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Kiel Angeklagter gesteht Angriff auf Polizisten
Kiel Angeklagter gesteht Angriff auf Polizisten
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19:55 01.11.2016
Von Bastian Modrow
Die Attacke auf den Polizisten war ein viel diskutierter Fall, da der Beamte schon mehrfach Opfer von Polizeigewalt geworden war. Quelle: Imke Schröder (Symbolbild)
Kiel

Der Prozess um die brutale Attacke auf einen Polizeibeamten in der Nacht zum 31. Juli 2016 in Kiel-Gaarden begann mit einem Geständnis und einem Entschuldigungsversuch des Angeklagten: Am Dienstag vor dem Jugendschöffengericht räumte der 21-Jährige ein, dem als Nebenkläger am Prozess beteiligten Beamten (37) einen Faustschlag ins Gesicht versetzt zu haben.

Die Anklage wirft dem durchtrainiert wirkenden jungen Mann gefährliche Körperverletzung, Beleidigung, Bedrohung und Widerstand vor. „Ich wollte meinem Bruder zu Hilfe eilen“, teilte der zur Tatzeit 20-Jährige in einer Erklärung mit, die sein Rechtsanwalt Attila Aykac verlas. Sein Bruder habe den Polizeieinsatz gefilmt, um das „nicht höfliche, eher unfreundliche“ Verhalten der Beamten zu dokumentieren.

Im Gerangel um die Kamera sei der Bruder, der mehrere Platzverweise ignoriert haben soll, an den Haaren gezogen und mit Pfefferspray besprüht worden. Der Nebenkläger habe ihn offensichtlich aufhalten wollen, ließ der Angeklagte mitteilen. „Ich entschuldige mich für die entstandenen Verletzungen.“ Die ihm vorgeworfenen Beleidigungen räumte er ein. Die Sache habe sich „hochgeschaukelt“, sagte er.

Die erheblichen Verletzungsfolgen muss sich der einschlägig vorbestrafte Heranwachsende wohl selbst anrechnen lassen: Die Leiterin der Kieler Rechtsmedizin, Prof. Johanna Preuß-Wössner (41), beschrieb die diagnostizierten Frakturen im Gesicht des Opfers als klassische Folge eines Faustschlags. Einen Sturz des Beamten schloss die Sachverständige als Ursache aus. Vorstehende Körperteile wie Augenbrauen, Nasenspitze und Stirn seien unversehrt geblieben, sagte sie zur Begründung.

Eine konkrete Lebensgefahr für den Verletzten sah die Sachverständige nicht. Allerdings hätte der Faustschlag zu einem ungebremsten Sturz des Getroffenen auf den Hinterkopf mit dem Risiko eines potenziell tödlichen Hirnödems führen können. Zudem drohe einem Bewusstlosen bei Blutungen in Mund und Nase der Erstickungstod. Die Anklage geht deshalb von einer lebensgefährdenden Behandlung aus, die der Angreifer billigend in Kauf genommen habe. Eine Bestätigung sieht Oberstaatsanwalt Alexander Ostrowski in der Aussage eines weiteren Polizeibeamten (45). Der Zeuge will gesehen haben, wie der Täter mehrere Meter Anlauf nahm und seinem Kollegen mehrere Schläge ins Gesicht versetzte.

Der Betroffene selbst berichtete gestern vom Ablauf des nächtlichen Einsatzes auf einem teilweise überdachten Parkplatz an der Schulstraße/Ecke Johannesstraße. Es sei um die Unterstützung von Kollegen gegangen, die gegen 23.30 Uhr aus einer rund zehnköpfigen Gruppe junger Männer heraus von einem Laserpointer geblendet wurden. „Man wollte die Personalien feststellen und Fahrzeuge durchsuchen, um den Laserpointer zu finden.“ Anfangs, so der Nebenkläger, sei die Stimmung noch nicht aggressiv gewesen. „Doch dann wurde rumgemeckert und geschimpft.“ Der Bruder des Angeklagten mit der Spiegelreflexkamera „wurde angeschrien, dass er die Kamera wegtun sollte“. Der Zeuge sprach von einem Aufruhr. Immer mehr Leute seien eingetroffen – bis zu 25 Personen.

In dieser Situation holte der Beamte nach eigener Aussage „ein großes Pfefferspray“ aus dem Dienstfahrzeug. Mit dem Sprühgerät im Format eines kleinen Feuerlöschers in der Hand, habe er aus dem Augenwinkel plötzlich einen Schatten wahrgenommen und auch schon im Gesicht „einen heftigen Schlag wie mit der Bratpfanne“ verspürt.

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