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Kiel Plötzlich krachte ein Schuss
Kiel Plötzlich krachte ein Schuss
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18:01 06.10.2014
Von Günter Schellhase
Nach dem Schuss in der Wrangelstraße sperrte die Polizei den Bereich weiträumig ab. Ein Sprengstoffsuchhund schnüffelte nach dem Projektil, wurde aber nicht fündig. Quelle: U. Dahl
Kiel

Die 34 Jahre alte Frau wurde durch das Projektil nicht verletzt. Polizisten waren wenige Augenblicke später vor Ort und nahmen den Mann noch am Tatort fest. Er sitzt in Haft und wurde am Dienstag verhört.

 Der Bereich am Blücherplatz gilt als eine der ruhigsten und begehrtesten Wohngegenden in Kiel. Bis auf Fahrraddiebstähle und vereinzelte Einbrüche in Keller ermittelt die Polizei dort kaum in größeren Strafsachen. Als der Schuss am Dienstag krachte, waren nur wenige Menschen auf den Straßen rund um den Tatort unterwegs. Erst nachdem die Polizei die Kreuzung Gerhardstraße/Wrangelstraße direkt vor der kleinen Postfiliale weiträumig absperrt hatte, wurde den wenigen Passanten die Tragweite des Geschehens bewusst.

 Später kamen viele Fußgänger und Radfahrer dort vorbei und waren erstaunt zu hören, dass ein Schuss gefallen war. „Was ist hier denn los? Ich wohne doch gleich um die Ecke, so etwas habe ich in dieser Gegend noch nie erlebt“, sagte eine Frau, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Auch andere Kieler staunten über die vielen Polizisten, die den Kreuzungsbereich zusätzlich absicherten. Was sich genau vor dem Schuss zwischen dem Paar abgespielt hat, ist noch unklar. „Die Ermittlungen hinsichtlich der Hintergründe und des Geschehens dauern an“, sagte Polizeisprecher Harald Höpcke. So wurde am Dienstag nicht bekannt, wie lange die beiden zusammen waren und was genau der Anlass des Streits war. Zumindest der Mann scheint aus dem Kreis Plön zu stammen, denn er ist der Halter des BMW mit Plöner Kennzeichen, der später sichergestellt wurde. Er hatte den Wagen vor der Postfiliale an der Straßenecke geparkt.

 Nach dem Schuss hatte die 34-Jährige selbst die Polizei alarmiert. Die Beamten waren nur wenige Augenblicke später am Tatort, nahmen den Mann fest und stellten die Waffe sicher. Der 47-Jährige sitzt im Gewahrsam und wurde am Dienstag von Kriminalpolizisten verhört. Was genau er sagte, wollten die Beamten nicht mitteilen. „Aus ermittlungstaktischen Gründen machen wir dazu keine weiteren Angaben“, sagte Höpcke. Die Frau erlitt einen Schock und wurde psychologisch betreut.

 „Gegen den Mann wird ein Verfahren eingeleitet. Derzeit wird der Sachverhalt geprüft“, sagte am Dienstag Oberstaatsanwältin Birgit Heß. In diesem Fall liegt die Bandbreite zwischen einer Beziehungstat bzw. Bedrohung bis hin zum versuchten Totschlag. Der Mann bleibt zunächst in Haft.

 Auf der Suche nach Beweismitteln wie zum Beispiel dem Projektil holten sich die Beamten der Kripo tierische Unterstützung. Hundeführer Mathias Galle mit seinem Deutschen Schäferhund Chip traf wenig später ein: Hochkonzentriert schnüffelte der Rüde die Umgebung um die Postfiliale ab, wühlte im Laubhaufen, roch am Kopfsteinpflaster. „Er ist als Sprengstoffhund ausgebildet, hat aber nichts gefunden“, sagte Galle nach dem Einsatz seines Schützlings. Erst gegen Mittag gaben die Polizisten die Kreuzung wieder frei.