Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Kiel Zu früh geboren: Oscars schwerer Weg ins Leben
Kiel Zu früh geboren: Oscars schwerer Weg ins Leben
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
16:44 18.11.2019
Von Jürgen Küppers
Auf der Station im UKSH Kiel schauen sich Krankenschwester Anja Bünte (von links), Neonatologin Katja Schuh sowie Oskar (4) und Mutter Nadine Schneider einen Inkubator an, in dem auch Oskar als Frühchen lag. Quelle: Sven Janssen
Anzeige
Kiel

Auf den Fluren der UKSH-Akademie im Kieler Schloss wuselten in den Pausen Kinder auf den Fluren. Drinnen im Saal sorgten während des Welt-Frühgeborenentages „Hase Mommel“, Sängerin Alice Fiur oder der Kinderchor „Rich Sound“ der St. Heinrich Kirchengemeinde für heimelige Familienstimmung. Doch als Chor und Solistin beim Benefizkonzert das Frühchen-Lied „Da bist du!“ anstimmten, dürften bei vielen Müttern auch wieder die dunklen Bilder aus Kreißsaal und Kinder-Intensivstation emporgestiegen sein.

Schon im Mutterleib war der Junge unterversorgt

Wie Nadine Schneider diese Zeit überstanden hat, kann sie selbst gar nicht mehr so genau sagen. Will es wohl auch nicht: „Man funktioniert einfach nur, wie in einem Tunnel.“ Natürlich habe sie panische Angst gehabt, ob ihr Kind überlebt. Und ob es ein Leben ohne Behinderung führen kann – oder nicht. Doch aufgeben oder mit dem Schlimmsten rechnen, entspreche nun mal nicht ihrem Naturell: „Ich schaue nach vorne.“

Anzeige

Nicht einmal 500 Gramm wog Oskar, als ihn die Ärzte am 11. September 2015 per Kaiserschnitt am UKSH auf die Welt holen mussten. Schon im Mutterleib war der Junge aufgrund zugesetzter Gebärmutterarterien schwerst unterversorgt. Als auch noch die Herztöne immer schwächer wurden, mussten die Ärzte sofort handeln.

Weder selbstständig atmen noch schlucken

Was dann kam, darüber spricht die 42-Jährige nach wie vor nicht gerne. Wie sie mehr als vier Monate lang jeden Tag auf der Neugeborenen-Intensivstation des UKSH mitansehen musste, wie ihr Söhnchen im Inkubator künstlich beatmet und ihm zunächst die Muttermilch per Magensonde verabreicht werden musste. Denn dieses zarte Wesen, das auf ihrem Handteller Platz gehabt hätte, konnte in der ersten Zeit weder selbstständig atmen noch schlucken.

„Gerade bei der so wichtigen Beatmungsstrategie hat sich in den vergangenen Jahren einiges verbessert“, erklärt Dr. Katja Schuh, Neonatologin (auf Frühgeborene spezialisierte Kinderärztin) am UKSH. Mithilfe eines Medikaments sei es zum Beispiel in vielen Fällen möglich, die Lungenbläschen von Frühchen auch ohne künstliche Beatmung zu eröffnen.

Kiel: Oskar (4) geht mittlerweile in die Kita

Rund 60000 Kinder (damit fast jedes zehnte) kommen nach Angaben der Gesellschaft für Kinderchirurgie in Deutschland zu früh auf die Welt – also vor der 37. Schwangerschaftswoche. Am UKSH in Kiel sind es zwischen 150 und 180 pro Jahr. Richtig dramatisch wird es nach Erfahrung von UKSH-Kinderkrankenschwester Anja Bünte, wenn Kinder vor der 24. Schwangerschaftswoche zur Welt kommen: „Weil dann die Gefahr bleibender Schäden extrem groß ist.“

Doch bei Oskar, der inzwischen eine Kita besucht, hat Nadine Schneider bislang keine Schäden entdeckt. Trotzdem bekommt er regelmäßig Krankengymnastik und Ergotherapie zur Schärfung seiner Sinne. „Ansonsten ist alles normal“, erklärt sie stolz. „Nur sein Appetit ist enorm, ohne dass er an Gewicht zulegt.“ Für Anja Bünte ist das typisch für Frühchen. „Ich kenne keines von ihnen, das adipös wäre. Als müssten diese Kinder jahrelang nachholen, was sie zu Beginn ihres Lebens nicht bekamen.“

Emotionales Treffen am Welt-Frühgeborenentag

Bei ihrem Kurzbesuch auf der Neugeborenen-Intensivstation des UKSH schaut Nadine Schneider noch einmal kurz in den Raum mit den Inkubatoren. Der Mutter eines dort gelagerten Frühchens steigen die Tränen in die Augen, als sie erfährt, das Nadine Schneider vor vier Jahren ähnliche Ängste um ihren Sohn hatte.

Dass Oskar jetzt so wohlauf sei, gebe ihr neue Kraft und Hoffnung fürs eigene Kind. Nadine Schneider weiß genau, was gerade in der Mutter vor dem Inkubator vorgeht. „Mir ging es damals genauso, wenn Frühchen-Mütter mit ihren gesunden Kindern in die Klinik zu Besuch kamen. Da dachte ich: Bestimmt wird alles gut.“

Das ist der internationale Welt-Frühgeborenentag

Der jeweils am 17. November international begangene Welt-Frühgeborenentag wurde beim ersten Elterngruppentreffen der Europäischen Stiftung zum Wohl neugeborener Kinder am 18. November 2008 in Rom beschlossen.

Nach Auffassung der Stiftung sind die rund 60000 Frühgeborenen die größte Kinderpatientengruppe Deutschlands. Dennoch würden Probleme und Risiken für die weitere Entwicklung dieser Kinder nicht in entsprechendem Maß wahrgenommen. Daher machen jährlich am 17. November in ganz Europa, Afrika, Amerika und Australien Elternvertreter auf Belange von Frühgeborenen und ihren Familien aufmerksam.

In Kiel übernimmt das seit Jahren der Förderverein „Kits“ (Kürzel für Kinder-Intensivstation). Er fungiert zum Beispiel am Welt-Frühgeborenentag als Veranstalter von Eltern-Treffen oder Benefizkonzerten. Aus Spenden finanziert der Verein Anschaffungen für die Früh- und Neugeborenenstation des UKSH wie bunte Bettwäsche oder medizinische Geräte. Kontakt per E-Mail: info@foerderverein-kits.de

Weitere Nachrichten aus Schleswig-Holstein lesen Sie hier.

Kein Führerschein, Fahren unter Betäubungsmitteleinfluss und ein halbes Kilogramm Heroin im Auto – das ist die Bilanz einer Verkehrskontrolle, die Beamte des 4. Reviers Sonntagnachmittag in Kiel-Gaarden durchführten. Der Fahrer sitzt jetzt in Untersuchungshaft

Niklas Wieczorek 18.11.2019
Kiel Fußball-Verbandsliga Ost - Viererpack von Yannick Jakubowski

In der Fußball-Verbandsliga Ost deutet alles auf einen Alleingang des FC Kilia Kiel hin. Die Kilianer kanzelten die FSG Saxonia mit 8:2 ab und haben an der Tabellenspitze 13 Punkte Vorsprung auf die Konkurrenz. Bester Torschütze beim Torfestival war Yannick Jakubowski, der vierfach jubeln durfte.

Jan-Claas Harder 18.11.2019

Für den Radverkehr auf dem Ostufer und speziell auch in Gaarden soll mehr getan werden. So schnell wie sich das die Betroffenen wünschen würden, geht das aber nicht immer.

Martin Geist 18.11.2019