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Kiel Amputation: Kieler fordert Anerkennung
Kiel Amputation: Kieler fordert Anerkennung
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18:00 09.07.2019
Von Heike Stüben
Klaus (78) und Ursula Trautmann (70) mit Hündin Nelli (13) sind empört, dass die Krankenkasse die starke Einschränkung infolge der Amputation und anderer Erkrankungen nicht anerkennt. Quelle: Thomas Eisenkrätzer
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Kiel

Der Pensionär musste in den vergangenen Jahren viel Zeit in Kliniken verbringen. 17 Operationen hat er hinter sich. Weitere sind wahrscheinlich notwendig. „Ohne die Pflege meiner Frau wäre ich schon längst aufgeschmissen“, sagt der 78-Jährige.

Für seine Frau ist die stete Fürsorge selbstverständlich. Schließlich hat sie lange als Pflegekraft gearbeitet. Allerdings ist sie 70 Jahre alt und nach einem Hirntumor selbst angeschlagen. „Dass wir trotzdem versuchen, alleine zurechtzukommen, ist extrem günstig für die Krankenkasse von der Ergo Group. Deshalb sind wir ja auch so empört über ihr Vorgehen“, sagt Ursula Trautmann.

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Zwei Beine: 37,5 Punkte Einschränkung

Anfang 2017 hat Klaus Trautmann plötzlich kein Gefühl mehr im Fuß. Mit dem Rettungswagen wird er als Notfall ins Uniklinikum gebracht. Dort stellt sich heraus: Er hat ein sehr großes Aneurysma im rechten Knie: Reißt solch eine krankhafte Ausbuchtung der Schlagader, besteht Lebensgefahr.

Er wird mehrfach operiert, das Bein ist vorerst gerettet. Weil sich seine Bewegungsfähigkeit aber verschlechtert, beantragt er bei seiner privaten Krankenversicherung Pflegeleistungen. Ein Gutachter von Medicproof bewertet die Einschränkung mit 37,5 Punkten. Bei 27 bis zu 47,5 Punkten gibt es den Pflegegrad 2. Weil er von seiner Frau versorgt wird, erhält er von nun an monatlich ein Pflegegeld von 316 Euro. Das Ehepaar findet die Einstufung angemessen, denn Klaus Trautmann kann noch einiges alleine.

Ein Bein: 31,25 Punkte Einschränkung

Anfang 2018 dann die schlechte Nachricht. Das rechte Bein ist nicht mehr zu retten. Nach der Amputation bewertet ein Gutachter auf Antrag der Eheleute die Beeinträchtigung erneut – diesmal mit 41,5 Punkten, also immer noch Pflegegrad 2. „Durch die Amputation hatte sich die Beweglichkeit und der Gesamtzustand meines Mannes aber erheblich verschlechtert. Deshalb habe ich Widerspruch eingelegt“, erinnert sich die Ehefrau.

Der Gutachter kommt erneut. Doch er stuft die Beeinträchtigung nicht wie erwartet höher ein. Stattdessen stuft er sie herunter – auf 38,75 und kürzlich auf 31,25 Punkte. Denn, so schreibt der Sprecher der Versicherung von der Ergo Group AG auf Anfrage, die Fortbewegung im Wohnbereich sei nun „überwiegend selbstständig“ möglich. Zudem könne der Pflegebedarf durch eine intensive Therapie weiter verringert werden. 

Orthopäde: Pflegegrad 3 notwendig

„Ich bin fassungslos“, sagt Klaus Trautmann, „die Kasse ist offenbar der Meinung, dass ich mit einem Bein besser zurechtkomme als mit zwei Beinen. Dass ich Phantomschmerzen habe, die Prothese beim Sitzen ins Bauchfleisch schneidet und ich nur mit Begleitung und Schmerzen und nur ein paar Schritte am Rollator gehen kann – das zählt alles nicht.“ Auch sein Orthopäde hält die Bewertung für falsch. „Aus orthopädischer Sicht besteht ein Pflegegrad 3, da der Patient nur im Rollstuhl sicher mobil ist, eine vermehrte Sturzgefahr besteht und aufgrund der schweren Schultererkrankung keine Unterarm-Gehstützen zur Mobilisierung benutzt werden können.“

Ursula Trautmann betont, dass es ihr nicht um den höheren Pflegegrad geht. „Wir fordern nur, dass die Kasse meinen Mann gemäß seinem wahren Zustand einstuft. Das wären nach unserer Berechnung mindestens 45 oder 46 Punkte. Das wäre immer noch Pflegegrad 2, also nicht teurer für die Versicherung. Aber es wäre eine Anerkennung, dass mein Mann erheblich eingeschränkt und unser ganzes Leben heute deutlich schwerer als Ende 2017 ist.“ 

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