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Kiel Als Willy Brandt die "Tom Kyle" enterte
Kiel Als Willy Brandt die "Tom Kyle" enterte
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17:35 18.06.2019
Von Jürgen Küppers
Kieler Woche 1967 (v.l.n.r.): Stadtrat Heinz Lüdemann, Bundesaußenminister Willy Brandt und Stadtpräsident Hermann Köster entern die Yacht "Tom Kyle“. Quelle: Friedrich Magnussen
Kiel

Wie so oft bei wirklich großen Sachen, fing auch die Kieler Woche erst mal klein an. Ganze 20 Jachten setzten am 23. Juli 1882 Segel zu einer eintägigen Wettfahrt auf der Förde. Keiner der Skipper ahnte, dass sie Teilnehmer einer Art Ur-Regatta eines der mittlerweile weltweit größten Segel-Events mit aktuell rund 1700 gemeldeten Booten waren.

Hamburger kamen auf die Idee einer Kieler Woche

Erstaunlicherweise kamen aber keine Kieler auf diese Idee, sondern zwei Hamburger. Denn die beiden Vorstandsmitglieder des Norddeutschen Regattavereins (NRV) wurden auf der Suche nach einem geeigneten Segelrevier an der Förde fündig – die heimische Alster oder Elbe eigneten sich aufgrund des Gezeitenstroms weniger gut.

Also organisierte der NRV in Zusammenarbeit mit den Kieler Marineseglern am 23. Juli 1882 die erste der Kieler-Woche-Regatten, die aber erst ab 1894 auch so bezeichnet wurden.

Kaiser Wilhelm brachte royalen Glanz an die Förde

Schon in dieser Frühphase nahm die Kieler Woche schnell Fahrt auf – nicht zuletzt durch den royalen Glanz, den ihr der Kaiser verlieh. Wilhelm II. war nicht nur Commodore des Kaiserlichen Yacht Clubs, er beobachtete auf seiner Jacht „Hohenzollern“ regelmäßig die Wettfahrten, nahm sogar an einigen Regatten mit seinen Renn-Jachten „Meteor“ I-IV teil oder zeichnete höchstselbst Wettfahrtsieger aus.

Die Kieler Woche gilt als eines der größten Segelsportereignisse der Welt. In den vergangenen Jahrzehnten entwickelte sich zudem ein Volksfest an den Kaimauern der Großsegler.

Die „normalen“ Bürger waren damals zwar nur Zaungäste, kamen aber trotzdem aus dem ganzen Norden (einschließlich Hamburg) mit Sonderzügen nach Kiel – um Kriegsschiffe zu sehen, vornehme Leute zu bewundern, Platzkonzerte zu hören, das Feuerwerk zu bestaunen oder sich in Tanzlokalen zu vergnügen. Zumindest bis 1914, dann beendete der Ausbruch des Ersten Weltkriegs die Kieler Woche abrupt.

Weltkriege führten zum Kieler-Woche-Ausfall

Insgesamt musste sie aufgrund beider Weltkriege 13 Mal ausfallen, was den Unterschied zwischen den Jahren ihres Bestehens und tatsächlich stattgefundener Segel und Festwochen erklärt.

Dass die Kieler Woche in den 1950er-Jahren allmählich zu dem wurde, wie wir sie heute kennen, ist vor allem Kiels Nachkriegsbürgermeister Andreas Gayk zu verdanken. 1947 initiierte er zunächst die bereits in den 1920er-Jahren existierende „Herbstwoche für Kunst und Wissenschaft“. Ab 1949 - also genau vor 70 Jahren - wurden beide Wochen in eine gemeinsame Kieler Woche Ende Juni mit Regatten, Politik, Kultur und Sommerfest zusammengeführt.

Stelldichein der Prominenz

Seitdem gewann die Kieler Woche zunehmend nationale wie internationale Bedeutung und Anerkennung, nicht nur aus segelsportlicher Sicht. 1950 kam Bundespräsident Theodor Heuss erstmals zu Besuch – als erstes deutsches Staatsoberhaupt nach 1914. Es folgten weitere Bundespräsidenten von Walter Scheel (1978), Joachim Gauck (2014) bis Frank-Walter Steinmeier (2018) sowie Willy Brandt (1967, damals noch Außenminister) oder Prinz Philip (Ehemann der britischen Königin, 1966). Bundeskanzlerin Angela Merkel erwies der Kieler Woche sogar zwei Mal die Ehre (2006 und 2008).

Ein fester Bestandteil ist auch die traditionelle Windjammerparade zur Kieler Woche, allerdings liegt die Zahl der Anmeldungen 2019 bislang nur bei 83 Schiffen. Das wäre die niedrigste Teilnehmerzahl seit Jahrzehnten.

Mehr Artikel zur Kieler Woche 2019 finden Sie auf unserer Themenseite.

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