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Kiel Ein Minimum an Würde
Kiel Ein Minimum an Würde
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09:01 04.06.2018
Von Karina Dreyer
Auf dem Nordfriedhof wurde der Verstorbenen gedacht, bei denen das Ordnungsamt der Bestattungspflicht nachgekommen ist. Quelle: Karina Dreyer
Kiel

Die Bestattungspflicht ist die Pflicht, nach dem Tod eines Menschen dafür zu sorgen, dass er bestattet wird. Findet sich niemand, der dieser Pflicht nachkommt, veranlasst das Ordnungsamt die Urnenbestattung. Und die ist anonym, ohne Trauerfeier, Grabstein und Grabschmuck. „Die Gesellschaft sorgt lediglich dafür, dass gärtnerisch alles in Ordnung ist. Das kann doch nicht sein“, bedauerte Frank Wunder, Leiter des Nordfriedhofs. Nachdem sich die Ratsversammlung 2017 einstimmig dafür ausgesprochen hatte, Gedenkveranstaltungen für ordnungsrechtlich Bestattete zu ermöglichen, wandte sich Wunder an die katholische und evangelische Kirche, die seit November nun die Beisetzungen begleiten.

Rund 170 dieser Bestattungen gibt es jährlich auf dem Nordfriedhof, die meisten sind katholisch und evangelisch, ein kleinerer Teil ist konfessionslos. „Für uns war diese Zahl ein Schock und unhaltbarer Zustand. Es ist doch wichtig für eine Gemeinschaft zu wissen, dass alle ihre Toten würdig unter die Erde kommen“, findet Michael Schwer, Pastor der Emmaus-Kirchengemeinde.

Von Seiten der Stadt heißt es, dass es im vergangenen Jahr 237 Bestattungsfälle dieser Art gab, eine steigende Tendenz aber nicht erkennbar sei. 2017 hatte die Stadt laut Presseamt Gesamtkosten von rund 196000 Euro für Bestattungs-, Grab- und sonstige Kosten. Dem standen eingetriebene Gelder in Höhe von rund 116000 Euro gegenüber. Im Bürger- und Ordnungsamt sind derzeit drei Mitarbeiterinnen für dieses Thema zuständig.

Am Sonntag gab es in der Osterkirche für die Verstorbenen erstmalig einen eigenen Gottesdienst, der künftig einmal im Jahr stattfinden soll – mit Gebeten, Kerzen für die Verstorbenen, Lieder der Band „Soulfinger“ und Blumen für das Urnenfeld. „Ein würdevoller Rahmen“, freute sich Frank Wunder. Einsamkeit oder Armut: Warum die Verstorbenen niemanden hatten oder haben, der sich um ihre Beisetzungen kümmert, „wissen wir nicht, das ist die Bilanz eines Lebens und kann alles Mögliche bedeuten“, sagt Pastor Michael Schwer.

Obwohl der Sommer sich am Sonntag verabschiedet hatte, kamen zahlreiche Besucher zum Tag am Kai in Holtenau. Beim maritimen Stadtteilfest informierten viele Stände über die Ostsee und ihre Bewohner. Es gab Vorträge, Bootstouren, Musik und natürlich kulinarische Leckereien.

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