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Kiel Warum die Skandinavier glücklicher sind
Kiel Warum die Skandinavier glücklicher sind
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08:32 03.09.2019
Von Karen Schwenke
Glücksexpertin und Bestsellerautorin Maike van den Boom (47) erklärt, welche Grundhaltung in Skandinavien zu mehr Glück und Produktivität führt als in Deutschland. Quelle: © Evia Photos www.eviaphotos.com Eva Garmendia
Kiel

Frau van den Boom, Sie haben in den 13 glücklichsten Ländern der Welt recherchiert. Warum haben die Menschen dort das Gefühl ein glücklicheres Leben zu führen als in Deutschland?

In Skandinavien beispielsweise leben die Menschen grundlegend andere Werte als wir. Wir Deutschen sind auch nicht kreuzunglücklich, in verschiedenen Untersuchungen belegen wir im Glücksranking Plätze zwischen 17 und 25. Aber wenn man bedenkt, wie gut es uns geht, ist da definitiv viel Luft nach oben. Deswegen habe ich mir vorgenommen, die Deutschen ein bisschen glücklicher zu machen. Wir befinden uns acht Stunden im Job, wenn wir da nicht glücklich sind, wird es schwer mit dem allumfassenden glücklichen Leben. Also habe ich für ein weiteres Buch 30 skandinavische Unternehmen besucht.

Und wie könnten wir glücklicher werden?

Ich halte nichts von Glückstipps. Denn wir sind alle zu verschieden. Wir müssen vielmehr darüber nachdenken, was uns im Leben wirklich wichtig ist, und dann reden wir über Werte, davon hängt viel mehr von ab, als von kleinen isolierten Tricks.

Welche Werte meinen Sie?

Alles fängt bei dem Vertrauen an. Gute Beziehungen gelingen nur mit Vertrauen. In Skandinavien ist das Vertrauensniveau hoch. Dort antworten im Schnitt 66 Prozent auf die Frage, ob sie fremden Menschen ohne weiteres vertrauen können mit Ja, bei uns sind es nur 38 Prozent. Skandinavier sind einfach naiver als wir. Sie gehen davon aus, dass jeder immer sein Bestes geben möchte. Wir hingegen können das nicht so recht glauben und gleichen unser mangelndes Vertrauen durch Regeln, Absprachen und Kontrollen aus. Das kostet Zeit und vor allem die Leidenschaft der Menschen, die wir so kontrollieren wollen. Skandinavier finden die Sicherheit im Vertrauen zu anderen Menschen, wir in Regeln. Das ist nicht nur im Privatleben so, sondern auch in der Schule und den Unternehmen.

In der Arbeitswelt tut sich auch hierzulande etwas: Fortschrittliche Unternehmen setzen auf mehr Vertrauen zu ihren Mitarbeitern.

Ja, es wandelt sich langsam. Aber wir versuchen immer noch perfekt zu sein. Fehler suchen, finden, abstellen, vorausplanen – da sind wir echt gut drin. Nur die Zukunft stellt uns jetzt ein Bein, weil wir keine linearen Prozesse mehr haben. Es entwickelt sich exponentiell, alles ist rasant, wir haben komplexe Systeme, da kommen wir mit unserer Kontrolle nicht weit. Besser wäre es, sich in den Strom zu schmeißen und mitzuschwimmen, da hast du mehr Chancen oben zu bleiben. Diese Gelassenheit haben die Skandinavier, denn sie haben sich als kleine Länder schon immer anpassen müssen. Sich ständig zu wandeln, ist für die Wikinger die normalste Sache der Welt. Deshalb empfinden sie auch die Zukunft mit all ihren Neuerungen nicht als bedrohlich, sondern sind einfach nur neugierig auf alles, was da kommen mag. Damit treiben sie übrigens auch ihre deutschen Geschäftspartner in den Wahnsinn, denn die Wikinger machen nie einfach nur so etwas, weil jemand ihnen das aufträgt. Sie möchten den Sinn ihre Tuns erkennen und fragen deshalb ständig: Warum?

Kann man Vertrauen und Gelassenheit lernen?

Das kann man nicht lernen. Man muss es einfach immer wieder versuchen. Und man wird auf Nase fallen, weil nicht jeder vertrauenswürdig ist. Aber 90 Prozent der Menschen nördlich von Kiel denkt so. Man wird also Fehler machen. Und da sind wir bei einem weiteren wichtigen Unterschied: Die Skandinavier reden nicht von Fehlern, sondern von Abweichungen. Es geht nicht darum, ob etwas richtig oder falsch ist, auch nicht darum, wer Schuld hat. Es ist einfach eine Veränderung aufgetreten, die es sich lohnt zu betrachten. Wer Angst vor Fehlern hat versteift sich und traut sich nicht.

In puncto Fehlerkultur ist in Deutschland aber auch einiges im Wandel.

Trotzdem lernen wir sehr früh in der Schule noch Fehler zu vermeiden, nach guten Noten zu streben und Schwächen zu verstecken. In Skandinavier gibt es Noten erst in der 6. oder 8. Klasse. Denn es geht ums Lernen und nicht um richtig oder falsch. Und wenn wir die Freiheit habe zu patzen, werden wir automatisch glücklicher.

Was bedeutet das für Unternehmen?

Führungskräfte dort haben mir erklärt, dass sie ihre Schwächen selbstverständlich zeigen, weil sie sonst das Bild eines Superhero kreieren würden und damit auch Angst erzeugen würden. Wenn sie sich hingegen öffnen, aus ihrer Komfortzone herauskommen, dann werden sie Teil des Teams. Alle werden Teil des Teams. So gesehen ist es asozial, wenn Menschen ihre Schwächen nicht teilen, weil die anderen dann keine Chance haben, ihnen zu helfen.

