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Kiel Frischer Wind im Kieler Rat
Kiel Frischer Wind im Kieler Rat
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16:00 15.03.2015
Von Volker Rebehn
Jugendliche debattierten in einem mehrstündigen Planspiel über kommunalpolitische Themen. Quelle: Volker Rebehn
Kiel

Ein paar mehr Teilnehmer hätten der gemeinsamen Veranstaltung von Kinder- und Jugendkommission Kiel, Kieler Jugendring und Kinder- und Jugendbüro der Landeshauptstadt allerdings gut getan.

Hans-Werner Tovar hatte alle Hände voll zu tun. Akribisch hatten sich die 24 Jugendlichen, gleichmäßig verteilt auf die sechs in der Kieler Ratsversammlung vertretenen Fraktionen, in langen Besprechungen auf die Nachmittagssitzung im Ratssaal vorbereitet. Dabei wurden sie begleitet von jeweils einem Mitglied der Rathausfraktionen. Gleich zu Beginn sah sich Kiels „echter“ Stadtpräsident, der die Versammlung leitete, einer Flut von Anträgen zum Thema Olympiabewerbung Kiels gegenüber. Dabei wurde schnell deutlich: Die Vorlage von Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (unter anderem: nach der Entscheidung über die Bewerberstadt soll zeitnah in Kiel über die Segelstandorte Schilksee und Holtenau entschieden werden) würde keine Mehrheit finden.

 Zugestimmt wurde schließlich dem Antrag von Linken, SSW, CDU und SPD. Sie wollten zunächst abwarten, welche Stadt den Zuschlag erhält. Erst wenn klar sei, dass Kiel Segelstandort wird, soll weiter geplant werden. Auch die Tischvorlagen zu den weiteren Tagesordnungen (Stadtregionalbahn und Bezuschussung Schulessen) von OB Kämpfer fanden keine Mehrheit. Die jungen Kommunalpolitiker beschlossen einen Stopp der Planung und lehnten es ab, das Schulessen kostenlos auszugeben. „Herr Kämpfer hat mit seinen Anträgen offensichtlich keine Chance“, schmunzelte der Stadtpräsident.

 Lob zollte der Stadtpräsident den Kindern und Jugendlichen. „Selten verläuft eine Ratsversammlung so diszipliniert wie Eure“, sagte Tovar. Immer habe das Thema im Mittelpunkt der Diskussion gestanden, niemand sei verletzt oder beleidigt worden. „Das habt ihr vorbildlich gemacht“. Die Veranstaltung selbst bewertete Tovar als kleines Instrument, Jugendliche für Politik zu interessieren, ohne diese zu indoktrinieren. Angesichts der relativ geringen Teilnehmerzahl wünschte er sich, dass an den Schulen mehr Kommunalpolitik unterrichtet wird. Daher sei es wichtig, mit den Schulen intensiver ins Gespräch zu kommen. Er sei gerne bereit, das zu forcieren und selbst in Schulen zu gehen.

 Viele der Jugendlichen bereuten es nicht, an ihrem schulfreien Sonnabend bereits um 9 Uhr ins Rathaus gegangen zu sein. „Es ist gut zu wissen, dass auch andere Interesse an Kommunalpolitik haben“, sagte Hendrik Geilenkirchen. Der 16-jährige Auszubildende aus Bordesholm will sich zukünftig in seiner Gemeinde politisch engagieren. Ernst genommen fühlte sich Paul Kuhlmann (17), weil der Stadtpräsident mitgemacht habe. Der Kieler hielt es für wichtig, viel mehr Jugendliche für Politik zu interessieren.

 Zufrieden zeigten sich die Organisatoren. „Dieser Tag ist ein wunderbar niedrigschwelliges Angebot für Jugendliche, den ersten Schritt ins Rathaus zu wagen und echte Politiker zu treffen“, sagte Chrissi Agrianidou vom Kinder- und Jugendbüro. Möglicherweise mache ja der eine oder andere im Kinder- und Jugendbeirat der Stadt mit, der erstmals in diesem Jahr gebildet werden soll.