2 ° / -6 ° wolkig

Navigation:
Der Weihnachtstraum

Weihnachtsgedicht Der Weihnachtstraum

von Gabriele Wormit

Gabriele Wormit

Liebe Mama, Du glaubst es kaum,

ich hatte einen wundervollen Traum.

-

Mit Schwesterlein und Nachbarsjungs

fuhr ich Schlitten zu später Stund.

Wir fuhren bergab ganz schnell und rasant.

Plötzlich schwebten wir übers schneebedeckte Land

und mit einem Rentier vor jedem Schlitten

glitten wir in die dunkle Nacht hinein

bis zum Waldesrand zu einem hellen Schein.

-

Dort angekommen sprachen die Rentiere zu uns:

„Liebes Mädel, liebe Jungs,

wir wissen nicht mehr weiter.

Der Weihnachtsmann ist gar nicht mehr heiter.

Ganz traurig erscheint er seit heute Morgen.

Nun machen wir uns große Sorgen.

Den roten Mantel hat er an den Nagel gehängt,

das Essen verweigert, die Arme verschränkt.

Keinen Ton gibt er mehr von sich.

Doch lassen wir ihn nicht im Stich!

Habt Ihr nicht eine Idee, ihm Freude zu schenken,

um ihn von finsteren Gedanken abzulenken?“

-

Ich war so blass, im Schnee nicht mehr zu sehen,

und wollte vor lauter Traurigkeit nur noch nach Hause gehen.

Doch blieben wir alle. Denn wir wollten einmal im Leben

auch was Tolles dem Weihnachtsmann geben.

Einen Farbklecks im täglichen Grau in Grau sollte es sein.

Von uns allen für ihn ganz allein.

-

Die Sorge um den Weihnachtsmann war schnell verschwunden,

denn das, was wir suchten, hatten wir bei uns selbst schnell gefunden.

Mit unserem Geschenk im Gepäck

flogen uns die Rentiere in das Versteck.

Aus der Nähe sah ich endlich dann

den Weihnachtsmann.

-

Wir überreichten ihm mit einer Umarmung unsere Gabe für sein Gemüt,

auf dass es ihm bald besser geht.

Der Weihnachtsmann war zu Tränen gerührt,

seine Stimme war ganz zugeschnürt,

dass jemand auch an seine Wünsche denkt

und ihm sogar noch etwas schenkt!

Er musste bisher immer nur geben und hat nie was bekommen!

Durch seine Augen sah er uns ganz verschwommen.

Unsere Gabe setzte er sogleich auf.

Er strahlte und schaute zum Himmel hinauf.

-

„Ich danke Euch sehr und werde das Geschenk in Ehren tragen,

nur zu Weihnachten nicht, das will ich nicht wagen.

Dann werde ich wieder im Mantel und roter Mütze auf dem Schlitten sitzen und singen

und Euch Geschenke und Naschereien nach Hause bringen.

An allen anderen Tagen aber ziert mein Haupt in bunter Weise

Eure Regenbogenmütze auf jeder Reise.“

Auch wir Kinder waren glücklich, obwohl wir nur gaben

und selbst gar nichts bekommen haben.

Voller Freude flogen uns die Rentiere nach Haus.

Und damit war der Traum dann aus.

-

Ich erwachte mit einem Lächeln im Gesicht

und schrieb sogleich dies Weihnachtsgedicht

und dachte an den Weihnachtsmann,

der selbstlos Freude geben kann,

und an seine Helferlein.

Denn seien die Gaben noch so klein,

der Gedanke und die Umarmung zählen

und dürfen zu keinem Weihnachtsfest fehlen.

Voriger Artikel
Nächster Artikel