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Kiel Ihre Kunst kommt groß raus
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22:05 24.06.2014
Von Carola Jeschke
„Les Vario Mundi“ aus Österreich sind erstmals an der Förde mit dabei: Der Walk Act von Nina Reisinger und Ute Weiß (von links) als Silberwürmer fasziniert und irritiert das Publikum gleichermaßen. Quelle: Thomas Eisenkrätzer
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Kiel

So richtig geheuer sind sie einigen Passanten nicht, die silbernen Würmer, die sich an der Kiellinie entlang schlängeln, sich in immer neuen Verrenkungen umeinander winden, mal eine Hand, mal ein weiß geschminktes Augenpaar hervorblitzen lassen. Wer nicht aufpasst, läuft Gefahr gleich selbst in der Glitzerröhre zu verschwinden – und deshalb mustert das amüsierte Publikum die merkwürdigen Kreaturen in gebührendem Abstand. „Les Vario Mundi“ heißt das Duo, das sich in den Röhren verbirgt. Die österreichischen Künstlerinnen Nina Reisinger und Ute Weiß, genannt Uutschi, sind zum ersten Mal dabei – und begeistert. „Die Leute sind sehr offen, es schlägt uns eine tolle Leichtigkeit entgegen und die Luft ist so schön frisch“, schwärmt Ute Weiß.

 Über die Kolleginnen der „Windwanderer“ sind die reisenden Profikünstlerinnen auf die Kieler Woche aufmerksam geworden. „Die dachten, wir könnten passen.“ Und das tun sie. Ob als Riesenkäfer und Blume auf Stelzen oder als Silberwürmer: „Les Vario Mundi“ fallen auf, irritieren und faszinieren gleichermaßen. Das gilt auch für „Opus Furore“ aus Berlin, wenn auch in einem anderen künstlerischen Rahmen. Als fechtende, jonglierende und wortgewaltige Musketiere auf dem Einrad binden die Kieler Woche-Neulinge aus Berlin ihre Zuschauer vor der Rathausbühne so geschickt mit ein, dass sich kaum jemand verdrückt, bevor die letzte Fackel verloschen ist. „Das ist ja eine geradezu mediterrane Stimmung hier“ ulken die Musketiere, bevor sie einen jungen Mann als „Mademoiselle Hollandaise“ verkleiden und zwei andere als Sekundanten zwangsverpflichten.

 „Ohne Kleinkunst wäre die Kieler Woche nur halb so schön“, sagt Iris Tiedemann, die jedes Jahr mit ihren Freundinnen aus Neumünster anreist. Schon als Studentin habe sie früher stundenlang an der Kiellinie gesessen, um Jonglage und Walk Acts zu genießen. „Aber in den vergangenen Jahren waren es nicht mehr so viele.“ Umso mehr freut sich die 46-Jährige, dass das Angebot in diesem Jahr wieder abwechslungsreicher ist.

 Nach Angaben der Stadt tummeln sich 22 Künstler bei ihren 214 Auftritten zwischen Rathausplatz und Kiellinie. Insgesamt bieten sie 150 Stunden Programm. Neben „Les Vario Mundi“ und „Opus Furore“ sind auch „Die Buschs“ neu dabei. Das Vater-Sohn-Duo, bestehend aus Bernd und Andreas Busch, wollen am zweiten Wochenende mit einem Varieté aus Musik und Magie begeistern. Aber auch die acht mobilen Holzbühnen der Aktion „Kiel Artist“, die Bayernzelt-Betreiber Stefan Heitkämper an der Kiellinie aufgestellt hat, werden gut angenommen. 50 Kleinkünstler aus aller Welt nutzen auch in den kommenden Tagen die Chance, ihr Programm auf die telefonzellengroßen Bühnen und unters Volk zu bringen. Ihre Auftritte werden auf Tafeln angekündigt. Und die Füllhörner für Geldspenden hängen praktischerweise gleich daneben.