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Kiel Aus dem Gotteshaus wird ein Kindergarten
Kiel Aus dem Gotteshaus wird ein Kindergarten
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12:12 10.09.2019
Von Martin Geist
Kirchengemeinderat Harald Kuznik, Pastorin Charlotte Hartwig und Propst Stefan Block (von links) am Altar der Claus-Harms-Kirche, die noch diesen Monat entwidmet werden soll. Das Gebäude wird eine Kita. Quelle: Martin Geist
Kiel

Schmerzlich ist es gerade für die treuen älteren Mitglieder der Gemeinde, historisch gesehen bedeutet dieser Akt aber auch ein Stück weit Rückkehr zur Normalität. Die erste Kirche in Gestalt einer schlichten Baracke erhielt die Siedlung Hammer erst 1950, nachdem die Einwohnerzahl durch Kriegsflüchtlinge sprunghaft von 600 auf etwa 2500 angestiegen war.

1984 wurde das Provisorium durch die jetzige Kirche ersetzt, die allerdings schon lange ein Auslastungsproblem hat. Die Flüchtlingsgeneration begann langsam auszusterben, inzwischen leben nur noch etwa 1400 Leute in Hammer, und auch die sind weniger eifrige Kirchgänger als die Angehörigen der früheren Generationen.

Die Kirche kommt eher zu den Leuten als umgekehrt

„Die Zeiten haben sich geändert“, sagt Propst Stefan Block und verweist darauf, dass die Kirche heute eher zu den Menschen kommt als umgekehrt. Tatsächlich macht die für Hammer zuständige Pastorin Charlotte Hartwig zahlreiche Hausbesuche oder führt Gespräche auf anderweitiger Ebene. Ihr Eindruck: Für etliche Hammeraner sei die bevorstehende Entwidmung schon ein „schmerzlicher Schritt“, aber auf der anderen Seite gebe es auch viel Sympathie für die künftige Nutzung.

Aus gutem Grund, denn in Russee, Hammer und Demühlen sind Kitaplätze Mangelware, zumal sich wie berichtet Pläne für eine neue Betreuungseinrichtung auf Hof Hammer zerschlagen haben. Die Claus-Harms-Kirche, in der schon vor neun Jahren 26 Plätze für Krippenkinder und Drei- bis Sechsjährige eingerichtet wurden, soll um eine weitere Krippen- und Elementargruppe auf dann 58 Plätze ergänzt werden.

Gebäude in Hammer bleibt im Besitz der Kirche

„Das war eine dringende Bitte der Stadt Kiel und kommt auch uns sehr entgegen“, betont Propst Block. Das Gebäude an sich ist dank dieser Lösung trotz Entwidmung weiterhin Eigentum der Kirche. Und auch die Trägerschaft der Kita „Die Kirchenmäuse“ bleibt wie bisher bei der Claus-Harms-Gemeinde.

Noch lieber hätten es Kirchengemeinderat Harald Kuznik und viele weitere Angehörige der Gemeinde gesehen, wenn das Haus einen kleinen sakralen Bereich behalten hätte, sodass eine Entwidmung gar nicht nötig gewesen wäre. Wegen der enormen baulichen Auflagen für Kindergartenräume sei das aber nicht möglich gewesen, bedauert Kuznik.

Komplizierte Auflagen: Zeitplan für Umbau unklar

Eben wegen dieser komplizierten Auflagen mag sich Pastorin Hartwig vorläufig auch nicht auf einen Zeitplan festlegen. Fakt ist nach ihren Angaben, dass die Architektin derzeit die Arbeiten für den Kirchenumbau festschreibt. Wann genau die Handwerker loslegen, steht aber einstweilen in den Sternen.

Gewiss scheint jedenfalls, dass die Kosten für die 32 zusätzlichen Plätze bei voraussichtlich gut 400.000 Euro liegen und damit überschaubar bleiben. Zum Vergleich: Neubauten mit 100 Plätzen kosten heutzutage gern drei Millionen Euro und mehr.

Gemeindeleben soll an anderen Standorten weitergeführt werden

Dass es in Hammer keine Kirche mehr gibt, bedeutet indes nicht, dass sich die Kirchengemeinde aus dem Stadtteil zurückzieht. „Ganz im Gegenteil, wir möchten das hier gewachsene Gemeindeleben an unseren anderen Standorten weiterführen“, bekräftigt Pastorin Hartwig. Von Geburtstagsbesuchen über die Seelsorge bis zur Zusammenarbeit mit den Vereinen werde sich vor Ort sowieso nichts ändern, fügt sie hinzu.

Abstriche bei den Gebäuden müssen auch wegen interner Vorgaben gemacht werden. Für 2500 Gemeindemitglieder ist demnach eine Kirche vorgesehen, mit der Bauernhauskirche in Russee, der Erlöserkirche in Hasseldieksdamm und eben der Claus-Harms-Kirche verfügt die Claus-Harms-Gemeinde aber bei knapp 5000 Mitglieder bisher über drei Kirchen.

Letzter Gottesdienst am 22. September

Einen letzten feierlichen Gottesdienst mit Bischof Gothart Magaard gibt es in der Claus-Harms-Kirche am Vorderkronsberg in Hammer am Sonntag, 22. September, um 11 Uhr.

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