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Kiel Meeresleuchten lockt an die Kieler Förde
Kiel Meeresleuchten lockt an die Kieler Förde
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20:25 27.08.2019
Von Katharina Horban
KN-online-Reporterin Katharina Horban ist für die Recherche dieses Artikels nachts in die Kieler Förde gesprungen. Quelle: Frank Peter
Kiel

Mir wurde ein Meeresleuchten versprochen“, sagt eine junge Frau enttäuscht zu ihren Freundinnen, mit denen sie gerade ihr Fahrrad abschließt. Vom Ufer aus sieht man erstmal kein Leuchten. Gegen 21 Uhr, die Sonne ist gerade untergegangen, ist an der Kiellinie immer noch einiges los. Verschiedene Sommerplaylists tönen aus den Cafés, hin und wieder springen ein paar junge Leute ins Wasser. Immer dunkler wird der Himmel, die Schwimmer im Wasser sind nur noch schemenhaft zu erkennen. Es ist 22 Uhr, und noch immer kommen Leute unweit der Reventloubrücke ans Wasser.

Diffuses milchiges Leuchten in der Kieler Förde

Blau soll es schimmern im Wasser, das erhoffen sich hier einige von ihrem nächtlichen Trip an die Förde. Doch erst direkt am Wasser ist erkennbar, wie Schwimmer mit ihren Händen und Beinen weiß-blaue Streifen im Wasser nach sich ziehen. Diejenigen, die die Schwimmer im Wasser fotografieren wollen, stellt diese Szene vor einige Herausforderungen: Anfangs werden viele Bilder durch die Schwimmbewegungen unscharf.

„Wegen des diffusen milchigen Leuchtens und nicht etwa blauen Stechens sind das in der Kieler Förde höchstwahrscheinlich die Arten Ceratium tripos und Ceratium fusus“, erklärt Annegret Stuhr vom Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel.

Panzergeißelalgen schwimmen nachts oben

Die 59-Jährige arbeitet im Bereich der biologischen Ozeonographie und beschäftigt sich viel mit Phytoplankton. Diese beiden Algenarten gehören den Dinoflagellaten an und werden wegen ihres Cellulose-Panzers auch Panzergeißelalgen genannt. Als Einzeller vermehren sie sich durch Zweiteilung, können schwimmen und sogar ein paar Meter zurücklegen. Meist befinden sie sich tagsüber eher im tieferen Wasser und nachts an der Wasseroberfläche: „Das Wasser bewegt sich, und die Organismen bewegen sich auch.“

Video: Meeresleuchten in der Kieler Förde

Noch kein Forschungsprojekt bei Geomar

Das mag vielleicht auch der Grund sein, dass sich in Annegret Stuhrs Proben von der Wasseroberfläche nur etwa 2000 Zellen pro Liter befinden: Repräsentativ seien diese Proben nicht – möchte man die Zahl der Algen-Einzeller genau ermitteln, müsse man nachts während des Meeresleuchtens eine Probe nehmen.

Bei Geomar gibt es laut Stuhr aktuell noch kein Forschungsprojekt zu dem Naturschauspiel, die Wissenschaftler dort würden das Leuchten eher noch am Rande wahrnehmen.

Algen müssen sich ausreichend vermehren

Wie aber leuchten die Algen nun im Wasser? Notwendige Voraussetzung dafür ist erst einmal eine ausreichende Vermehrung der Algen: „Erst bei einer großen Menge von Algen-Einzellern können wir das Leuchten im Wasser wahrnehmen.“ Auch müsse das passende Nährstoffangebot, also Stickstoff, Phosphor und Nitrat, für die Mikroorganismen vorliegen. Das eigentliche Leuchten würde man bereits von einem anderen Lebewesen kennen: „Der Prozess ist ähnlich wie bei Glühwürmchen.

Der Naturstoff Luciferin reagiert durch die katalytische Aktivität des entsprechenden Luciferase-Enzyms mit Sauerstoff.“ Dann würde man durch die Schwimmbewegungen das Leuchten wahrnehmen können. Über den Grund des Leuchtens gibt es verschiedene Meinungen, die Meeresbiologin meint: „Möglicherweise können die Algen damit Fressfeinde wie kleine Krebse verschrecken.“

Wassertemperatur spielt die entscheidende Rolle

Da das Leuchten jedes Jahr im Spätsommer auftritt, meint Stuhr: „Die Wassertemperatur scheint eine entscheidende Rolle zu spielen bei dem Thema.“ Über die langfristigen Auswirkungen der steigenden Wassertemperaturen aufgrund des Klimawandels auf ein möglicherweise verstärktes Meeresleuchten kann die Meeresbiologin jedoch keine Aussagen treffen. Dies müsse in den nächsten Jahren und Jahrzehnten erforscht werden.

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