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Kiel Kriegsschicksalen auf der Spur
Kiel Kriegsschicksalen auf der Spur
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19:28 24.01.2017
Von Martina Drexler
Anhand solcher Bilder aus dem Krieg von seinem Großvater Hermann Heinrich Janz (rechts) macht sich Jesper Zedlitz auf die Spurensuche. Quelle: privat
Kiel

Allein hätte er sie niemals nicht durchforsten können, aber er fand etwa 700 freiwillige Helfer. Eine besondere Art von Familienforschung. Seinen Großvater hat Zedlitz nicht richtig kennenlernen können, da er starb, als der Forscher noch klein war. Doch alte vergilbte Fotos, die Erzählungen seiner Mutter, vor allem aber die Tatsache, dass sein 1896 in Neumühlen-Dietrichsdorf geborener Großvater aus einem anderen Jahrhundert stammte, faszinierten ihn schon als Kind. Über seine Kriegserlebnisse habe dieser kaum gesprochen, erzählte ihm die Mutter. Aber als Zedlitz in Kiel bei Prof. Norbert Luttenberger, Mitinitiator des Kieler Gelehrtenverzeichnisses und Direktor des Instituts der Informatik, zu studieren begann, nahm er die Spurensuche wieder auf.

Eine wirklich wertvolle Quelle

In den deutschen Verlustlisten sind nicht nur alle getöteten, sondern auch alle verwundeten, vermissten oder in Gefangenschaft geratenen Soldaten verzeichnet. Sortiert sind sie allerdings nicht alphabetisch weder nach Namen oder Orten, sondern pro Ausgabe nach militärischen Einheiten und nach Tagen. „Da man üblicherweise nicht weiß, in welcher Ausgabe die gesuchte Person verzeichnet ist, kann einen der Umfang der Quelle nahezu verzweifeln lassen“, erinnert sich Zedlitz: 31 000 in Frakturschrift gesetzte, dreispaltige Seiten in Zeitungskleinformat – es war eine wertvolle Quelle, von der es aber hieß, dass sie nicht zu erschließen ist. Doch Zedlitz entwickelte als Mitglied des Vereins für Computergenealogie eine Online-Erfassung, fand andere Mitstreiter im und außerhalb des Vereins, sodass etwa 700 Laien ab 2012 bis 2014 fast 90 Prozent der Seiten erfassten, die sie vorher mühsam abtippen mussten. Die Datensätze steckten voller Hör-, Lese- und Setzfehler, wirkten „mitunter verwirrend“, zumal die Armeen von Preußen, Bayern, Württemberg, Sachsen und die Kaiserliche Marine eigene Listen mit eigener Zählung führten.

Randnotiz des Grauens

Seinen Großvater fand Zedlitz auf Seite 16.193 als „Hermann Jans aus Neumühlen-Dietrichsdorf, Kiel“ verzeichnet. Er war in der 2. Maschinengewehr-Kompanie eingesetzt, wurde als Verwundeter in einem Lazarett an der Ostfront behandelt. Manchmal, sagt der Forscher, lieferten die Verlustlisten die einzigen noch vorhandenen Spuren eines Soldatenlebens, an das noch nicht einmal eine Gedenktafel oder ein Grabstein erinnere. Randnotizen des Grauens: Damals mussten Pastoren die Vermisstenlisten veröffentlichen und den Menschen so vor Augen führten, was der Krieg für sie persönlich bedeutete.

15 600 Soldaten aus Kiel auf den Listen

Heute ist das Projekt, das Zedlitz kürzlich bei einem Vortrag der Hermann-Ehlers-Akademie vorstellte, so weit gediehen, dass man zum Beispiel mit ein paar Klicks erkennt, dass 15 600 Soldaten aus Kiel auf den Verlustlisten auftauchen. Eine Besucherin des Vortrags berichtete dem Informatiker, dass sie dadurch Hinweise auf ihre verschollenen Onkels gefunden hat. Bei seiner Recherche stieß Zedlitz auf die Meldung, dass Soldat Tomaschewski aus Wellingdorf, Heizer auf der „Leipzig“, vor den Falkland-Inseln gefallen war. Angeblich. Später findet sich der Vermerk, dass es sich um einen Unbekannten handelte, der dem echten Tomascheski die Papiere gestohlen hat, um in den Krieg ziehen zu können. Alte Quellen erschlossen so mit moderner Technologie und Schwarm-Hilfe „neues Wissen“, freut sich Zedlitz über die Informationen, die viele Nutzern über das Internet zusammentrugen (Crowdsourcing). Luttenberger spricht von einem „sehr erfolgreichen Paradebeispiel für die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Bürgern“, was als „Citizen-Science-Projekt“ auch bei Forschern im Ausland Interesse weckt. Er habe Anfragen aus den USA, Großbritannien und der Schweiz, erzählt Zedlitz.

Verein sucht Helfer für Kiel-Projekt

Der deutsche Verein für Computergenealogie existiert seit 1989 und hat 3700 Mitglieder, die ehrenamtlich arbeiten. Für die Recherche in den Vermisstenlisten fanden sich die meisten Nutzer außerhalb des Vereins: 27 Prozent davon waren Frauen. Etwa 16000 Sätze, am Anfang nur nach Namen und militärischer Einheit erfasst, wurden so täglich übertragen. Etwa 80 Prozent der 1,28 Millionen verschiedenen Geburtsorte wurden bereits gefunden.

Die Kieler Informatiker sind an weiteren historischen Projekten beteiligt, in Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv etwa über die zivilen Opfer des Zweiten Weltkriegs. Derzeit untersuchen sie zusammen mit Prof. Georg Fertig in Halle die Umzugs- und Sterberegister sowie Adressbücher von Kiel um 1900. Dafür suchen sie ebenfalls Helfer.

Weitere Infos zum Verein für Computergenealogie unter www.compgen.de

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