Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Kiel Alte Tischlerei als kreativer Hort
Kiel Alte Tischlerei als kreativer Hort
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
15:20 04.02.2020
Von Petra Krause
Im Erdgeschoss liegen die Ausstellungsräume des neuen Wohnateliers, im Hintergrund hat die gewaltige Druckerpresse einen Platz gefunden. Künstler Rainer Gröschl (links) und BGM-Vorstand Stefan Binder sind zufrieden mit dem Ergebnis. Quelle: eis - Thomas Eisenkrätzer
Anzeige
Kiel

Seit 1. Dezember ist hier die Wirkungsstätte des Künstlers Rainer Gröschl. Das Giebelgebäude aus den 1950er-Jahren beherbergte bis vor acht Jahren eine Tischlerei der BGM, die für die Genossenschaft kleinere Reparaturen im Stadtgebiet erledigte. Daran angrenzend gab es noch ein paar Garagen für Mieter. „Übergangsweise wurde es von vielen der Mieter aus den 144 Wohnungen drumherum als Unterstand für Fahrräder genutzt“, sagt BGM-Vorstandsmitglied Stefan Binder. Die nicht beheizten Räume begannen dann irgendwann sowohl innen als auch außen zu schimmeln. „Wir wollten aber das schöne Gebäude an diesem besonderen Ort auf Dauer erhalten“, so Binder. „Unser Anliegen ist es immer, Räume zu schaffen, in denen Menschen sich wohlfühlen.“ Die Kunst sei es gewesen, den selbst gesteckten Kostenrahmen von 150 000 Euro einzuhalten und vernünftig zu dämmen. Für die Radfahrer wurden 28 neue Stellplätze gleich gegenüber eingerichtet. 

Ein Gespräch brachte die Lösung

Binder und Röschl kennen sich schon seit Jahren aus dem Anscharpark, einem der BGM-Bauprojekte. Zudem verbindet beide die Leidenschaft zur Grafik. In einem der vielen gemeinsamen Gespräche erzählte Gröschl, dass er aus dem Atelierhaus raus müsse. Die Suche nach neuen Räumen, in der eine 1000 Kilo schwere Druckerpresse Platz findet, gestaltete sich schwierig. „Man braucht Platz, er muss bezahlbar sein und im Erdgeschoss“, sagt Röschl. Die Lösung wusste Stefan Binder: „Wir hatten ein Gebäude, und er musste da raus. Das ist das erste Mal für uns, dass wir Kunst und Kultur fördern.“

Anzeige
Die alte, kleine Tischlerei derBaugenossenschaft Mittelholstein wurde in nur vier Monaten zu einem Atelierhaus umgebaut.

Falscher Bauantrag sorgte für Ärger

Anfang 2019 stellte die BGM einen Bauantrag auf ein „Atelier mit Werkstattcafé“. Die Stadt habe dies wegen des reinen Wohngebietes abgelehnt. „Eigentlich kurios“, findet Binder, da es hier immer eine Werkstatt gab. Auch etwa ein Drittel der Mieter seien nicht begeistert gewesen. Sie fürchteten vor allem Geräusch- und Geruchsbelästigungen. 

„Grundsätzlich lag der Fehler bei mir, dass ich das Wort Werkstatt verwendet habe.“ Also hieß das Objekt künftig Wohnatelier. Baubeginn war im Juli 2019, am 1. Dezember 2019 konnte Gröschl samt seiner Presse einziehen. „Ich durfte Wünsche äußern, habe mich aber zurückgehalten.“ Im Grunde habe es aber keinen großen Abstimmungsbedarf gegeben, da man sich einig war, ein großzügiges Raumerlebnis schaffen zu wollen.

