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Kiel Kieler Kleingärtner auf den Barrikaden
Kiel Kieler Kleingärtner auf den Barrikaden
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08:00 20.03.2019
Von Karen Schwenke
Uwe Haß und Christine Bockhacker in der Kleingartenanlage der Interessengemeinschaft Kiel-Ost. Auch sie sind von Kontrollen und Rückbauauflagen der Stadt betroffen. Quelle: Ulf Dahl
Kiel

Auch Kleingärtner Uwe Haß ist bedient. Bis gestern musste er ein Drittel seiner Gartenlaube in Kiel-Wellingdorf abreißen. Stein für Stein trägt er mit dem Schlaghammer ab. Wie viele Schrebergärtner ist der 69-Jährige stinksauer auf die Stadt. Doch während die meisten erst seit 2018 wegen Verstößen in ihren Gärten abgemahnt werden, streitet sich Uwe Haß seit 2015 mit der Stadt. Sogar vor Gericht. Der Prozess fand in seinem Kleingarten statt. Ein Vergleich und mehrere Einsprüche folgten. Doch es nützte alles nichts. Er muss seine mehr als 45 Jahre alte Hütte zurückbauen, drei Holzschuppen hat er schon abgerissen. So endet für ihn ein Streit, der vielen Kleingärtnern noch blüht.

"Wie soll ich 1,36 Quadratmeter abreißen?"

Zum Beispiel das Ehepaar Franz und Christa Heidi. Seit mehr als 30 Jahren steht ihre Laube in dem Garten an der Grenze zwischen Kiel und Kronshagen. Nie wurde sie beanstandet. Doch im September bekam das Rentnerpaar plötzlich die Auflage, das Gebäude um 1,36 Quadratmeter zurückzubauen. Der Grund: Die Laube übersteige das zulässige Maß von 24 Quadratmetern. „Wie soll ich bitteschön 1,36 Quadratmeter abreißen?“, fragt der verärgerte 75-Jährige. „Unserer Ansicht nach ist das reine Schikane.“ 

Er habe seine Bedenken vor Monaten bei der Stadt Kiel schriftlich eingereicht, doch keine Antwort erhalten. Nun hat er den Bürgermeister der Gemeinde Kronshagen angeschrieben, ob er hoheitliche Aufgaben an die Stadt Kiel abgegeben habe, da Heidis beanstandeter Garten auf dem Gebiet Kronshagens liege. An die Adresse der Stadt gerichtet sagt der Mann in ruhigem Ton: „Mit mir geht man nicht so um. Ich sitz’ das aus. Ich habe eine gute Rechtsschutzversicherung.“

Immer öfter landen Fälle vor Gericht

Auch Nils Schmidt (47), Mitglied im Kleingartenverein Suchsdorf, „will nicht alles widerstandslos hinnehmen“.  Er und viele seiner Kleingartenfreunde seien verärgert, weil sie Bäume, Hecken, Sträucher entfernen mussten. Schmidt persönlich hat seine Zypresse stehen gelassen: „Ein gesunder Baum, der unseren sonst zu feuchten Rasen trocknet. Außerdem befindet sich darin bereits ein Vogelnest. Ob der Baum wegkommt, müsste letztlich ein Gericht entscheiden“, zeigt sich Schmidt entschlossen.

Uwe Haß (69), Christine Bockhacker (46) und andere Garteninhaber des Gebiets Thorstuetze in Wellingdorf haben das bereits hinter sich. „Wir sind zwar Eigentümer unserer Gärten, aber wir werden von der Stadt genauso misshandelt wie die Pächter“, stellt Uwe Haß fest. Bevor die Stadt 2018 mit den Kontrollen in den städtischen Pachtgärten begann, hatte sich die Verwaltung nach eigenen Angaben auf die Rechtsverstöße in den privaten Kleingärten konzentriert und dort etliche ordnungsbehördliche Verfahren eingeleitet. Uwe Haß, Familie Bockhacker und viele andere in dem Gebiet wurden wegen zu großer Lauben abgemahnt und reichten Klage vor dem Verwaltungsgericht Schleswig ein.

Kleingärtner nehmen Stadtbaurätin ins Visier

Während die Klage von Christine Bockhacker und ihrem Mann abgewiesen wurde, sie also wie gefordert einen Schuppen abreißen und eine Treppe an der Gartenhütte abbauen mussten, hat es Uwe Haß härter getroffen: Er ließ sich auf einen für ihn ungünstigen Vergleich ein, weil ihm gesagt wurde, dass er schlimmstenfalls noch die Prozesskosten zu tragen hätte. Wenn er seine drei Holzschuppen nicht abgerissen hätte und seine Laube nicht auf 24 Quadratmeter zurückbauen würde, droht die Stadt mit einem Abriss durch ein Unternehmen. Kosten: 6100 Euro. 

Die Kritik entzündet sich vor allem am Verhalten von Stadtbaurätin Doris Grondke: „Wir versuchen schon seit Längerem, bei ihr einen Gesprächstermin zu bekommen. Gerade erst haben wir einen Brief erhalten, in dem sie unser Ersuchen wieder ablehnt und sich vor ihre Mitarbeiter stellt – ohne sich unsere Seite anzuhören.“ Erst vor wenigen Wochen hatte ein offener Brief von Axel Zabe, dem Vorsitzenden des größten Kieler Kleingartenvereins, das Zerwürfnis offenbart.

Die Stadt will heute zu den Vorwürfen der Kleingärtner Stellung nehmen.

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