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Kiel Das Schweigen überwinden
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16:39 06.02.2020
Helfen in der Beratungsstelle Tabu von der Diakonie Altholstein in Gaarden: Renate Sticke, Projektleiterin (Mitte) und Mukrima Hasso, Projektmitarbeiterin (rechts). Quelle: Freya M. Baier (Diakonie Altholstein)
Kiel

Statistisch wird alle elf Sekunden ein Mädchen rituell beschnitten. Laut Schätzungen von Terre des Femmes sind 70000 Frauen in Deutschland von Genitalverstümmelung betroffen, weltweit sind es 200 Millionen. Heute, am Internationalen Tag gegen Genitalverstümmelung, rückt das Thema in den Fokus. Auch in Kiel wird auf die von der Migration verursachte gestiegene Nachfrage nach Prävention und Unterstützung für die Betroffenen reagiert. Die Beratungsstelle Tabu der Diakonie Altholstein bietet seit Dezember in Gaarden Frauen die Möglichkeit, sich über ihre Erlebnisse mit den Beraterinnen oder anderen Betroffenen auszutauschen.

Betroffene brauchen viel Zeit, bis sie erzählen

"Wir betreuen insgesamt 30 bis 40 Frauen. Die meisten kommen erst mit anderen Themen zu uns. Erst einmal bauen wir dann Vertrauen auf", berichtet Renate Sticke, Projektleiterin der Beratungsstelle. Dann würden die Frauen irgendwann auch von ihrer Beschneidung und den damit einhergehenden physischen und psychischen Problemen erzählen. "Sie haben hier einen Ort, an dem sie einfach mal darüber reden können", sagt die Sozialpädagogin.

Noch in vielen Ländern gängige Praxis

Zu ihnen gehören Amal (Irak), Ahlaam (Somalia) sowie Rana und Mona aus dem Jemen. Die vier Frauen leben seit einem bis drei Jahren in Norddeutschland. In ihren Herkunftsländern werden Mädchen normalerweise im Alter von sieben bis zehn Jahren beschnitten, berichten die Frauen. Je nach Land werden dafür religiöse, kulturelle oder ästhetische Gründe angeführt. Praktiziert wird das bis heute sowohl in Afrika als auch im Nahen Osten und in Asien.

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Gefahr auch in Deutschland

Aber auch in Deutschland können junge Mädchen Opfer dieses Rituals werden, das hierzulande als schwere Körperverletzung gilt und strafrechtlich verfolgt wird. Über Einzelfälle gebe es Gerüchte, aber viel häufiger sei eine andere Vorgehensweise, erklärt Renate Sticke. "Manche Mädchen werden in den Ferien nach Ägypten geschickt, und dort wird das dann vorgenommen."

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Die vier Frauen aus Kiel gehen regelmäßig in die Beratungsstelle. "Bei jeder Frage, die ich habe, komme ich her, weil ich weiß, dass sie hier helfen können", berichtet Amal. Ahlaam aus Somalia geht es ähnlich. Sie musste ihren Ehemann und ihre zwei Töchter in der Heimat zurücklassen. "Anfangs fühlte ich mich alleine in Deutschland. Hier ist eine Stelle, wo ich meine Gefühle und Gedanken rauslassen kann", sagt die 33-Jährige. Mit ihren Töchtern sei sie regelmäßig in Kontakt, und auch ihre Familie sensibilisiere sie für das Thema. "Ich habe jetzt mehr Informationen. Aber ich habe Sorge um sie. Ich sage ihnen oft, dass keiner sie zur Beschneidung zwingen darf."

Kaum ähnliche Einrichtungen in Schleswig-Holstein

Die Einrichtung in Gaarden wird mit Hilfe von Aktion Mensch getragen und ist momentan nur für drei Jahre finanziert. Die Mitarbeiter hoffen, dass in Zukunft auch Landesmittel zur Verfügung gestellt werden und das Projekt langfristig bestehen bleibt. "Es gibt kaum Anlaufstellen in Schleswig-Holstein für dieses Thema, aber wir sehen den Bedarf", sagt Vanessa Trampe-Kieslich, Geschäftsbereichsleiterin Soziale Hilfen bei der Diakonie. "Normale Migrationsberatungsstellen haben da kein Fachwissen und können das nicht leisten", ergänzt Renate Sticke. "Das ist ein richtig mutiger Schritt der Frauen, hierher zu kommen. Es ist wichtig, dass sie gehört werden", betont sie.

Die Beratungsstelle befindet sich in der Johannesstraße 45 und bietet dienstags von 13 bis 14 Uhr und donnerstags von 9 bis 10 Uhr eine kostenlose offene Beratung an. Gruppenangebote gibt es dienstags von 14 bis 15.30 Uhr und donnerstags von 10 bis 11.30 Uhr. Mehr Informationen: www.diakonie-altholstein.de/de/tabu oder Tel. 0431 26093119.

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Von Inga Schönfeldt

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