Abgesehen davon, dass Glück ein tolles Gefühl ist, hat es also auch eine ökonomisch relevante Wirkung?

Ja, die Mitarbeiter sind produktiver, ihr Hirn wird mit Dopamin geflutet, ihr kognitiver Rahmen öffnet sich. Wenn sie hingegen gestresst sind, dann verengt sich die Wahrnehmung, sie haben Scheuklappen auf, sehen weniger Möglichkeiten und sind weniger kreativ. Die besten Ideen hat man doch, wenn man entspannt ist - unter der Dusche oder im Wald. Daher darfst Du in Skandinavien während der Arbeitszeit alles, du darfst joggen gehen, ein Nickerchen machen, deine Kinder abholen. Es ist einfach tiefmenschlich. Es heißt, die Arbeit sollte dem Leben folgen und nicht umgekehrt. Denn dann nutzen die Menschen Energie vom Sport für den Job, vom Job für die Familie und Abends vielleicht wieder für ein paar Stunden Arbeit. Und das ist schlau, denn dann schaffen sie in weniger Zeit mehr. Davon profitieren dann wieder alle.

Die Schleswig-Holsteiner gelten als die glücklichsten Deutschen. Erklärt sich das durch die Nähe zu Skandinavien?

Das Vertrauensniveau in Schleswig-Holstein ist jedenfalls laut Untersuchungen viel höher als beispielsweise in den östlichen Bundesländern, das könnte ein Indiz sein.

Sie selbst sind mit Ihrer 13-jährigen Tochter nach Stockholm gezogen. War das Ihr persönliches Glücksprogramm?

Wegziehen, um das Glück zu finden, das funktioniert meiner Meinung nach nicht. Ich habe mich einfach in Stockholm verliebt, und die schwedische Mentalität finde ich toll. Dieser sanfte, wertschätzende Umgang miteinander und diese Freiheit, du selbst sein zu können. Vor allem freut es mich aber für meine Tochter. Ich finde den Stress, den wir unseren Kindern in den deutschen Schulen antun, einfach lächerlich. Hier in Schweden kommt Elisa jetzt singend nach Hause.

 

Bücher von Maike van den Boom

„Wo geht’s denn hier zum Glück - Meine Reise durch die 13 glücklichsten Länder der Welt und was wir von ihnen lernen können“ (Fischer-Krüger 2015) und „Acht Stunden mehr Glück – Warum die Skandinavier glücklicher arbeiten und was wir von ihnen lernen können“ (Fischer-Krüger 2018).

Die Strategien der Gewinner – kostenlos für junge Leute

Wer möchte nicht zu den Gewinnern zählen? In der Halle 400 verraten am Donnerstag, 6. September, fünf Referenten ihre Gewinnerstrategien. Unter dem Titel „Zukunftsathleten“ holt Karrierecoach Matthias Herzog damit zum dritten Mal erfolgreiche Redner nach Kiel. Partner der Veranstaltungsreihe sind die Förde Sparkasse und die Kieler Nachrichten.

Neben Bestseller-Autorin Maike van den Boom (siehe Interview oben) sprechen vier weitere Referenten über ihre Wege zu mehr Erfolg und Lebensqualität. Ex-Geheimagent Leo Martin gilt als Experte für unterbewusst ablaufende Denk- und Handlungsmuster. Er soll Menschen dazu gebracht haben, ihm zu vertrauen, ihr geheimstes Insiderwissen preiszugeben. In Kiel will er verraten, wie man Menschen für sich gewinnen kann. Kampfsportler Marc Gassert besitzt schwarze Gürtel in Karate, Taekwondo und Shaolin Kung Fu. Er studierte Kommunikation und soll sechs Sprachen sprechen. In Kiel informiert er über das Thema Disziplin. Nicht das Anfangen werde belohnt, sondern das Durchhalten, sagt er. Martin Limbeck gilt als europaweit angesehener Verkaufstrainer. Er will berichten, wie Topverkäufer denken, wie sie ihre Selbstvertrauen und ihre Eigenmotivation stärken. Zukunftsathlet Matthias Herzog spricht ebenfalls über das Thema Motivation: „Lebe motiviert, mit Freude zu mehr Glück und Gesundheit“, nennt er seinen Vortrag.

Bereits am Nachmittag geben die Referenten, die am Abend sprechen, für Schüler, Auszubildende und Studenten gratis einen Motivationskick zum Start ins neue Schul- und Ausbildungsjahr und ins Semester. „Wie beim vergangenen Mal ist das Summit ein absolutes Highlight, weil die junge Generation Topreferenten hört, für die abends Eintritt bezahlt wird“, sagt Herzog. „Die Inhalte werden auf das junge Publikum abgestimmt, es geht um den Umgang mit Versagensängsten, Prüfungsdruck und darum, sich eine Motivation zu holen.“ Moderiert werden beide Veranstaltungen von THW-Hallensprecher Torben Pöhls.

Hier können sich junge Menschen anmelden zum kostenlosen Summit um 16 Uhr am 5. September in der Halle 400. Für die Abendveranstaltung um 19.30 Uhr gibt es nur noch wenige Restkarten ab 49 Euro unter der Servicenummer 0157/53698958 oder an bekannten Vorverkaufsstellen.

Das Aus des Kohlekraftwerks trübt die Halbjahresbilanz des Kieler Seehafens. Der Umschlag von Kohle endete im März und beschert nach sechs Monaten ein Minus im Vergleich zum Vorjahr. Aufgefangen wird der Rückgang im Güterumschlag aber durch mehr Passagiere auf den Fähr- und Kreuzfahrtschiffen.

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