Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Kiel Ihr Sohn sagt: „Alexandra bleibt unvergessen“
Kiel Ihr Sohn sagt: „Alexandra bleibt unvergessen“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:40 05.09.2019
Von Niklas Wieczorek
Texte, die voller Poesie waren, machten die deutsche Chansonsängerin Alexandra bekannt. Sie versuchten stets mit Tiefgang und Niveau Chansons statt Schlager zu singen. Quelle: dpa
Kiel

"Alexandra hat ein ganz besonderes, individuelles Musikgenre geprägt. Ich sehe keine anderen Künstler, die dieser Linie folgen können", sagt Alexander Skovitan (56), der im Alter von sechs Jahren seine berühmte Mutter verlor. Die Chansonsängerin Alexandra war als Doris Treitz in Kiel aufgewachsen - und Kiel hat sie nie vergessen. An der Ecke Knooper Weg / Olshausenstraße erinnert noch heute ein Platz an sie.

Zigeunerjunge und Sehnsucht hießen die Hits, mit denen die 1942 im damals deutschen Heydekrug (heute Silute in Litauen) geborene Alexandra berühmt wurde. 25 Jahre war sie da alt und kurz zuvor noch als Schauspielerin im Theater am Fürsthof in Neumünster aktiv.

Die Texte waren zunächst einfach gestrickt (Zigeunerjunge, Zigeunerjunge; wo bist Du, wo sind Eure Wagen? Doch es blieb alles leer, und ich weinte so sehr) und vielleicht nicht ohne Grund zu einer Zeit erfolgreich, als Flüchtlinge und Vertriebene ganz besondere Empfindungen für auf Deutsch besungene Themen aus dem Osten hatten (Sehnsucht heißt das alte Lied der Taiga).

Alexandra sah sich als Künstlerin mit Tiefgang

Alexandra jedoch, beteuern viele, deren Wege sich mit ihrem kreuzten, wollte mehr: Kunst war für sie nicht nur seichte Verlockung – so begann sie nach der Ricarda-Huch-Schule in Kiel zunächst ein Grafikstudium an der Muthesius-Werkkunstschule, um Modedesignerin zu werden. Sie sah sich als Künstlerin mit Tiefgang.

Nach dem slawisch-melancholischen Anfang versuchte sie mit eigenen Liedern und Kontakten im Ausland als niveauvolle Chansonsängerin durchzustarten. An "harte Arbeit, intensive Recherche und Disziplin" erinnert sich Sohn Alexander, nach dem sie sich benannte. Der heutige Tag könne Talenten zeigen, dass "die Chance immer da ist, weiterzukommen", sagt er.

Die Sängerin Alexandra kam aus dem Memelland, wuchs in Kiel auf und schaffte dann den Durchbruch.

Allein dass sie in Frankreich auftrat, beweise ihre internationale Klasse, sagt Barbara Beu aus dem Vorstand des Fanvereins Alexandra-Freunde. Mit Udo Jürgens komponierte die Künstlerin das Lied Illusionen, kein Erfolg, aber von ganz anderer Natur (Illusionen – blüh’n im Sommerwind, treiben Blüten, sie so schön doch so vergänglich sind). Künstlerisch und privat plagten Alexandra Sorgen, die eigentlich ein "lustiger, lebensfroher Mensch" war, so Beu.

Verschwörungstheorien wurden nie bestätigt

Am verhängnisvollen Tag, dem 31. Juli 1969, war Alexandra mit ihrer Mutter und ihrem Sohn auf dem Weg in den Urlaub auf Sylt: An einer Kreuzung an der B203 wurde ihr weißer Mercedes 220 von einem Lkw gerammt, der Vorfahrt hatte. Späteren Thesen über Stasi- und Spionageverstrickungen, die Autor Marc Boettcher aufstellte, folgten nie handfeste Beweise.

Laut KN-Bericht von damals hatte Alexandra ein Stoppzeichen übersehen. Die 27-Jährige starb noch im Auto, ihre Mutter wenig später an den Unfallfolgen. "Ich habe hinten im Auto geschlafen, als es passierte", sagt Alexandras Sohn. Er sei er vom Knall wach geworden und wisse nur noch, wie er fast unversehrt aus dem Auto gezogen wurde. "Irgendwie habe ich Glück gehabt. Aber es war mir klar, dass etwas Schlimmes passiert ist." Seine Mutter sah er nie wieder.

