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Kiel Blauer Dunst in Kiels Kneipen
Kiel Blauer Dunst in Kiels Kneipen
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14:20 02.07.2012
Von Deutsche Presse-Agentur dpa
Eine brennende Zigartette, aufgenommen vor einem Rauchverbotsschild. Quelle: dpa
Kiel

Der Nichtraucherschutz in Schleswig-Holsteins Gastronomie weist nach einer Studie „eklatante Missstände“ auf. „Mehr als 80 Prozent der Kneipen und Bars und 94 Prozent der Spielhallen sind verraucht“, teilte Martina Pötschke-Langer vom Deutschen Krebsforschungszentrum am Montag in Kiel mit. Zwar werde in Cafés und Imbissbuden wenig oder gar nicht geraucht, aber bei den Restaurants sei das Rauchen noch in fast jedem vierten Betrieb erlaubt. Insgesamt sind der Studie zufolge rund zwei Drittel der Gastronomiebetriebe im Norden frei von blauem Dunst.

Dabei bestehen starke regionale Unterschiede: Während in Flensburg 80 Prozent der Gaststätten ohne Kippen auskommen, sind es in kleineren Städten oft nur 60 Prozent. Kiel schneidet besonders mies ab, wenn es um einen bundesweiten Vergleich der Landeshauptstädte zum Nichtraucherschutz geht. Die Stadt an der Förde landet mit Düsseldorf und Bremen auf den hintersten Plätzen. 64 Prozent der Gaststätten sind in Kiel rauchfrei. Beim Spitzenreiter München sind es 95 Prozent. In Bayern gilt aber auch ein generelles Rauchverbot in Gaststätten.

Für die Studie wurden seit Anfang 2011 insgesamt 738 Gaststätten in Kiel, Lübeck, Flensburg, Husum (Kreis Nordfriesland), Itzehoe (Kreis Steinburg) und Neustadt (Kreis Ostholstein) untersucht. Damit sollte das vor einigen Jahren eingeführte Nichtraucherschutzgesetz im Norden überprüft werden — im Bezug auf die Ausnahmeregeln in der Gastronomie. So dürfen Gastwirte etwa extra Raucherräume einzurichten. Sie können eine Ein-Raum-Kneipe als Rauchergaststätte kennzeichnen, sofern sie nicht für ihre Gäste kochen. Aber gerade bei diesen Regeln läuft der Studie zufolge einiges schief.

Demnach halten sich knapp zwei Drittel der Betreiber von den Rauchergaststätten nicht an die Vorschriften. 87 Prozent der Raucherräume erfüllen nicht die geforderten Bedingungen. Das Fazit von Pötschke-Langer: „Der Anspruch des Gesetzgebers, die Bevölkerung in Schleswig-Holstein wirksam vor den Gefahren des Passivrauchens zu schützen, muss zumindest für den Bereich des Gastgewerbes als gescheitert angesehen werden.“ Pötschke-Langer betonte: „Wir plädieren für eine Gesetzesänderung in Schleswig-Holstein.“ Dabei solle sich der Norden ein Beispiel am Nichtraucherschutzgesetz in Bayern nehmen.

„Es muss künftig so sein, dass in der gesamten Gastronomie nicht mehr geraucht werden darf, ohne Ausnahmeregeln“, betonte sie und verwies auf die „guten Erfahrungen“ mit solchen Regeln etwa in Skandinavien, Italien oder England. Vom Kieler Gesundheitsministerium hieß es dazu: „Die neue Landesregierung wird die Umsetzung des schleswig-holsteinischen Nichtraucherschutzgesetzes überprüfen.“ Eine Evaluation war im Koalitionsvertrag von SPD, Grünen und SSW ohnehin vorgesehen. „Ziel ist ein effizienter und konsequenter Gesundheitsschutz“, sagte der Sprecher Christian Kohl.

Auch die gesundheitspolitische Sprecherin der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, Marret Bohn, versprach, dass sich ihre Partei dafür stark machen wolle, dass die Ausnahmeregelungen gestrichen werden. „Ein ausnahmsloses Rauchverbot ist einfach, transparent und leicht zu kontrollieren.“, sagte sie.