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Kiel DNA-Gutachten belastet Obdachlosen
Kiel DNA-Gutachten belastet Obdachlosen
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10:00 22.03.2019
Von Thomas Geyer
Foto: Am Tag nach der Tat suchten Polizeibeamte zwischen Preußerstraße und Koldingstraße nach einer Waffe. Jetzt steht ein 46-jähriger Obdachloser vor Gericht.
Am Tag nach der Tat suchten Polizeibeamte zwischen Preußerstraße und Koldingstraße nach einer Waffe. Jetzt steht ein 46-jähriger Obdachloser vor Gericht. Quelle: Frank Peter
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Demnach fanden sich auf seiner rechten Handfläche eindeutig Blutspuren des Opfers. Ein Sachverständiger sprach von „sehr starken, ausgeprägten Signalen“.

Radfahrer überfallen, niedergestochen und beraubt

Gemeinsam mit einem unbekannten jüngeren Komplizen soll der Angeklagte in der Nacht zum 17. Juli 2018 an den Arkaden den aus Berlin stammenden Radfahrer überfallen, niedergestochen und beraubt haben. Der als Nebenkläger am Prozess beteiligte 42-Jährige kam nach eigenen Angaben von einem Konzert. Auf dem Rückweg fragte er eine Gruppe von Personen, zu denen auch der Angeklagte gehört haben soll, wo man gegen 2.30 Uhr noch einen Döner bekomme.

Zu dritt sollen Täter und Opfer in Richtung Norden gegangen sein. Als sich der Radfahrer auf Höhe der Holtenauer Straße 52 arglos auf eine Bank setzte, soll ihm einer der Angreifer von hinten Pfefferspray direkt ins Gesicht gesprüht haben. Anschließend traten die Täter auf das Opfer ein und versetzten ihm mit einem Messer zahlreiche Stiche in den Oberkörper.

Opfer schwebte in akuter Lebensgefahr

Eine Rechtsmedizinerin (38) der Uni Kiel referierte gestern über zwölf Schnitt- und Stichverletzungen. Diese hatten unter anderem eine Rippen- und Schulterblattfraktur zur Folge. Ein Stich in die Lunge verursachte einen Pneumothorax und starke Blutungen. Laut Gutachten bestand akute Lebensgefahr. Typische Abwehrverletzungen legten nahe, dass das Opfer eine Schutzhaltung einnahm.

Der Angeklagte bestreitet die Vorwürfe. Ein 51-jähriger Zeuge aus der Obdachlosenszene kennt ihn gut, ist nach eigenen Angaben mit ihm befreundet. Man sei viel zusammen unterwegs gewesen und habe sich an jenem Abend zum Grillen im Park auf der Ostseite der Holtenauer verabredet. Doch zur Tatzeit will der Zeuge dort seinen Rausch ausgeschlafen haben.

Erste Zeugen wurden gehört

Gegen seinen Freund auf der Anklagebank hat der arbeitslose Schlosser nichts vorzubringen. Friedlich sei die Stimmung gewesen, sagt er. Nie habe er den Angeklagten im Streit erlebt. Von einem Messer oder Pfefferspray wisse er ebenso wenig wie von der Beute: Die Täter hatten dem Raubopfer eine Digitalkamera und ein Smartphone abgenommen.

Mitteilsamer ist ein Kieler Lagerarbeiter (54), der in jener Sommernacht auf der Terrasse vor der Bäckerei Günther seine „Bierchen“ trank und Radio hörte. Er beobachtete, wie der Angeklagte mit zwei Begleitern in Richtung Tatort ging und später zurückkam. Auf der Wiese habe sich der Angeklagte dann mit einem anderen Obdachlosen gestritten, der dort schlief. „Er hat ihm die Krücke geklaut“, sagte der Zeuge früher der Polizei.

Gestern vor Gericht konnte er sich an dieses Detail nicht mehr erinnern. Dafür wusste der Zeuge noch, dass man nach dem „Geschimpfe“ oben auf dem Hügel der Grünfläche zusammensaß. Dort habe der Angeklagte eine Kamera und ein Smartphone herumgezeigt. „Die wollte er verkaufen“, sagt der Zeuge. Laut Anklage stammten die Wertsachen aus dem Besitz des Opfers.

Blutspur auf dem geraubten Handy

Eine Blutspur auf dem geraubten Handy könnte vom Angeklagten stammen: Der 46-Jährige komme als Spurenleger in Betracht, sagte der Sachverständige. Weil aber nur 29 von 32 Merkmalen festgestellt wurden, sei dies kein positiver Nachweis. Gegen den Angeklagten spricht auch die Beobachtung des Nebenklägers, einer der Angreifer habe – mitten in der Nacht – eine Sonnenbrille getragen. Wie zur Bestätigung zog der Angeklagte seine große, dunkle Sonnenbrille aus dem Futteral. Der Prozess wird Mittwoch fortgesetzt. 

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