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Kiel Krüger will Kiels Konturen schärfen
Kiel Krüger will Kiels Konturen schärfen
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08:08 04.11.2019
Von Oliver Stenzel
Fühlt sich dem kreativen Ungehorsam verpflichtet: Architekt Harald Krüger. Quelle: Oliver Stenzel
Kiel

Als Architekt ist es Harald Krüger gewohnt, auf seine Bauten angesprochen zu werden. Aber seit sein aktuelles Projekt in der Moltkestraße 49a Gestalt angenommen hat, bekommt er aus der dortigen Nachbarschaft positives Feedback in ungeahntem Ausmaß. „Die Menschen freuen sich, dass hier einmal wieder ein richtiges Haus entsteht, das zu seinem Umfeld passt“, berichtet Krüger, der seit Mitte der Neunzigerjahre als Architekt tätig ist und sein Büro in der nahen Düppelstraße hat.

"Ein Statement gegen die Kieler Klötzchenarchitektur"

Tatsächlich hebt sich das in der Moltkestraße entstehende Wohnhaus von vielen anderen Neubauten in Düsternbrook vor allem dadurch ab, dass es sich eben nicht so deutlich von den historischen Villen unterscheidet, die hier schon seit Langem stehen und den Stadtteil prägen. „Ich habe mich bewusst dafür entschieden, ganz traditionell mit Schrägdach zu bauen, was vor dem Hintergrund der überall wuchernden Kieler Klötzchenarchitektur ja schon ein Statement für sich bedeutet“, betont Krüger und nennt einige Negativbeispiele in Düsternbrook. Der Architekt will keine Anklage erheben. Aber er betont, dass er seine Arbeit auch als eine Art „Quartiersreparatur“ versteht, an der nicht nur Düsternbrook wachsenden Bedarf habe.

Architekt Krüger kritisiert: Bau ist zu sehr rechtlich geprägt

Aus dem gleichen Grund hat er orangerotes Ziegelmauerwerk für das Haus gewählt und zitiert an seiner Fassade in mancher Hinsicht die klassische Villenarchitektur des Viertels. Doch all dies stelle nur die Basis für eine moderne Auseinandersetzung mit seiner Baugeschichte dar, sagt Krüger und berichtet von der Tiefgarage, dem verglasten Aufzug oder der modernen Heizungsanlage, die per Strahlungswärme an die Heimeligkeit eines alten Kachelofens anknüpfe. „Nach meiner Ansicht müssen wir das Bauen anders durchdenken“, fordert Harald Krüger und kritisiert, dass die eigentlich ehrbare Tätigkeit zu sehr rechtlich und kaufmännisch geprägt sei: „Aber wir bauen ja für Menschen, für die ihr Wohnraum wie eine dritte oder vierte Haut ist.“

Das Tageslicht spielt bei dem Neubau eine wichtige Rolle

Aus diesem Grund spielt in den elf Wohneinheiten des Hauses in der Moltkestraße das Tageslicht eine wichtige Rolle. Aus diesem Grund hat Krüger auf die Garage anstelle von Vorgarten-Parkplätzen gesetzt, so dass um die Immobilie Platz für  eine Grünanlage bleibt. Und aus diesem Grund hat er auch auf Handwerker aus der Region gesetzt, die hier nach ihren eigenen Zeithorizonten arbeiten können. Das Konzept gehe auf, sagt er: „Es geschehen kaum Fehler, wir kommen super voran und die Handwerker selbst freuen sich über die Wertschätzung traditioneller Techniken.“

Krüger hat zuvor die Villa Hecht in der Moltkestraße modernisiert

Nach dem gleichen Rezept hat Harald Krüger zuvor beispielsweise schon die Villa Hecht in der Moltkestraße 88 modernisiert, die zu Kiels Kulturdenkmälern zählt. Gerade in einer durch den Zweiten Weltkrieg in ihrer Bausubstanz so stark erschütterten Stadt sei es umso wichtiger, einen „Heimatstil“ zu pflegen und der architektonischen Verwechselbarkeit vorzubeugen, bekennt Krüger und ergänzt: „Allgemein finde ich die Wohnhäuser heute oft zu abweisend. Von außen wirken sie wie hohe Wände mit kleinen Löchern, um die herum es an Grün fehlt.“

Der Architekt lädt Passanten zum Gespräch in die Willestraße 12

Natürlich können einem solche Worte in Düsternbrook leichter über die Lippen kommen als in Stadtteilen, in denen es eher um sozialen Wohnungsbau als um moderne Villen geht. Wer Harald Krüger dies entgegenhält, wird von ihm prompt in die Willestraße 12 eingeladen. In den Räumlichkeiten der ehemaligen Buchhandlung Cordes, hat er einen temporären Showroom eingerichtet, der die Passanten dazu animieren soll, hereinzuschauen und mit ihm ins Gespräch zu kommen. Hier erklärt er ihnen, wie die städtebauliche Zukunft Kiels aussehen könnte, wenn Aspekte wie Nachhaltigkeit und Zukunftsfähigkeit in den Fokus rücken. „Wie machen wir unsere Städte lebenswert?“, lautet die Leitfrage, die er auf seinen Flyer hat drucken lassen. Dass weiter unten ganz klein der Zusatz „Atelier für kreativen Ungehorsam“ steht, spricht für sich.

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