tod an diesem Werk arbeitete und sich dabei noch einmal weit hinaus wagte. Ihm gegenüber wird in dem Hamburger Konzert auch Joseph Haydns letzte Sinfonie stehen, eine bei bester Gesundheit ihres Schöpfers komponierte Musik, die unter ihrem Beinamen „Salomon“ zu einer seiner beliebtesten Sinfonien geworden ist.

Es passt zu einem Ausdrucksdmaestro wie Christoph Eschenbach, dass er seine Probenphase mit dem stärker fordernden der beiden Programmpunkte beginnt. „Kennt einer von euch die Neunte schon?“, fragt er ins Orchester, nachdem er wie stets mit perfekt geglättetem Stehkragen-Hemd und messerscharfen Bügelfalten ans Dirigentenpult getreten ist, und ergänzt: „Ich weiß natürlich, dass ihr es jetzt kennt. Aber hat sich vorher schon mal jemand damit beschäftigt?“ Das Echo auf diese Frage fällt ebenso überschaubar aus wie Eschenbachs weitere Erläuterungen. Kein Wort zum unvollendeten Finale oder der Frage, ob die Musik Mahlers ohne dieses Werk so geworden wäre, wie sie geworden ist. Stattdessen geht Eschenbach lieber gleich in die Praxis, lässt die Streicher das Eröffnungststremolo und die Hörner das Eingangsmotiv spielen. Das Ergebnis kann sich bereits hören lassen und der 76-Jährige spart nicht mit Anerkennung. Im wachen Austausch mit den jungen Musikern wirkt er wieder einmal erstaunlich alterlos. Fast ist man erstaunt, als er um „das kleine rote Kästchen“ aus seiner Tasche bittet, dem er dann seine Brille entnimmt.

Sofort sind Dirigent und Orchester vertraut

Auch wenn natürlich lange nicht alle Orchestermitglieder bereits mit Eschenbach gearbeitet haben, hat man sofort das Gefühl, dass der Stammdirigent der Orchesterakademie hier mit seinem Klangkörper zusammen probt. Es gibt keine Auftauphase, der Ton zwischen ihm und den Musikern wirkt sofort vertraut. Locker, aber doch sehr konzentriert, geleitet er sie durch den ersten Satz der Sinfonie, lobt eher einmal zu viel als zu wenig und erzeugt unmittelbar maximale Motivation. „Feierlich“ sollen die ersten Takte klingen und tun es nach kurzem Feintuning auch. Darüber aber soll wiederum die rhythmische Dimension der Musik nicht zu kurz kommen: „Nicht zu hektisch werden“, mahnt der Maestro die Bläser. „Ich bin immer bei euch.“

Diese natürliche Nähe bietet seit jeher die produktive Basis für Eschenbachs Arbeit mit dem SHFO. Dass es vor diesem Hintergrund auch zu den letzten Dingen vordringen wird, ist keine Frage.

Öffentliche Proben

Nächste öffentliche Proben in der ACO Thormannhalle in Büdelsdorf am Mittwoch und Donnerstag von 10 bis 13 und 16 bis 19 Uhr sowie am Freitag von 10 bis 13 Uhr. Öffentliche Generalprobe am Freitag um 20 Uhr ebenfalls in der Thormannhalle. Konzert am Sonnabend um 20 Uhr in der Hamburger Laeiszhalle.

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