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Kiel Virtuell lernen, echte Kranke zu pflegen
Kiel Virtuell lernen, echte Kranke zu pflegen
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09:02 16.05.2018
Von Karen Schwenke
In Zusammenarbeit mit den Kieler Nachrichten wurden Krankenpflegeschüler des Städtischen Krankenhauses mit iPads ausgestattet. Quelle: Ulf Dahl
Kiel

Über diese Quote freut sich Britta Schmidt. Die Leiterin des Bildungszentrums hatte ihren Schülern zum Ausbildungsstart die Wahl überlassen „zwischen einem sehr tradierten Lernen mit Schulbüchern oder einem Angebot, das – in Zusammenarbeit mit den Kieler Nachrichten – ein modernes, erweitertes Lernen ermöglicht“. Die Schüler bekommen demnach für die Ausbildungszeit von drei Jahren ein durch das Krankenhaus subventioniertes Finanzierungsmodell für ein iPad. Dieses können sie auch privat nutzen und zahlen dafür monatlich einen kleinen Betrag. Ohne Risiko haben sie die Möglichkeit, das Tablet nach der Ausbildung zurückzugeben. In dem Paket enthalten ist ein KN-E-Paper-Abo und ein kostenloser Zugang zur Online-Bibliothek eines Medizinfachbuchverlages.

Tablets als zusätzliche Wissensquelle

Schulleiterin Schmidt plant, dieses Konzept auch in Zukunft anzubieten. Denn sie ist überzeugt: „Die zunehmende Digitalisierung der Arbeitswelt macht auch vor der Ausbildung nicht Halt. Wir müssen uns mit den neuen Medien und mit Medienkompetenz beschäftigen.“ In ihrer Berufsschule wird bereits seit Jahren mit interaktiven Medienboards gearbeitet, zudem werden die Klassenräume jetzt mit WLAN ausgestattet. Wenn nun die Tablet-Computer eingeführt sind, bedeute dies nicht das Ende der analogen Lernformen: „Buch, Stift und Heft werden weiter benutzt. Aber das iPad ist eine weitere Wissensquelle, es ermöglicht Methodenvielfalt und individualisiertes Lernen.“

Azubis: Erst skeptisch, dann begeistert

Allerdings zeigten sich einige Azubis anfangs wenig begeistert von der Tablet-Lösung. Der 23-jährige Jonah Fischer etwa, der zuvor Wirtschaftsinformatik studiert und schon ein iPad in Gebrauch hatte, war kritisch: „Ich habe gezweifelt, ob mir das Lernen am iPad die gleiche Befriedigung gibt. Denn ich kauf mir gern ein Fachbuch und mach mir darin Notizen. Doch es hat sich gezeigt, das geht auf dem iPad auch. Und es ist die komfortablere Alternative zu den vielen Büchern und Zetteln auf dem Schreibtisch.“ Sein Mitschüler André Bedregal Calderón (26), der schon einen Bachelor in Spanisch und Englisch hat, nutzt das Tablet intensiv. All seine Unterrichtsmitschriften im Fach Innere Medizin hat er abgetippt, seine Zeichnungen eingescannt und alles an seine Mitschüler als PDF versendet. „Das ist unglaublich hilfreich, so als würde man durch ein Lehrbuch blättern“, schwärmt Fischer, und der Autor selbst meint: „Für mich ist das eine gute Methode zu lernen.“ Auch Pauline Sophie Medved (23), die Kinderkrankenschwester werden möchte, tippt im Unterricht alles in ihr iPad. „Das geht schneller als mit der Hand mitzuschreiben.“

Die Rolle des Lehrers verändert sich

Die positive Rückmeldung ihrer Schüler nach nur drei Wochen bestätigt den Kurs der Schulleitung. In Zeiten des Pflegekräftemangels sei es eine unglaubliche Herausforderung, „als Ausbildungsberuf im Wettbewerb mit allen anderen standhalten zu können. Wir sind immer auf der Suche nach passenden Bewerbern.“ Da sei das digitale Lernen ein weiterer Pluspunkt für das Bildungszentrum. Denn so werde die Ausbildung attraktiver, das Lernen einfacher, der Unterricht interessanter. Natürlich verändere sich dabei auch die Rolle des Lehrers vom Frontalunterrichtenden hin zum Lernberater. Das Rüstzeug dafür und der Umgang mit dem Tablet wird den Lehrern unter anderem von Medienexperten der Kieler Nachrichten in einem Workshop vermittelt. „Durch die neue Technik können wir Lehrer künftig besser auf die unterschiedlichen Lernniveaus unserer Schüler eingehen“, glaubt Schmidt.

Real und virtuell: Patienten ausziehen und waschen

Gerade beschäftigt sich eine Klasse praktisch mit dem Ausziehen und Waschen von Patienten. In einem mit Betten ausgestatteten Klassenraum üben die Azubis gegenseitig die Routinearbeiten. Kein iPad in Sicht. Es wird also nicht virtuell gelernt, echte Kranke zu pflegen. Aber: „Zur Unterrichtsvorbereitung könnten sich die Schüler Lehrvideos anschauen oder hinterher die Abläufe in der virtuellen Realität nachspielen“, gibt Britta Schmidt Beispiele für den Tablet-Einsatz. Nicht zuletzt will sie ihre Schüler auch auf eine Digitalisierung des Pflegeberufes vorbereiten. Denn dieser beschränke sich längst nicht mehr auf die Pflege am Bett. „Die digitale Patientendokumentation wird kommen“, ist sie sicher.

Informationen für Schulen

Informationen zum Thema digitale Ausstattung von Bildungseinrichtungen und Schulen gibt es bei Markus Steinkötter, Leiter Neue Geschäftsfelder bei den Kieler Nachrichten, Telefon: 0431/9032651 oder unter Markus.Steinkoetter@Kieler-Nachrichten.de

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