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Lauter positive Energieschübe

SHMF-Eröffnungskonzert Lauter positive Energieschübe

Der erste gelungene Schritt in Richtung Joseph-Haydn-Universum ist bereits getan. Thomas Hengelbrock erwies sich am Sonnabend im Eröffnungsvorkonzert wie erwartet als Kompetenzgröße für den SHMF-Schwerpunktkomponisten 2016. Und das NDR Elbphilharmonie Orchester glänzte mit Béla Bartóks "Konzert für Orchester".

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Das Eröffnungskonzert des SHMF mit Dirigent Thomas Hengelbrock, Solistin Marianne Crebassa und dem NDR Elbphilharmonieorchester

Quelle: Marco Ehrhardt

Lübeck. Im nahezu ausverkauften Foyer-Notkonzertsaal-Rund der baupolizeilich verriegelten Musikhalle Lübeck nutzten die NDR-Sinfoniker aus Hamburg die etwas spröde aber nicht problematische Akustik zu blitzblanker Politur der wohl in Paris für London entstandenen G-Dur-Partitur von Haydns Oxford-Sinfonie. Das Elbphilharmonie Orchester setzte das gewitzte Allegro („ spiritoso“) mit flinker Wendigkeit, ventillosen Hörnern, knackigen Paukenschlägen und parfümfreiem Streichersound voller Esprit in Szene. Das Adagio geizte nicht mit sprechenden Bläser-Soli (Querflöte!) und auf den Punkt gebrachten Überraschungsabbrüchen – typisch Haydn eben.

Im Vorkonzert konnte dieser allseits mitgetragene Energieschub allerdings auch zum Problem werden. Der Menuett-Tanzsatz geriet so drängend hektisch, dass jede Hofschranze des 18. Jahrhunderts darüber unweigerlich schwer ins Stolpern geraten wäre. Das Finale wurde endgültig zum reinen Vergnügen für Hochgeschwindigkeitsfanatiker, wirkte dadurch aber auch so fliehkräftig gepresst, dass der beispielweise beim Kollegen Adam Fischer wunderbar kultivierte Charme verloren ging. Allerdings mäkelt man hier bereits auf sehr hohem Haydn-Niveau.

Im doppelten Sinne stimmig wirkte, dass Hengelbrock gleich mitbetonen wollte, was der große Wiener Klassiker zugleich für ein hervorragender Gesangskomponist war. Die Konzertarien-Szene Berenice, che fai ist tatsächlich ein Glanzstück dramatischer Zuspitzung, eines, das unmittelbar zur Doppel-Ära Beethoven/Rossini überleitet. Und die dafür geladene zarte Französin Marianne Crebassa brachte mit ihrem gerade 30-jährigen, in Salzburg und Mailand senkrechtstartenden Mezzosopran die nötige tragische Energie, Strahlkraft und Farbe für die tief liegende Sopranpartie mit. Dafür prasselten Beifall und berechtigte Bravi.

Ein glasklarer Energiefluss erleuchtet auch Béla Bartóks Konzert für Orchester. Das wirkungsvolle Meisterwerk der klassischen Moderne, dessen völkerverbindend folkloristischen und brillant instrumentierten Züge Hengelbrock spürbar gleichermaßen reizten, ja sichtlich begeisterten, bekommt man nicht alle Tage so virtuos und präzise perkussiv zu hören. Dafür dankten ihm nicht nur die knapp 1300 Zuhörer, sondern auch die sicher gelenkten, in allen Registern zugleich zartbesaiteten und aus allen Rohren feuernden Musiker im riesigen Orchesterverbund.

 

Das Konzert wird am Sonntag, 3. Juli, um 20 Uhr im Foyer der Lübecker Musik- und Kongresshalle wiederholt. Live-Übertragung im Radio auf NDR Kultur und Fernsehen auf 3Sat. www.shmf.de

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Ein Artikel von
Dr. Christian Strehk
Kulturredaktion

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