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Das Brausebad

Weihnachtsgedicht Das Brausebad

von Annegreth Horn

Seelenvergnügt in der Badewanne

Sitzt unsre kleine blonde Susanne,

schäkert und spritzt und plantscht wie im Meer

eine ganze Sintflut um sich her.

Mama wird schön böse sein!

„Na warte, du Schlingel!“

Sirr gehr draußen die Klingel.

„Je“, sagt Mama, „es klingelt auch grade immer, während ich Suschen bade.

Sei jetzt mal lieb, mein Herzblatt! Ja?

Gleich ist die Mutter wieder da!

Und fass mir da oben den Griff nicht an;

das ist die Glocke vom Weihnachtsmann;

die hängt von der Decke in dicken Schnüren;

da darf beileibe kein Kind dran rühren.“

Sie geht. – Und Susi, die jetzt allein ist,

wäscht ihre Seife, bis sie ganz klein ist,

zieht das Badelaken vom Tisch herunter

und schleift es durch sämtliche Pfützen munter;

aber schließlich wird ihr die Sache zu dumm;

sie dreht sich energisch zur Türe um:

„Mutti, Muttchen, die sollst gleich kommen;

Susi hat nun genug geswommen!“

Alles bleibt still – und oben hängt der blitzblanke Griff, und Susi denkt,

wenn sie nur ein klein bisschen dran zieht,

ob der Weihnachtsmann wohl durch die Türspalte sieht?

Dann könnte sie ihm Bescheid gleich sagen

von dem Ball und dem Puppenwagen.

Sachte, ganz sachte steht sie auf,

langt mit den dicken Patschen hinauf,

fasst an die Schnur, und da – und da-,

denkt Euch, Kinder, was da geschah!

Es tröpfelt, es rieselt, es plätschert, es braust,

es strömt, es quillt, es zischt und saust.

Hu! Und so viel!

Hu! Und so kalt!

Suschen brüllt, dass es häuserweit schallt.

Mama kommt gestürzt, Mama kommt geflogen,

Suschen, o weh! Hat Brause gezogen,

sitzt in der Wanne, zum Tode erschrocken,

Wasser im Näschen, im Ohr, in den Locken,

schluchzt, während sie fast in Tränen zerfließt:

„Der Weihnachtsmann hat mich mit Wasser begießt,

und ich hatte doch bloß ganz leise geschellt

und mir noch ein bisschen bei ihm bestellt.

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