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Kiel Aussagen bleiben widersprüchlich
Kiel Aussagen bleiben widersprüchlich
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11:55 26.05.2018
Von Thomas Geyer
Foto: Nahe der Brücke an der Kieler Hörn sollen die beiden Angeklagten einen Passanten beraubt und mit einem Messer am Hals verletzt haben.
Nahe der Brücke an der Kieler Hörn sollen die beiden Angeklagten einen Passanten beraubt und mit einem Messer am Hals verletzt haben. Quelle: Thomas Geyer
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Kiel/Plön

Beim Prozessauftakt vor dem Jugendschöffengericht in Plön stellten die seit Dezember in U-Haft sitzenden 21 und 27 Jahre alten Männer den Vorfall vom 30. Juli vergangenen Jahres völlig anders dar. Nach ihrer Aussage war der Verletzte kein argloser Passant, sondern ein polizeibekannter Drogendealer, der mit vorgehaltenem Messer, Drohungen und obszönen Beleidigungen Drogenschulden eintreiben wollte.

Der jüngere Angeklagte, der im Kreis Plön wohnt (dies begründet die Zuständigkeit des Jugendgerichts), ist laut Vorwurf der Haupttäter. Er verfolgte demnach gegen 20 Uhr den Fußgänger und riss an seinen locker über die Schulter gehängten Rucksack. Als der Besitzer sein Eigentum festhielt, sei der in Kiel-Gaarden gemeldete Ältere dem Täter zu Hilfe geeilt, habe mit seinem Gürtel auf das Opfer eingeschlagen und es durch Festhalten der Messerattacke ausgeliefert.

Drei weitere Verhandlungstage sind angesetzt

Einen Diebstahl oder Raub habe es nie gegeben, beteuern dagegen die beiden Angeklagten. Vielmehr sei der verletzte Dealer aus Syrien schon vorher am Hauptbahnhof in Begleitung zweier Landsleute mit Geldforderungen auf sie losgegangen und habe dabei selbst zum Messer gegriffen. Der jüngere Angeklagte will dem angeblichen Angreifer die Waffe entwunden haben – eine Darstellung, die vom Mitangeklagten gestützt wird. Zur Vorgeschichte berichtete der 21-Jährige, er habe dem Dealer ein paar Tage zuvor Drogen für sechs Euro abgekauft. Das Geld sei er ihm schuldig geblieben.

Die widersprüchlichen Aussagen zu dem Vorfall machen der Justiz viel Arbeit: Die Vernehmungen der Angeklagten und Zeugen über Dolmetscher sind mühsam und langatmig. Das Jugendschöffengericht hat zur Aufklärung drei weitere Verhandlungstage angesetzt. „Ein Freispruch würde mich nicht überraschen“, teilte bereits einer der Verteidiger mit.

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