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Kiel Männer in der Betreuung sind Mangelware
Kiel Männer in der Betreuung sind Mangelware
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11:11 05.10.2019
Von Martin Geist
Männer in der Hospizarbeit: Moritz Herrmann, Martin Guitoo, Martin Hackländer und Thomas Hamann (von links) sind voller Überzeugung dabei. Quelle: Martin Geist
Kiel

„Eigentlich kam ich ja aus recht eigennützigen Gründen dazu“, erzählt Martin Hackländer über seine Anfänge im Jahr 2011. Der Krankenpfleger war und ist beruflich immer wieder mit dem Sterben konfrontiert und wollte einfach mehr wissen über den Umgang mit diesem Thema. Tatsächlich hat der 50-Jährige in dieser Hinsicht zwar viel gelernt, doch das ist es längst nicht mehr, was ihn dabeibleiben lässt. Er schätzt es vielmehr, dass dieses Ehrenamt ihm die Möglichkeit gibt, Menschen zu helfen, ohne in von Hierarchie und Dienstplänen geprägten Zwängen zu stecken. Und er hat immer wieder erfahren, wie wichtig es ist, gerade als Mann eine solche Arbeit zu leisten.

Hospiz: Die Selbstverständlichkeit des Sterbens

Einmal begleitete er einen Geschlechtsgenossen, der durch und durch mit der Ostsee verwachsen war und auch in seiner allerletzten Zeit noch einmal baden gehen wollte. Das taten die beiden dann zusammen, in einer körperlichen Nähe und mit einem Kraftaufwand, wie es nur ein Mann hätte leisten können.

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Die eigentliche Selbstverständlichkeit des Sterbens war es dagegen, die Martin Guitoo vor fünf Jahren zur Hospiz-Initiative in der Waitzstraße geführt hat. Als er ein Schulkind war, starb seine Großmutter im Kreis der Familie, und vor allem im Nachhinein war Guitoo sehr beeindruckt, wie normal das vonstatten ging: „Es war eine oft fröhliche, immer sehr innige Zeit, in der alle wussten, dass jetzt etwas kommen würde, was einfach ein Teil des Lebens ist.“

Das Programm der 3. Kieler Hospiztage

Etwa 20 Veranstaltungen befassen sich bei den Kieler Hospiztagen mit dem Leben und Sterben. Eröffnung war bereits am Tag der Deutschen Einheit, richtig Fahrt nimmt das Programm dann vom 7. bis zum 24. Oktober auf.

Am kommenden Montag um 15 Uhr wird zum Beispiel ein Rundgang über den Nordfriedhof angeboten, am 8. Oktober richtet die Interdisziplinäre Schmerz- und Palliativstation im Schwanenweg von 14 bis 17 Uhr einen Tag der offenen Tür aus (Anmeldung unter Telefon 0431/50020920 erforderlich), und eine augenzwinkernde Annäherung an das Thema gibt es am 9. Oktober um 15.30 Uhr im Kaiser-Wilhelm-Stift (Stiftstraße 4) mit dem Krimi-Musical „Mord im Damenstift“. Am Sonnabend, 12. Oktober, wird von 10 bis 15 Uhr im Kieler Rathaus der Welt-Hospiztag begangen. Das Programm ist geprägt von vielen Infoständen und interessanten Einzelbeiträgen.

Das komplette Programm hier.

Nicht wegducken, sondern die Situation annehmen

Sein Geld verdient der 31-Jährige als Leiter einer Kindertagesstätte. Dort sagt er, wo es lang geht, ist mithin der wichtigste Mann. In der Sterbebegleitung erlebt er sich ganz anders: „Man beobachtet ganz viel und hört zu. Entscheidend ist allein, dass es dem Gegenüber so gut wie möglich geht.“ Einer der bislang vier Todkranken, für die er da war, wollte unbedingt noch einmal Dosenobst mit roten Kirschen essen. Guitoo nahm das ernst, besorgte eine Konserve und erlebte einen sehr glücklichen Menschen. 

Ob er will oder nicht, hat Thomas Hamann als Polizeibeamter immer wieder mit dem Tod zu tun. Doch zur Hospizarbeit führten ihn persönliche Erfahrungen. Erst starb sein bester Freund an Krebs, dann traf seinen Vater dasselbe Schicksal – und beide Male versuchte Hamann, sich nicht wegzuducken, sondern die Situation anzunehmen. Zurzeit absolviert der 57-Jährige bei der Kieler Initiative den Einführungslehrgang als Sterbebegleiter. Unter den 14 Teilnehmenden sind noch zwei andere Männer. „Das bedeutet schon eine sehr ordentliche Quote“, sagt Moritz Herrmann, Koordinator für den Hospizdienst und einer der wenigen hauptamtlichen Beschäftigten des Vereins.

Manchmal ist gerade das Mannsein gefragt

Den Sozialpädagogen führte die Suche nach Sinn zu dieser Arbeit. „Was hat das Ganze zu bedeuten mit der Geburt und dem Tod? Das sind Fragen, die mich bewegen.“ Dass wenigstens eine Minderheit der Männer ähnlich tickt, hat für den 34-Jährigen ebenfalls richtig viel Sinn. „Es ist eine Bereicherung“, sagt er und meint damit die Männer selbst ebenso wie die Menschen, für die sie sich einsetzen. Neben Stärke und Geradlinigkeit als typisch männlichen Tugenden „andere Qualitäten an sich zu entdecken“, das kann nach seiner Überzeugung dem Leben enorme Impulse geben.

Und das passiert ganz offensichtlich, wie der gerade mit seiner 17. Sterbebegleitung befasste Martin Hackländer versichert. Mitgefühl zeigen, Antennen für Befindlichkeiten sensibilisieren, sich schlicht und einfach zurücknehmen, das sind solche Qualitäten, die er entwickelt hat. Und zugleich weiß er, dass manchmal immer noch das Mannsein gefragt ist: „Männer sind ja oft sehr pragmatisch. Das ist immer dann sehr gut, wenn in einer Krise sonst niemand mehr handlungsfähig wäre.“

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