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Kiel Sieben Wochen Treppen steigen
Kiel Sieben Wochen Treppen steigen
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10:00 15.08.2018
Von Karina Dreyer
Seit zwei Wochen ist der Fahrstuhl in dem zehnstöckigen Hochhaus in Schilksee schon kaputt. Hier hilft Dieter Grabbe seiner Frau Ursula auf der Treppe. Quelle: Karina Dreyer
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Kiel-Schilksee

Seit 42 Jahren wohnen Ursula und Dieter Grabbe im 5. Stock des Hochhauses. „Der Fahrstuhl war mal einen Tag kaputt, lief dann aber wieder“, so der 78-Jährige. So ähnlich dachte er sich das auch dieses Mal, als er dem Hausmeister Bescheid sagte. Weit gefehlt.

Ersatzteilbeschaffung dauert sechs bis sieben Wochen

50 Wohneinheiten umfasst das Hochhaus. Die Gemeinschaft der Wohnungseigentümer, zu der mit 43 Wohnungen auch die Vonovia gehört, beauftragte dann die Reparatur. „Uns wurde mitgeteilt, dass das Getriebe einen Schaden hat und die Beschaffung der Ersatzteile sechs bis sieben Wochen dauert“, erklärt Grabbe und schüttelt ob der langen Zeit fassungslos den Kopf.

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Für Ältere ist die Lage eine Katastrophe

Im Hochhaus leben auch mehrere Ältere und Menschen mit körperlichen Einschränkungen, für die der Ausfall des Fahrstuhls eine Katastrophe ist. Ursula Grabbe ist schwerbehindert und kann im Moment nicht wie gewohnt zum Einkaufen. „Das dauert, bis ich ohne Tasche und nur mit Hilfe meines Mannes die Treppen steigen kann“, berichtet sie. Ein Mitbewohner habe nach einer Amputation nur noch ein Bein, „der rutscht auf dem Po die Treppe hinunter“. Im neunten Stockwerk wohnt eine ältere Dame, die gerade eine Hüftoperation hinter sich hat und zur Krankengymnastik müsste. Dieter Knaebel wohnt ganz oben im zehnten Stockwerk, hat Probleme mit den Knien und dem Herzen. „Ich muss auf jeder Etage stehenbleiben und verschnaufen.“

Stühle und Mineralwasser in jeder Etage

Um etwas Linderung zu verschaffen, verteilte Dieter Grabbe auf einigen Etagen dann Stühle und etwas zu trinken. Das weitete die Vonovia aus und besorgte zwei Sackkarren, damit Einkäufe nach oben transportiert werden können. „Doch die sind viel zu schwer“, so Grabbe.

„Wir bedauern die Unannehmlichkeiten sehr und hoffen, dass wir die verbleibende Zeit ohne Aufzug mit allen Maßnahmen zumindest ein wenig erleichtern können“, heißt es von Seiten der Wohnungsgesellschaft Vonovia. „Wir haben schon einen Einkaufsdienst beauftragt, bei dem wir die Mehrkosten übernehmen, es steht mittlerweile auch für vier bis sechs Stunden eine Servicekraft im Haus zur Verfügung“, erklärt Regionalleiter Nils Bartels.

Jürgen Küppers 15.08.2018
Niklas Wieczorek 14.08.2018
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