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Kiel App weist den Weg zum Grab
Kiel App weist den Weg zum Grab
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08:18 22.11.2014
Von Merle Primke
Insgesamt 25 Gräber von bekannten Persönlichkeiten befinden sich auf dem Südfriedhof. Viele sind mit aufwändigen Grabsteinen und historischen Skulpturen verziert. Dank der neuen Friedhofs-App: „Wo sie ruhen“ sind sie nun leichter zu finden. Quelle: Thomas Eisenkrätzer
Kiel

Wilhelm und Ludwig Ahlmann, Heinrich Johannes Georg Mölling, Hermann Kobold – insgesamt 25 Gräber von bekannten Persönlichkeiten befinden sich auf dem Südfriedhof. Viele sind mit verschnörkelten Metallzäunen, aufwändigen Grabsteinen und historischen Skulpturen verziert. Auch diverse Gruften und Mausoleen befinden sich auf einem künstlich angelegten Kapellenberg, der in dieser Form einzigartig in Deutschland ist. Manche Gräber verbergen sich unter Efeuranken oder liegen versteckt hinter herabhängenden Ästen.

 „An vielen Besonderheiten gehen die Friedhofsbesucher einfach vorbei, da man sie leicht übersieht,“ erklärt Friedhofsleiter Karsten Spitz-Fischer. „Wir hoffen sehr, dass sich dies durch die App zukünftig ändern wird und die Leute den Verstorbenen und deren Lebensgeschichten mehr Aufmerksamkeit schenken.“

 Entwickelt wurde die kostenlose „Wo-sie-ruhen“-App von der Stiftung Historische Kirchhöfe und Friedhöfe in Berlin-Brandenburg. Mit Hilfe eines integrierten Audioguides können sich die Nutzer neben zahlreichen anderen deutschen Friedhöfen nun auch über das 13 Hektar große Gelände des Südfriedhofs an der Saarbrückenstraße in Kiel führen lassen. Zu jedem berühmten Grab wird ein etwa dreiminütiger Informationstext vorgelesen. Dabei geht es in erste Linie um die verstorbenen Persönlichkeiten – nicht ausschließlich um ihre teilweise sehr prachtvollen Ruhestätten. Ohne die App erhält man meist nur sporadische, oft leider gar keine Informationen.

 Auch Karsten Spitz-Fischer hat durch Mitarbeit an der App viel Neues über die Gräber auf seinem Friedhof erfahren. Umfangreich recherchierte er im Stadtarchiv nach den Ehrengräbern und den zugehörigen Persönlichkeiten. Auch Fotos steuerte er bei – zu jedem Text gibt es ein bis zwei Eindrücke.

 Auf die Frage, ob das Tragen von Kopfhörern erwünscht ist, damit die Ruhe der Trauernden nicht gestört wird, antwortet Spitz-Fischer, dass er auf den Respekt der App-Nutzer setzt und diesbezüglich keinerlei Befürchtungen hat. „Ich denke jeder merkt von alleine, wann es angebracht ist die Lautstärke seines Smartphones runter zu drehen,“ so Spitz-Fischer. Ähnlich sieht das auch Propst Thomas Lienau-Becker. Der stellvertretende Vorsitzende des Kirchenkreisrates Altholstein empfindet die App als würdevolle Bereicherung. Laut Lienau-Becker ist der heutige Medienkonsum Teil des Lebens und somit auch Teil der Toten. „Endlich werden Friedhöfe wieder angesehen und gewürdigt. Immer mehr Menschen lassen sich anonym begraben, haben den Bezug zu einer würdevollen Ruhestätte verloren. Wir hoffen, dass die Besucher ein neues Bild vermittelt bekommen und sehen, wie schön es auf Friedhöfen sein kann.“

 Ganz besonders interessant dürfte für viele wohl die Marmorstatue eines Jünglings am Grab von Henning Lass sein. Die Eltern gaben das Grabmal bei Edvard Eriksen in Auftrag – dieser fertigte 1913 bereits die weltberühmte Figur der Kleinen Meerjungfrau für Kopenhagen. Das 1927 aufgestellte Grabmal ist Eriksens einziges öffentliches Werk in Deutschland.

 Über den zukünftigen Friedhofstourismus macht sich Karsten Spitz-Fischer keine Sorgen – im Gegenteil: Besucher sind erwünscht. Vor allem jungen Leuten möchte er Friedhofsgeschichte nahelegen. „Kiel ist nicht reich an Historik – das, was wir zu bieten haben, sollte für jeden zugänglich sein,“ sagt er. Ein persönliches Lieblingsgrab hat Spitz-Fischer nicht. Für ihn gibt es viele imposante, aber auch filigran beeindruckende Ruhestätten, die mit den unterschiedlichsten Schicksalen verbunden sind. Da könnte er sich nicht festlegen.

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