Atelier und Ausstellungsfläche

Entstanden ist eine lichtdurchflutete Kombination aus Atelier und Ausstellungsfläche – ein kreativer Ort, an dem Kunst entsteht und gezeigt wird. Zudem möchte der 66-jährige gebürtige Flensburger anderen Künstlern die Möglichkeit bieten, für einen gewissen Zeitraum im Atelierhaus zu wohnen und zu arbeiten – vor allem mit der großen Druckerpresse im hinteren Bereich. Deshalb befindet sich im Erdgeschoss auch eine kleine Küchenzeile und ein Badezimmer mit Dusche. Als erster wird Anfang März der 1989 geborene Dortmunder Künstler Matthias Plenkmann dort einziehen. Eine Woche wird er vor allem an der Presse arbeiten, aber auch weitere aktuelle Arbeiten wie Radierungen, Lithografien und Zeichnungen zeigen.

Berührungsängste schwinden langsam

Der früher geschlossene Boden wurde halbseitig geöffnet, um dem Raum Großzügigkeit und Galeriecharakter zu verleihen. Die alten Deckenbalken bilden einen schönen Kontrast zum hellen Fußboden. Oben wird gemalt, unten gedruckt. Der Hauptraum mit den Nischen, die durch die ehemaligen Garagen entstanden sind, eignet sich perfekt als Ausstellungsfläche. „Manchmal gucken Leute durch die Fenster und dann bitte ich sie herein“, sagt Gröschl, der spürt, dass die Berührungsängste langsam schwinden. 

„Die, die hier waren, waren begeistert. Ich habe nichts dagegen, wenn mir jemand bei der Arbeit zuguckt.“ Für Binder ist der erste Umbau dieser Art absolut gelungen: „Wir haben eine Möglichkeit gefunden, das kleine, charmante Häuschen langfristig zu erhalten und dem Quartier – im wahrsten Sinnen des Wortes – einen zusätzlichen Klecks Farbe zu verleihen.“

Die Baugenossenschaft Mittelholstein

Die Entstehung der Baugenossenschaft Mittelholstein (BGM) reicht bis 1900 zurück. Seit 1974 trägt die einst aus einer Fusion von 17 Genossenschaften entstandene BGM ihren Namen.

Der Hauptsitz der BGM ist Kiel, Nebensitz ist Büdelsdorf. Mit einem eigenen Bestand von 4092 Wohnungen, 18 Geschäfts- und Gewerbeobjekten, 549 Garagen, 645 Stellplätzen sowie rund 7500 Mitgliedern zählt sie zu den großen Wohnungsbaugenossenschaften im Norden.

Vermietet werden die Wohnungen aus eigenem Genossenschaftsbestand in den Städten und Gemeinden Kiel, Rendsburg, Büdelsdorf, Borgstedt, Nortorf, Kronshagen, Bordesholm, Wattenbek, Hohenwestedt, Osterrönfeld, Westerrönfeld, Schacht-Audorf und Molfsee.

Derzeitige Bauprojekte befinden sich in Friedrichsort, wo in der Stromeyerallee und der Fontanestraße 115 Genossenschaftswohnungen entstehen, sowie in der Neuen Dorfstraße in Büdelsdorf.

Mehr zu Kiel lesen Sie hier

Ein Wohnungsbrand hat am Dienstag im Kieler Stadtteil Gaarden schwere Schäden angerichtet. Einsatzkräfte der Kieler Feuerwehr konnten ein Übergreifen der Flammen auf den Dachstuhl verhindern.

Frank Behling 04.02.2020

Ein 22-jähriges Ehepaar hat in der Nacht zu Dienstag nach eigenen Angaben einen Raub in seiner Wohnung in Gaarden abgewehrt: Der Polizei Kiel zufolge kamen zwei maskierte Täter durch die geöffnete Terrassentür herein. Die Bewohner mussten sich gewaltsam wehren.

Niklas Wieczorek 04.02.2020

Jacqueline Schauer (27) aus Kiel ist zum Ausbruch des Coronavirus für ein Praktikum in Shanghai. Einen Tag, nachdem die Lufthansa alle Flüge von und nach China absagte, kam sie mit einem China-Eastern-Flieger nach Deutschland. In ihrer Chronik beschreibt sie ihre Angst.

04.02.2020