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Kiel Acht Jahre für Messerstecher
Kiel Acht Jahre für Messerstecher
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10:16 25.08.2018
Von Thomas Geyer
Die Schwurgerichtskammer des Kieler Landgerichts verurteilte den Messerstecher wegen versuchten Totschlags zu acht Jahren Freiheitsstrafe. Quelle: Angelika Warmuth
Kiel-Gaarden

Laut Urteilsbegründung hatte sich der 30-Jährige auch der schweren Körperverletzung schuldig gemacht, als er im Dezember den 27-Jährigen im Vinetazentrum Gaarden mit mindestens sieben Messerstichen niederstreckte. Das Opfer, ein Syrer, erlitt nicht nur einen Stich in die Lunge und einen 70-prozentigen Blutverlust, er verlor auch die Greiffähigkeit seiner rechten Hand. „Ohne notärztliche Versorgung wäre er verstorben“, stellte der Vorsitzende Jörg Brommann fest.

Migrantenpaar lebte seit März 2017 getrennt

Zur Aufklärung der Hintergründe war das Gericht tief in die Lebensgeschichte des seit März 2017 getrennten Migrantenpaares eingetaucht. Die in Aleppo geborene Ehefrau stammt aus Syrien, der Mann mit der jemenitischen Staatsbürgerschaft aus Saudi-Arabien. Dort ließen sie ihre ältere Tochter im Frühjahr 2015 bei Verwandten zurück, bevor sie teilweise getrennt über Jordanien, die Türkei und die Balkanroute nach München und Neumünster gelangen.

In Kiel-Gaarden wird den Eheleuten eine eigene Wohnung zugewiesen. Doch der Angeklagte leidet unter Angstzuständen, die er mit Haschisch zu betäuben versucht. Zum Bruch mit der Frau, die laut ihren Angaben schon früher von ihm geschlagen wurde, kommt es, als der Mann seinen ebenfalls drogenabhängigen Bruder aufnehmen will. Als die 32-Jährige beim Angeklagten einen Revolver, 60 Gramm Hasch und fünf Gramm Kokain entdeckt, geht sie zur Polizei und erwirkt ein Kontaktverbot.

Späteres Opfer zeigte sogar Verständnis für die Bedürfnisse des Vaters

Das Verhängnis nimmt seinen Lauf, als sich der von der Abschiebung bedrohte Angeklagte entgegen der Weisung seiner Ehefrau nähert. Vor ihrem Haus in Gaarden entdeckt er die Tochter am Fenster, klingelt, will seine Kinder sehen. Man einigt sich auf eine Begegnung im öffentlichen Raum – in der belebten Stadtteilbücherei. Doch dann sieht der Angeklagte seine Jüngste (2) auf dem Arm eines fremden Mannes, des späteren Opfers.

Der Syrer stellt sich selbst als „guter Freund“ vor. Die Frau nennt ihn ihren „neuen Boyfriend“ und besteht auf seiner Anwesenheit. Als sie aus Angst vor ihrem aggressiven Mann eine Polizeistreife vor dem Vinetazentrum einschalten will, wird sie vom späteren Opfer zurückgehalten: Der Mann zeigt Verständnis für die Bedürfnisse des Vaters.

Nebenklage forderte Verurteilung wegen versuchten Mordes

Nur weil dem Angeklagten für die ersten Stichbewegungen noch keine Tötungsabsicht nachzuweisen sei, kam er um eine Verurteilung wegen versuchten Mordes herum. Der Anwalt des Nebenklägers hatte diese als Einziger gefordert. Das auch psychisch traumatisierte Opfer hat jetzt Anrecht auf 1000 Euro Schadensersatz und „ein angemessenes Schmerzensgeld“. Alle bisherigen und zukünftigen Folgen seiner Tat muss der Angeklagte ihm ersetzen – theoretisch.

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