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Kiel Gaardener Bioladen gibt auf
Kiel Gaardener Bioladen gibt auf
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11:52 22.05.2019
Die Umsätze gingen mehr und mehr zurück: Thilo Pfennig hat seinen Bioladen in Gaarden geschlossen. Quelle: Martin Geist
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Kiel

Pfennig plagte zuletzt so manche Sorge, nicht aber die, dass sein Stadtteil zum unerschwinglichen In-Quartier werden könnte. „Die Eindrücke sind natürlich subjektiv, aber ich nehme es so wahr, dass viele Familien aus Gaarden und überhaupt aus Kiel weggezogen sind“, nennt er einen Grund für die wirtschaftlichen Probleme seines im Jahr 2013 eröffneten Bioladens. Nachgerückt sind laut Pfennig viele Flüchtlinge und Studenten, die sich durchaus als Kunden gewinnen lassen, aber anders, sprich weniger einkaufen. 

Umsätze reichten nicht für Rücklagen

Gleichwohl sei das Geschäft nicht in eine dramatische Schieflage geraten, versichert Thilo Pfennig: „Das Problem war eher, dass es nie für Rücklagen reichte, um zum Beispiel auch mal die flaue Sommerzeit einigermaßen entspannt zu überbrücken.“ Alles andere als hilfreich waren zudem die allgemeinen Trends in der Branche. Immer mehr Verbrauchermärkte – zunehmend auch die Discounter – führen ein umfassendes Sortiment an Bioware und besetzen damit die Nische der kleinen Geschäfte. Denen ergeht es wie einst den Tante-Emma-Läden, die alle sehr sympathisch fanden, ohne dort nennenswerte Einkäufe getätigt zu haben.

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Nutzung noch offen

Offen bleibt unterdessen, wie die Räume des Bioladens künftig genutzt werden. Die Stadtverwaltung trug sich offenbar mit dem Gedanken, darin eine Beratungsstelle für Zuwanderer aus Rumänien und Bulgarien einzurichten, hat sich davon aber wieder verabschiedet. Sehr zur Freude des Ortsbeirats, der in seiner jüngsten Sitzung einhellig dafür plädierte, Geschäftsräume in derart guter Lage nicht in Filialen der Sozialbehörden zu verwandeln. „So etwas muss als Café oder Verkaufsstelle für die Öffentlichkeit nutzbar sein“, argumentierte Vorsitzender Bruno Levtzow (SPD). Auch für die Betroffenen sei es eine zweifelhafte Freude, wenn sie vor aller Augen mitten auf dem Vinetaplatz zur Schuldnerberatung müssen, mahnt der Ortsbeirat.

Objekt ist "sehr umworben"

Dass der Bioladen weiter gewerblich genutzt wird, dürfte indes schon wegen der Marktlage wahrscheinlich sein. Das Objekt sei „sehr umworben“, berichtet Cetin Yildirim von Pickardt vom Wirtschaftsbüro Gaarden. Derzeit sind nach seinen Angaben in einigermaßen zentraler Lage von Gaarden kaum noch Geschäftsräume frei: „Es gibt viel mehr Anfragen als Angebote.“

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Von Martin Geist

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