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Kiel Gestohlenes Geld in Spielbank verzockt
Kiel Gestohlenes Geld in Spielbank verzockt
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20:15 19.03.2018
Von Thomas Geyer
Der Angeklagte glaubte, er könne das gestohlene Geld in der Spielbank vermehren. Laut Casino Kiel hatte sich der junge Mann im Tatzeitraum von Dezember 2016 bis Februar 2017 vierzehn Mal mit seiner persönlichen Zugangskarte eingeloggt. Quelle: Uli Deck/dpa
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Kiel

"Verspielt“ – so beantwortete der nicht vorbestrafte Kieler mit einem Wort die Frage der Richterin, wo das Geld geblieben sei. Das Casino Kiel hatte im Lauf der Ermittlungen bestätigt, dass sich der junge Mann dort im Tatzeitraum von Dezember 2016 bis Februar 2017 vierzehn Mal mit seiner persönlichen Zugangskarte eingeloggt hatte. Aus der Dokumentation gehe hervor, dass er bei sieben Besuchen 38000 Euro verspielte.

„Das kommt hin“, sagte der Angeklagte, der früher bei der der Kieler Wach- und Sicherheitsgesellschaft (KWS) beschäftigt war. Als spielsüchtig würde er sich nicht bezeichnen. Doch eine Fachklinik attestierte ihm nach einer stationären Therapie eine psychische Problematik. Laut Arztbericht zeigte der Patient zeitweise psychotische Symptome, neigte zu innerer Unruhe, Zwangshandlungen und Wahrnehmungen übersinnlicher Phänomene.

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Dieser Hintergrund erklärt möglicherweise den Irrglauben des Angeklagten, er könne das gestohlene Geld in der Spielbank vermehren. „Ich habe es quasi als Kapital gesehen, mit dem ich ein Plus erwirtschaften wollte“, sagt er vor Gericht. Der Spieldrang habe eine untergeordnete Rolle gespielt. Nach eigenen Angaben konnte der Angeklagte nach dem Auffliegen der Diebstahlserie problemlos mit dem Spielen aufhören.

Als Irrglaube erwies sich auch die Hoffnung des schon vorher mit 14000 Euro verschuldeten Angeklagten, er könne als Täter unentdeckt bleiben. Schon im frühen Stadium der Ermittlungen geriet er unter Verdacht. Und legte ein Geständnis ab, nachdem die Polizei bei einer Durchsuchung die angeblich letzten 3500 Euro unter seinem Bett sichergestellt hatte.

Dass er das Vertrauen seiner Arbeitgeber missbraucht hatte, werteten Staatsanwalt und Richterin strafschärfend. Einigkeit herrschte über die positive Zukunftsprognose für den therapiewilligen Angeklagten mit Fachhochschulreife, der jetzt einen anderen Beruf ansteuern will. Im Urteil ordnete die Richterin die Einziehung der noch offenen Schadenssumme in Höhe von 74500 Euro an.

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