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Kiel Das Sahnestück liegt schwer im Magen
Kiel Das Sahnestück liegt schwer im Magen
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00:16 21.02.2014
Von Martina Drexler
Entwurf der Gemeinschaft aus Design Bau und Nagel Architekten: Jetzt gibt es offenbar Überlegungen für eine abgespeckte Version. Quelle: Design Bau AG
Kiel

Bürgermeister Peter Todeskino begründet sein Zögern damit, nicht verantworten zu wollen, dass Kielerinnen und Kieler später wieder einmal mit unfertigen Bauzuständen auf der Hörn leben müssen. Denn seit dem Start der Kai City hat die Stadt leidvolle Erfahrungen gesammelt. Immer wieder stockte der Verkauf des früheren Werftgeländes. Viele Hoffnungen auf Impulse verbanden sich damals mit dem 2007 eröffneten und von der Bevölkerung so genannten Schmid-Bau: Gewerbe, ein medizinisches Zentrum und vielfältige Gastronomie sollten bis zu 1000 Dauer-Arbeitsplätze entstehen lassen. Doch der Bauherr geriet mit seinen Unternehmungen ins Trudeln, das Gebäude wurde am Ende zwangsversteigert. Heute ist es eine begehrte Adresse für Menschen, die gern am Wasser und nah am Stadtzentrum wohnen.

 Die Hörn, sagt auch der baupolitische SPD-Sprecher André Wilkens, ist ein Sahnestück. Jetzt müssten Verwaltung, Investoren, Bauträger und die Politik zusammenkommen, damit es dort weitergehen könne. Auf ein gutes Ende und Klärung offener Fragen hofft auch CDU-Fraktionschef Stefan Kruber. Städtebaulich sei der Entwurf von Design Bau von allen für gut befunden worden. Der Zug ist für den Investor, glaubt auch FDP-Fraktionschef Hubertus Hencke, noch nicht abgefahren. Der Liberale befürwortet dort eine kleinteiligere Bebauung.

 Die Lösung könnte darin bestehen, dass Design Bau nicht wie bisher vorgesehen vier der insgesamt 2,2 Hektar großen Baufelder mit vier Mehrfamilienhäusern und einem Gebäudekomplex bebaut, sondern nur zwei. Denn für zwei andere Grundstücke ist nach Informationen der Kieler Nachrichten offenbar schon ein anderer Investor im Gespräch. Todeskino verweist auf seine Schweigepflicht, sieht aber „vertretbare Wege, das Risiko der Stadt zu minimieren“, zumal sich die Situation geändert hat, da weitere Flächen hinter den Germania-Arkaden und der Telekom zur Verfügung stehen. „Hier sind teilweise Anhandgaben ausgelaufen. Diese zusätzlichen Puzzlesteine könnten – einvernehmlich zusammengesetzt – zu einem passgenauen Ergebnis führen.“

 Design Bau hat bereits vor Monaten signalisiert, für eine abgespecktere Version bereit zu sein, allerdings mit mindestens einem Grundstück am Wasser. „Wir haben immer versucht, Wünsche der Politik und der Vorhabenträgerin BIG Städtebau zu erfüllen“, erklärte Vorstandsvorsitzender Thomas Schwinger-Caspari, den die Nachricht über eine mögliche Abfuhr kalt erwischt hatte. Er sei fassungslos, was da passiere, beschwert er sich nach wie vor über die andauernde Funkstille aus dem Rathaus. Am 15. Februar vor zwei Jahren gab die Bietergemeinschaft ihr Angebot ab, fand nach Angaben des Investors große Zustimmung bei den Verwaltungschefs Torsten Albig und Susanne Gaschke. Nach mehreren Bürgschaften sowie einer Finanzierungszusage für das erste Baufeld versteht Schwinger-Caspari auch mit Hinweis auf die solide finanzielle Lage seines Unternehmens die Sicherheitsbedenken der Stadt nicht. „Wir wollen die Pläne weiter realisieren. Das Vermarktungsvolumen verträgt 50 Eigentumswohnungen pro Jahr und mindestens das Gleiche zusätzlich an Mietwohnungen“, sagt er und verweist auf einen siebenstelligen Betrag, den die Firma bereits in das Projekt gesteckt hat. 35 Prozent Wohnanteil setzt die EU-Vorgabe für die Fördermittel voraus.

 „Wir erwarten Verfahrenstreue“, betont der Vorstandsvorsitzende, seine Rechte sichern zu wollen. Beide Seiten, so Todeskino, seien aufgerufen, flexibel zu sein, um das beste Resultat für die Stadt zu erreichen. Das letzte Wort, wie es weitergehen soll, hat die Ratsversammlung am kommenden Donnerstag.