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Kiel 13-Jährige fühlt sich zwischen allen Stühlen
Kiel 13-Jährige fühlt sich zwischen allen Stühlen
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19:57 08.12.2008
Kiel

Erst vier Monate Untersuchungshaft in Neumünster konnten den Angeklagten Ende August 2008 dazu bewegen, das Mädchen durch einen Bruder zurück zur Mutter (39) nach Kiel bringen zu lassen. Bereits im Juli - unter dem Eindruck des damals noch ungeklärten Schicksals des Kindes - war der Mann von einem Schöffengericht zu drei Jahren Freiheitsstrafe verurteilt worden. Ein Strafmaß, das der Berufungskammer des Kieler Landgerichts "sehr hoch" erscheint.

Inzwischen liegt der Justiz eine Videovernehmung der Schülerin vor, die schlimmste Phantasien von Entführung und Gefangenschaft deutlich relativiert. Die Aufzeichnung liefert vielmehr ein Zeugnis der Zerrissenheit zwischen den Eltern, deren Familien und Kulturen. "Ich weiß immer noch nicht, was ich will", sagt die 13-Jährige. "Ich stehe zwischen den Stühlen."

Dass ihr Papa bestraft wird, will sie jedenfalls nicht. "Mit meinem Vater verstehe ich mich eigentlich gut." Trotzdem verzichtet die Schülerin auf ihr Zeugnisverweigerungsrecht und sucht Klärung, belastet aber zunächst sich selbst: "Ich denke, das ist ja auch eigentlich meine Schuld", erklärt sie der Kripo-Beamtin. "Ich habe ihm gesagt, dass ich in der Türkei bleiben will." Und der Mutter, mit der sie oft heimlich telefonierte, habe sie stets beteuert, sie wolle doch lieber zu ihr zurück.

Erst auf Nachfrage bekennt die Zeugin, "ein bisschen sauer" gewesen zu sein, als der Vater auch den letzten Bus zum Flughafen für den Rückflug ignorierte. "Die haben mich ein bisschen überrumpelt", erzählt sie. Damals habe sie geweint, doch sich schon bald gefügt. "Es hat mir gefallen, alle haben sich um mich gekümmert."

Zu Hause in Kiel habe die berufstätige Mutter sie im Bett liegen lassen. "Ich habe immer die Schule geschwänzt", räumt sie ein. Erst beim "strengen" Vater in der Türkei habe sie "gelernt, dass es wichtig ist, in die Schule zu gehen". Dass sie nun fließend Türkisch spricht und viele neue Freundinnen hat, lässt auch die Kripobeamtin vermuten, das Abenteuer habe ihr bestimmt "'ne Menge gebracht". Doch selbst wenn die 13-Jährige heute die Sonnenseiten hervorhebt, bleibt es bei der Straftat durch einen Mann, der die ersten drei Lebensjahre seines Kindes wegen Vergewaltigung im Knast saß, dann ausgewiesen wurde und später viele Jahre illegal in Deutschland lebte. Die Tochter hatte der inzwischen geständige Angeklagte in der Türkei bereits mit neuer Identität ausgestattet und sie für zwei Drittel des Tatzeitraums bei Verwandten zurückgelassen.

So fordert die Staatsanwältin in der Berufung zwei Jahre und drei Monate Freiheitsstrafe. Der Verteidiger hat der Nebenklägerin bereits 1200 Euro Schadensersatz zugesagt und beantragt ein Jahr auf Bewährung. Zuvor hatte die Mutter trotz ihrer Angst, der Angeklagte könnte sich die Tochter erneut "krallen", ihre Bereitschaft zu einem zukunftsorientierten Eltern-Tochter-Gespräch signalisiert. Das Urteil wird am Donnerstag verkündet.

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