Nach viereinhalb Monaten bei seiner Patentante in Geesthacht zog er zu seinem Vater Nikolai Nefedov, der getrennt von Alexandra in den USA lebte – und blieb dort.

Heute wohnt Alexander Skovitan mit Frau und zwei Söhnen in der Nähe von Boston. Er arbeitet im Küchendesign und setzt sich für Kriegsveteranen ein. Und er sagt: "Wenn ich mehr Zeit habe, würde ich gerne Künstler in Deutschland unterstützen, die Alexandras Kunst fortführen." Er hofft auf eine Welle, die deutsche Chansons in ihrem Sinne aufgreift.

Texte voller Stärke und Poesie

"Die Musik von Alexandra wird immer gefragt, ihr Werk ist noch sehr stark", sagt Skovitan. Auch heute können viele noch einen der bekannten Songs mitsingen: Mein Freund, der Baum, ist tot. Er fiel im frühen Morgenrot.

"Mich hat immer ihre Stimme fasziniert, die kann man einfach nicht nachmachen", sagt Barbara Beu, die von Ausdruck und Persönlichkeit schwärmt. Sie wurde vor 50 Jahren zum Fan, weil Alexandras Musik "in kein Genre" passte, die Texte voller Poesie waren und nicht die platten Liebesthemen ansprachen. "Viele der Werke sind überragend", sagt Alexander Skovitan. Die Alexandra-Freunde gibt es in Hamburg und Würzburg; ihre Mitgliederversammlungen - zu denen Sie Künstler einladen, die Lieder von Alexandra singen - verzeichnen noch dreistellige Besucherzahlen.

"Ich wünsche mir einfach, dass ihre Lieder die Generationen überdauern", formuliert Beu zum 50. Todestag am 31. Juli 2019. Ein Fan-Treffen in Kiel wäre auch einmal angebracht, findet sie, die selbst im Elsass lebt. Auch Alexandras Familie unterstütze die Freundesvereine stets und sei bereit zum Austausch.

Begraben ist Alexandra in München, wo sie vor ihrem Tod lebte. In Tellingstedt erinnert ein Gedenkstein an die Sängerin. Die Unfall-Kreuzung selbst gibt es nicht mehr. Die Straße wurde begradigt.

Hommage an Sängerin Alexandra

Der Verein der Alexandrafreunde veranstaltet am Sonntag, 4. August 2019, eine Hommage an die Schlagersängerin. Die Feier an dem vom Verein 2006 eingeweihten Gedenkstein in Tellingstedt beginnt um 13 Uhr. Die Sängerin Larissa Pintora singt Lieder der verstorbenen Sängerin.

Weitere Nachrichten aus Kiel lesen Sie hier.

In Kiel mit seinen fast 250.000 Einwohnern stellt die ärztliche Versorgung eigentlich kein großes Problem dar. Engpässe zeichnen sich trotz der üppigen Infrastruktur aus Kliniken und freien Praxen aber auch hier ab. Besonders im Stadtteil Gaarden, dem der Ruf des Problemquartiers anhaftet.

Martin Geist 31.07.2019

Seit dem Doppelabstieg in 2003 und 2004 aus der damaligen Bezirksoberliga und der Bezirksliga gab es für die Fußballfans des TSV Flintbek nur Kreisliga-Kost. Diese Zeiten sind nun vorbei, denn nach der Meisterschaft in der Kreisliga Mitte wurde der Aufstieg in die Verbandsliga Ost gefeiert.

Reinhard Gusner 30.07.2019

Der Liegeplatz 1 im Ostuferhafen ist in diesem Sommer erstmals ein fester Bestandteil der Kreuzfahrtabfertigung in Kiel. Für die Reederei MSC pendelt von dort die Fähre "Strande" zwischen Dietrichsdorf und Bahnhofskai. Das ersetzt bis zu sechs Busse.

30.07.2019