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Kiel „Rosetta“ meldet sich in Rönne
Kiel „Rosetta“ meldet sich in Rönne
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00:16 31.01.2014
Von Karin Jordt
Über den Spiegel mit 7,20 Metern Durchmesser wird Kontakt zur europäischen Kometensonde „Rosetta“ gehalten. Quelle: dt
Kiel

Etliche Antennen, Masten und acht Spiegel mit Durchmessern von 2,50 bis neun Metern recken sich auf dem rund vier Hektar großen Grundstück am Stadtrand in den Himmel und lassen ahnen, dass hier bis in die Tiefen des Alls gelauscht und sogar für die Nasa (National Aeronautics and Space Administration) offiziell gearbeitet wird. Einer der Spiegel – Durchmesser 7,20 Meter – empfängt auch die Daten der europäischen „Rosetta“. „Die Kometensonde beobachten wir in regelmäßigen Abständen schon seit ihrem Start im März 2004“, erzählt Per Dudek. „Wir können von ihr zwar keine Bilder empfangen, aber Signale“, erläutert der ehemalige Lehrer des Gymnasiums Wellingdorf. Auf wenige Zentimeter genau könne die Position der Esa-Sonde ermittelt werden.

 Besonders fasziniert ist Per Dudek von der Präzision der Mission, bei der „Rosetta“ den Kometen 67P/Tschurjumow-Gerassimenko nicht nur umkreisen, sondern auch das Landegerät „Philae„ darauf absetzen und dessen Untersuchungsergebnisse sammeln soll, während der Komet beim Flug an der Sonne vorbei begleitet wird. „Auch das Aufsetzen auf dem Kometen werden wir beobachten“, sagt der 64-Jährige. Geplant ist die Aktion für den 10. November, wenn ein geeigneter Landeplatz ausgespäht ist, erste Bilder vom Kometen erwartet die europäische Weltraumbehörde Esa im Mai.

 Fast zehn Jahre ist die Raumsonde nun im Sauseschritt durch das All gedüst. Dreimal kam sie an der Erde und einmal am Mars vorbei, um dabei Schwung zu holen und Geschwindigkeit aufzunehmen, was den Hobbyforschern in Rönne ebenfalls nicht entgangen ist. Da „Rosetta“ jedoch mit Solarenergie betrieben wird, wurde sie ab Juni 2011 für den sonnenfernsten Teil ihrer Bahn in eine Art Winterschlaf zum Energiesparen versetzt. Weil sie nun wieder Sonnenlicht aufnehmen kann, wurde sie zum Arbeiten geweckt. „Unser Kometenjäger ist wieder da“, freute sich Alvaro Giménez, Esa-Direktor für Wissenschaft und robotische Exploration. „Mit ,Rosetta’ werden wir in der Kometenforschung neue Maßstäbe setzen.“

 „Rosetta“ ist jedoch nicht die einzige Raumsonde, die in Rönne beobachtet wird. Die Satellitenstation arbeitet auch als offizieller Partner der Nasa und sendet der amerikanischen Weltraumbehörde seit sechs Jahren täglich Daten der beiden Satelliten Stereo (Solar Terrestrial Relations Observatory) A und B. Die Zwillingsraumsonden beobachten aus zwei Blickwinkeln, was sich auf der Sonne tut – und liefern so Grundlagen für dreidimensionale Bilder des Feuerballs. Auch von der weit entfernten Nasa-Raumsonde „New Horizons“, die den Zwergplaneten Pluto erforschen soll, werden immer noch „mit vielen technischen Tricks“ Signale empfangen, wie der Funkamateur berichtet: „Die Laufzeit in eine Richtung beträgt dabei drei Stunden.“

 Betrieben wird die unabhängige High-Tech-Station am Wolblöken ehrenamtlich von etlichen Hobbyforschern, Funkamateuren, Informatikern, Tüftlern und Physikern, außerdem unterstützen Firmen und Institutionen die Anlage. Anwendungen sind unter anderem verschiedene radioastronomische Messungen, Kontakte zu Raumsonden, Amateurfunk über Kurzwelle, der Erde-Mond-Erde-Verkehr, die Aufzeichnung von Wetterdaten und die Beobachtung von Verkehrsströmen in Norddeutschland. Schulklassen, Kurse, Studierende, Jugend-forscht-Gruppen und Interessierte, die die Anlage besuchen oder ehrenamtlich mitarbeiten möchten, können sich bei Per Dudek melden unter Tel. 0431-713678. Informationen: http://sat-sh.lernnetz.de/satellitenanlage

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