Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Kiel Hier werden Talente entdeckt
Kiel Hier werden Talente entdeckt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
17:39 06.03.2020
Elektro Büßinger - Lehrstellenrallye Quelle: Frank Peter
Anzeige
Kiel

"Drin! Drin! Sensationell! Hast du das gesehen?", ruft Sportmoderator Frank Buschmann euphorisch. Er kommentiert jedoch kein Fußballspiel, sondern die Arbeit eines Elektronikers, der eine Steckdose anschließt. Dieses Werbevideo für den Ausbildungsberuf sahen sich 15 Schüler der Friedrich-Junge-Schule am Ende ihres Besuchs bei der Firma Büßinger an.

In Zwanzigminutentakt durch die Betriebe

Die Stippvisite war Teil der fünften Lehrstellenrallye, die von der Handwerkskammer Lübeck und Kreishandwerkerschaft Kiel initiiert wurde. Jeweils zwanzig Minuten können die Jugendlichen auf zwei verschiedenen Routen in je sieben verschiedene Ausbildungsberufe "reinschnuppern" und ihr handwerkliches Talent testen. Dieses Jahr waren rund 250 Teilnehmer aus acht Schulen, von der Arbeitsagentur und dem Jobcenter dabei.

Anzeige

Die Berufsaussichten sind gut

In der Wiker Elektrotechnikfirma begrüßt Inhaber Marco Büßinger die Jungen und Mädchen mit schlagkräftigen Argumenten. "Ich kann Euch empfehlen, geht ins Handwerk. Die Nachfrage ist groß, die Löhne sind gestiegen", erzählt er den Schülern, die im Halbkreis vor ihm stehen. Was den Beruf wirklich ausmacht, zeigt ihnen sein Azubi Skander Reza, der eine Steckdose wie im Werbevideo montiert. Nach der kurzen Vorführung sind die Schüler an der Reihe. Mit einer Zange entfernt der 15-jährige Felix den Mantel des Kabels und isoliert die Adern. "Ist es egal, welcher Draht an welchen Kontakt kommt?", fragt er. Der Azubi aus dem zweiten Lehrjahr hilft ihm weiter, nach wenigen Augenblicken ist die Steckdose verbunden. Danach ist Simona Maria an der Reihe. Ihr anschließendes Fazit: "Das hier ist eher was für Jungs. Ich möchte lieber in Richtung Flugbegleiterin gehen."

Lesen Sie auch:Wie sich eine Frau im Handwerk durchboxt

Nach einer kurzen Busfahrt erreichen die Schüler eine Filiale eines Hörakustikers. Meisterin Tanja Adolphsen spielt den Teenagern eine Simulation eines Hörverlusts vor. "Es fehlen die hellen Frequenzen. Die Betroffenen sagen, die anderen Leute würden nuscheln", erklärt sie den Neuntklässlern. "Was für einen Abschluss braucht man hier?", fragt eine Schülerin. "Abitur ist ganz gut, weil viel mit Logarithmen berechnet wird. Ich habe aber nur die mittlere Reife gehabt und bin erst Gesellin und dann Meisterin geworden", antwortet Adolphsen. Wichtig sei, dass man offen für die Kunden ist und auch keine Scheu davor habe, Menschen ins Ohr zu schauen.

Manche haben genauen Berufswunsch, andere noch gar keine Idee

Der 14-jährige Erik darf nun die sogenannte Abformmasse aus Silikon begutachten. Wie bei einem Zahnabdruck wird die Masse ins Ohr gegeben, wo sie aushärtet. Anhand dieses Abdrucks wird dann das Ohrstück eines Hörgeräts geformt. "Es hat sich angefühlt wie Hartgummi, es hat auch eine gewisse Stabilität", beschreibt der Schüler das Modell. Für seine Zukunft hat er jedoch andere Pläne. "Ich will den Realschulabschluss machen und dann etwas mit Bildgestaltung machen oder Sachen programmieren", sagt er, während die Abformmasse nun auch von seinen Mitschülern neugierig betastet wird. Auch seine Mitschülerin Rojin hat der Beruf nicht ganz überzeugt. Sie möchte nach der mittleren Reife Abitur machen und anschließend Medizin studieren. "Der Tag ist eine gute Idee. Man kann Einblicke in die Betriebe bekommen", findet sie. Ihre Lehrerin Amelie Petersen, die die Rallye begleitet, teilt diese Meinung: "Ich erhoffe mir, dass sie Ideen für einen Beruf bekomme. Viele wissen nicht, was sie machen wollen."

Lesen Sie auch:Uni Kiel sagt Studien-Info-Tage ab

Ebba Brettschneider, Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft, erklärt die Idee hinter der Aktion. "Wir versuchen, die Vielfalt des Handwerks abzubilden. Früher haben wir an Messen teilgenommen. Wir wollen die Berufe mehr präsentieren: Wie ist es in der Werkstatt, was sind die Maschinen, welches Material wird benutzt. Das kann man im Betrieb besser darstellen als auf einer Messe", meint sie. "Es gibt Erfolgsgeschichten, die ersten haben ihre Ausbildung schon erfolgreich abgeschlossen."

Praktikum im Anschluss an die Rallye

Eine Erfolgsgeschichte könnte jetzt hinzukommen: Nachdem sich die Schüler von den Elektrotechnikern verabschiedet hatten, blieb der 15-jährige Felix noch kurz zurück, um sich nach einem Praktikum bei der Firma zu erkundigen.

von Inga Schönfeldt

Mehr Nachrichten aus Kiel lesen Sie hier.

Von kn online

Der Flandernbunker mit seinen zweieinhalb Meter dicken Mauern ist ein Ort voller Geheimnisse. Und er erinnert an die bitterste Zeit der deutschen Geschichte. Was geschah noch in und um den fleckig-grauen Betonbau? Der Verein Mahnmal Kilian versucht die Geheimnisse zu lüften.

Karen Schwenke 06.03.2020

Versteckt hinter Bäumen und der Sportanlage des TSV Russee in der Rendsburger Landstraße liegt die Gedenkstätte „Arbeitserziehungslager Nordmark“. Das soll sich nach dem Willen einiger Kieler SPD-Politiker ändern.

Jennifer Ruske 06.03.2020
Kiel Bürgerdialog in Ellerbek Neue Ideen für die Mobilitätsstation

Die Mobilitätsstation am Tilsiter Platz nimmt immer mehr Gestalt an. Zwei Carsharing-Fahrzeuge von Stattauto und einige Leihräder der Sprottenflotte gibt es bereits. Noch in diesem Jahr soll der Bereich umfangreich ausgebaut werden. Beim Bürgerdialog wurden dazu Anregungen gesammelt.

Karin Jordt 06.03.2020