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Kiel Aufatmen über neue Lungenklinik in Kiel
Kiel Aufatmen über neue Lungenklinik in Kiel
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11:40 07.01.2020
Von Michael Kluth
Prof. Dr. med. Burkhard Bewig ist Facharzt für Innere Medizin, Pneumologie, Infektiologie und Intensivmedizin - und der neue Chefarzt an der Medizinischen Klinik für Lungenheilkunde am Städtischen Krankenhaus Kiel. Quelle: Ulf Dahl
Kiel

Der Eigentümer des Städtischen Krankenhauses ist sehr zufrieden. Es ist die Stadt Kiel. Für sie begrüßt Gesundheitsdezernent Gerwin Stöcken ausdrücklich die Entscheidung der Krankenhausleitung, mit Beginn des Jahres 2020 eine Klinik für Lungenheilkunde einzurichten. Dort sind gestern die ersten Patienten behandelt worden.

„Niedergelassene Ärzte haben eine eigenständige Lungenklinik ausdrücklich gewünscht“, sagt Stöcken. Der Auftrag kommunaler Krankenhäuser wie des Städtischen sei die medizinische Basisversorgung, „da gehört die Behandlung von Lungenerkrankungen natürlich dazu“, so Stöcken. Die neue Klinik verbessere die Versorgung der Menschen in und um Kiel

Stadtrat Stöcken ist Vorsitzender des Aufsichtsrats im Städtischen Krankenhaus Kiel (SKK). Das Gremium habe den Aufbau einer vierten Medizinischen Klinik für Pneumologie am SKK einstimmig unterstützt, berichtet er. „Selbstverständlich“ sei der Aufsichtsrat von Anfang an in die Neuordnung eingebunden gewesen.

Gesundheitsministerium war völlig überrascht

Die Öffentlichkeit war von der Gründung gestern durch die exklusive Berichterstattung auf KN-online überrascht worden. Auch dem schleswig-holsteinischen Gesundheitsministerium war „der Sachverhalt nicht bekannt“. Das bestätigte Ministeriumssprecher Marius Livschütz. Die „zusätzliche Spezialisierung“ am SKK habe von der Planungsbehörde nicht genehmigt werden müssen, weil die Bettenkapazität der Fachabteilung nicht steige. Tatsächlich werden die 28 Betten für die Lungenklinik im SKK selbst umgeschichtet. Auch die Versorgungslage der Bevölkerung bleibe trotz des Wechsels von sechs Spezialisten unverändert, so Livschütz. Es sei Sache des UKSH, die freien Stellen neu zu besetzen.

Massenabwanderung vom UKSH

Der neue Chefarzt Prof. Burkhard Bewig, zuvor stellvertretender Direktor der Klinik für Innere Medizin I am UKSH Kiel, hat wie berichtet gleich zwei auf Lungenheilkunde spezialisierte Oberärzte, zwei Fachärztinnen für Innere Medizin und eine Assistenzärztin vom UKSH ans SKK mitgebracht. Am UKSH gibt es derzeit keine eigenständige pneumologische Klinik.

Am UKSH hatte die Massenabwanderung für Missstimmung gesorgt. UKSH-Sprecher Oliver Grieve hatte spitz angemerkt: „Es ist nicht an uns zu beurteilen, ob die enormen Kosten, eine weitere Pneumologie aufzubauen, für den Steuerzahler sinnhaft sind.“ Darauf antwortet SKK-Aufsichtsratschef Stöcken trocken: „Da hat Herr Grieve vollständig recht: Es ist nicht an ihm, das zu beurteilen.“ Die Investition sei sorgfältig abgewogen und verantwortbar.

Grieve hatte außerdem von „sicherlich unverhältnismäßigen Gehältern“ für die Ankömmlinge am Städtischen Krankenhaus gesprochen. SKK-Geschäftsführer Dr. Roland Ventzke weist das entspannt zurück: „Wir zahlen keine unverhältnismäßigen Gehälter“, sagt er nur. 

SKK-Chef sieht bessere Basisversorgung

Ventzke ist betrübt über die kritischen Töne aus dem UKSH. „Ich hätte mich gefreut, wenn das UKSH im Sinne der Patienten den Wettbewerb um die beste Versorgung befürwortet und begrüßt hätte“, sagt er. Generell stehe sein kommunales Krankenhaus gar nicht in Konkurrenz zum Maximalversorger UKSH, zu dessen Auftrag Spitzenmedizin und Spitzenforschung zählten. Das SKK verbessere mit der Lungenklinik lediglich die Basisversorgung der Patienten. Ventzke und Stöcken wiesen darauf hin, dass die Zahl der Lungenerkrankungen steige.

Expansion des Städtischen Krankenhauses geht weiter

Die medizinische Offensive des Städtischen Krankenhauses macht allerdings bei den Lungenpatienten nicht Halt. Das SKK will sich als Nächstes mit zunächst 25 Prozent an einem Medizinischen Versorgungszentrum beteiligen, das in Kiel gegründet werden soll. Es soll sich auf die ambulante Behandlung von Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes, der Leber, der Gallenblase und der Bauchspeicheldrüse spezialisieren. Nach frühestens sieben Jahren soll das Städtische Krankenhaus das MVZ komplett übernehmen. 

Das geht aus einer Beschlussvorlage des städtischen Betriebs Eigenbeteiligungen für die morgige Sitzung des Hauptausschusses und für die Ratsversammlung am 16. Januar hervor. Darin heißt es, die Beteiligung diene der sektorübergreifenden (also stationären und ambulanten) Versorgung der Patienten und strategisch „der langfristigen Existenzsicherung des Städtischen Krankenhauses“.

Einen Kommentar zum Klinik-Coup lesen Sie hier

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