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Kiel Was bleibt, wenn ich nicht mehr bin?
Kiel Was bleibt, wenn ich nicht mehr bin?
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13:00 11.07.2019
Von Michael Kluth
Anne-Sophie Mutter im Zuschauerraum, Margot Käßmann auf dem Kutter, Friede Springer im Watt: Der Berliner Aufbauleiter Alexander Adler (39) baut die Ausstellung "Was bleibt" in der Kieler Kirche St. Nikolai am Alten Markt auf. Quelle: eis - Thomas Eisenkrätzer
Kiel

„Die eigenen Werte über den Tod hinaus weitergeben und Bleibendes schaffen, das immer wieder Früchte trägt“ – das ist das „Prinzip Apfelbaum“. So heißt auch die Ausstellung, die am Donnerstag in der Offenen Kirche St. Nikolai am Alten Markt in Kiel eröffnet wird (siehe Info-Text).

Wanderausstellung ist 2015 gestartet

Die Wanderausstellung hat 2015 in Berlin begonnen. In der Ausstellung sind elf Persönlichkeiten porträtiert, sieben Männer und vier Frauen, die sich sehr offen auf die Frage „Was bleibt?“ eingelassen haben.

Es sind: der Schriftsteller Günter Grass, der Politiker Egon Bahr, die Altbischöfin Margot Käßmann, der Schauspieler Dieter Mann, der Astronaut Ulf Merbold, der Bergsteiger Reinhold Messner, die Medizin-Nobelpreisträgerin Christiane Nüsslein-Volhard, die Violinistin Anne-Sophie Mutter, die Verlegerin Friede Springer, der Altbundespräsident Richard von Weizsäcker und der Regisseur Wim Wenders.

Fotos an ungewöhnlichen Orten

Die mehrfach ausgezeichnete Fotografin Bettina Flitner hat sie an Orten, die sie selbst gewählt haben, ungewöhnlich in Szene gesetzt: Grass im Garten etwa oder Käßmann auf einem Kutter.

Seit Mittwoch wird die Ausstellung in der Nikolaikirche aufgebaut. Der Berliner Aufbauleiter Alexander Adler (39) stellt die elf Tryptichen zusammen: jeweils zentral die überragenden Flitner-Aufnahmen der Protagonisten, links Porträtfotos, rechts der Text.

Prominente über Tod und Erbe

Die Wissenschaftlerin äußert sich pragmatisch: „Anders als bei einem Künstler, dessen Werk immer mit ihm verbunden bleibt, werden unsere Erkenntnisse irgendwann Allgemeingut. Sie tragen zu unser aller Wissen bei. Das besteht weiter. Wer es entdeckt hat, ist irgendwann egal“, sagt Christiane Nüsslein-Volhard.

Die Unternehmerin bekennt in aller Bescheidenheit: „Das Leben der Menschen zu erleichtern – das ist mein Mosaiksteinchen in einem großen Bild aus vielen bunten Steinchen. Vielleicht bin ich das, was ein großes Bild komplett macht. Aber ein ganz kleines Steinchen nur“, sagt Friede Springer.

Der Autor nennt sein Werk: „Wir Menschen haben die Gabe, Lektionen, die uns die Geschichte erteilt hat, zu begreifen und daraus Konsequenzen zu ziehen. Das heißt, von den Rechten des Demokraten Gebrauch zu machen. Das habe ich versucht, in meinen Büchern zu erzählen und weiterzureichen“, sagt Günter Grass.

Der Schauspieler nennt seine Wirkung: „Gute Stücke haben immer eine Bedeutung. Dazu müssen wir sie so spielen, dass sie andere etwas angehen. Wenn ich es geschafft habe, Menschen in die Lage zu versetzen, das Wesentliche zu erkennen, ist das etwas sehr Schönes!“, sagt Dieter Mann.

Der Überlebenskünstler beschwört Naturgesetze: „Alles, was ein Mensch auf dieser Erde geschaffen hat, hat nur einen Fortbestand, wenn es von anderen belebt und weitergetragen wird“, sagt Reinhold Messner.

Der Filmemacher hält sich und anderen den Spiegel vor: „Ich habe die Theorie, dass in jedem Foto, auch in jedem Film, sein Gegenschuss enthalten ist. Wenn man ein Bild macht, bildet man sich damit auch selbst ab. Auch mich kann man an meinen Bildern durchaus erkennen“, sagt Wim Wenders.

Eindrückliche Zeugnisse von Erblassern

Eindrucksvolle Worte eindrucksvoller Persönlichkeiten. Noch eindrücklicher sind freilich die Info-Tafeln mit Zeugnissen von Erblassern, die erklären, warum sie ihr Erbe welcher Organisation hinterlassen, der Krebshilfe etwa oder der Stiftung Bildung.

Viele Besucher sind dankbar

Zur Wirkung ihrer Ausstellung sagt die Kuratorin Susanne Anger: „Viele Besucher sind dankbar, dass sie in der Ausstellung überhaupt erst ins Nachdenken kommen über ihr mögliches Vermächtnis.“ Die Initiative berät auch in Rechts- und Testamentsfragen.

Die Ausstellung

„Das Prinzip Apfelbaum. Elf Persönlichkeiten zur Frage: Was bleibt?“ So heißt die Ausstellung, die Pröpstin Almut Witt, Pastorin Maren Schmidt und Stadtpräsident Hans-Werner Tovar am Donnerstag, 11. Juli, um 18 Uhr in der Offenen Kirche St. Nikolai zu Kiel am Alten Markt eröffnen. Die Vernissage ist öffentlich. Die Ausstellung mit großformatigen Bildern und Texten, die per Audio-Guide zugänglich sind, sowie Kurzfilmen ist vom 12. Juli bis zum 17. August montags bis sonnabends von 10 bis 18 Uhr, sonntags von 12.30 bis 18 Uhr zu sehen. Der Eintritt und der Audio-Guide sind kostenlos. Die Ausstellung wandert danach weiter nach Lüneburg.

Die Initiative

Die Initiative „Mein Erbe tut Gutes. Das Prinzip Apfelbaum“, gegründet im Herbst 2013, ist ein Zusammenschluss gemeinnütziger Organisationen und Stiftungen, darunter der Alzheimer-Stiftung, der Schlaganfallhilfe und der Knochenmarkspenderdatei. Ihr gemeinsames Anliegen ist es, „das Erbe für den guten Zweck stärker ins Bewusstsein zu rücken und das ,Prinzip Apfelbaum’ einer breiten Öffentlichkeit als Ausdruck einer grundsätzlichen Haltung näherzubringen“.

Die Fotografin

Die Fotografin Bettina Flitner ist für ihre Porträtserien und Foto-Essays mehrfach ausgezeichnet worden. Sie wurden in Ausstellungen im In- und Ausland gezeigt sowie in neun Bildbänden veröffentlicht. Zu ihren bekanntesten Werken zählen die Trilogie „Mein Feind – Mein Denkmal – Mein Herz“, die Porträtreihe „Große Europäerinnen“ und die Fotoreportage „Freier“. 

Mehr zum Thema: 

Im Internet sind Fotos, Texte und Filme aus der Ausstellung unter www.mein-erbe-tut-gutes.de abrufbar. Das Online-Magazin der Inititative unter www-prinzip-apfelbaum.de

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