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Kiel „Herbert“ findet seine letzte Ruhe
Kiel „Herbert“ findet seine letzte Ruhe
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10:00 25.07.2017
Von Volker Rebehn
Dieses Skelett wurde nach dem Zweiten Weltkrieg bis vor etwa 20 Jahren im Unterricht eingesetzt. Auf Wunsch der jüngeren, weiblichen Lehrerinnen wurde erst dann ein Kunststoffmodell angeschafft. Quelle: Volker Rebehn
Kiel - Wellingdorf

Als der Biologieraum in dem 1958 eingeweihten Anbau vor drei Jahren renoviert werden sollte, musste nicht nur der Unterricht in andere Räume verlegt werden. Gesucht wurden auch freie Flächen, auf denen Unterrichtsmaterialien zwischengelagert werden konnten. Fündig wurde man unter anderem im abgelegenen Abstellraum des Anbaus. Und hier entdeckte Elisabeth Petzold, stellvertretende Schulleiterin, nun auch "Herbert" wieder - unter einem schweren, früheren Fenstervorhang. Das Skelett hatte man dort offenbar einfach liegenlassen, nachdem man es aussortiert hatte.

Einfach „entsorgen“ konnte Elisabeth Petzold das Skelett nicht, sodass sie nach einer „menschlichen Lösung“ suchte. Klar für sie war, dass das letzte Kapitel für den Menschen, dessen Knochengerüst ein halbes Jahrhundert als Unterrichtsmaterial diente, würdig zu Ende gehen sollte. Doch wie? Und wer ist zuständig? 

Rechtlich gibt es keine Vorgaben in diesem Fall

Im Kieler Rathaus wurde zunächst gerätselt, was man tun könne. Nach mehreren Gesprächen mit der Schule stimmte das Grünflächenamt, das die städtischen Friedhöfe betreut, einem anonymen, stillen und würdigen Begräbnis auf dem Ostfriedhof zu. Der genaue Termin dafür steht noch nicht fest. Nach Auskunft der Friedhofsverwaltung handele es sich bei dem Skelett nicht mehr um eine bestattungspflichtige Leiche, sodass es keine festgeschriebenen rechtlichen Auflagen für die Beisetzung gibt. Es sei der erste Fall dieser Art in Kiel.

Warum das Knochengerüst ausgerechnet den Namen „Herbert“ erhielt, kann heute niemand mehr erzählen. Der ehemalige Biologielehrer Detlef Fischer berichtet von Überlieferungen, nach denen es sich um einen männlichen Verkehrstoten aus den 1930er-Jahren ohne Angehörige handelt. Er soll zu Lebzeiten verfügt haben, dass sein Körper zu wissenschaftlichen Zwecke genutzt werden darf. Dafür hat er eine kleine „Apanage“ erhalten. Fischers früherer Fachkollege Jörg Bartels konnte diese Version nicht bestätigen. Seiner Meinung nach sei das Skelett nach dem Zweiten Weltkrieg von der medizinischen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zusammen mit anderen Exponaten ausgemustert und dem Gymnasium Wellingdorf „gespendet“ worden. Dort gehörte es bis vor etwa 20 Jahren zum Biologieunterricht und wurde, nachdem sich jüngere Kolleginnen daran gestört hatten, durch ein Kunststoffmodell ersetzt.

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