Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Kiel Bombendrohung: Stecken rechtsextreme Kräfte dahinter?
Kiel Bombendrohung: Stecken rechtsextreme Kräfte dahinter?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:31 17.10.2019
Von Niklas Wieczorek
Kämmerer Christian Zierau und Renate Treutel (Bürgermeisterin Bildung, Jugend, Kultur und Kreative Stadt) stimmten nach dem Eingang der Bombendrohung gegen das Rathaus Kiel die Evakuierung mit der Polizei ab. Quelle: Ulf Dahl
Kiel

Die Polizei Kiel nahm das Schreiben zunächst ernst und ließ das Rathaus Kiel räumen. Spürhunde fanden aber keinen Sprengstoff. Zuvor hatte es ähnliche Vorfälle in Köln, Bremen und München. Nach Informationen der Kieler Nachrichten war die Mail mit „Cyber-Reichswehr“ gezeichnet.

Die Vorgehensweise gleicht einer Serie von Drohungen gegen Landgerichte und Behörden, die um den Jahreswechsel auch Schleswig-Holstein verunsichert und auch das Landgericht Kiel getroffen hatte. Hinter den Schreiben steckte nach Ermittlerangaben eine selbsternannte „nationalsozialistische Offensive“. Im April verhaftete die Berliner Generalstaatsanwaltschaft schließlich einen 31-Jährigen in Halstenbek (Kreis Pinneberg) und ließ ihn später nach Berlin überführen.

Lesen Sie auch: Liveblog - Bombendrohung legte Rathaus Kiel lahm

„Die Ermittlungen gegen den Verdächtigen neigen sich inzwischen dem Ende zu“, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Dirk Feuerberg. Die Vorwürfe lauten Nötigung in besonders schwerem Fall, Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten sowie Anleitung zur Begehung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat. Der 31-Jährige soll demnach auch Bombenanleitungen aus dem Internet heruntergeladen haben. Er galt als Vielschreiber und soll hunderte Drohmails verfasst haben.

Bombendrohung gegen Rathaus Kiel: Steckt rechter Terror dahinter?

Zu den Drohungen der vergangenen Tage gegen die Rathäuser von Bremen, Köln und München liegen noch keine gesicherten Erkenntnisse vor: Einen Zusammenhang zwischen den vier bekannten Mails an Rathäuser herzustellen, wäre „jetzt noch Mutmaßung“, sagte ein Polizeisprecher in Kiel.

„Wir nehmen die Gefahr des rechten Terrors sehr ernst und gehen allen Hinweisen sehr gewissenhaft nach“, erklärte Kölns Polizeipräsident Uwe Jacob zu den mutmaßlich rechten Drahtziehern. Genauso wichtig sei es, „Extremisten, die Angst schüren wollen, keine Plattform zu bieten“.

Rathaus Kiel wurde über einen Feueralarm geräumt

Wie es zur Evakuierung kam? Im E-Mail-Postfach des Rathauses fiel ein Schreiben auf, das eine Explosion im Foyer zwischen 11.30 und 12 Uhr ankündigte. Die Mitarbeiter informierten unverzüglich Bürgermeisterin Renate Treutel, die Oberbürgermeister Ulf Kämpfer vertrat, sowie Ordnungsdezernent Christian Zierau. „Wir haben dann mit der Polizei die weiteren Maßnahmen abgestimmt“, sagte Zierau anschließend auf dem Rathausplatz. Reaktion: Der Feueralarm im Haus ging an.

Hier können Sie Bilder der Evakuierung des Rathauses Kiel nach der Bombendrohung sehen.

Das Gebäude mit rund 300 Mitarbeitern sei gegen 11 Uhr evakuiert worden, so Zierau. Auch Bürger hielten sich im Rathaus auf: „Ich wollte einen neuen Pass haben“, sagte Beate Lembke (85) vor der Tür. Mittendrin in der Aufnahme „klingelte das schon, und wir mussten alle das Rathaus räumen.“ Jetzt müsse sie warten.

Bombendrohung traf auch Bürger im Einwohnermeldeamt

Der Ordnungsdezernent war jedoch insofern fuchsig, dass es ausgerechnet den langen Sprechtag im Einwohnermeldeamt getroffen hatte. Vorteil: Man konnte noch nacharbeiten, schließlich warteten einige Bürger weiter vor den Türen. Ein bisschen Galgenhumor nach mehreren Pannen hatte sich der Stadtrat aber noch aufgespart: „Die Kollegen im Bürgeramt sind Systemausfälle gewohnt.“

Als bekannt wurde, dass die Drohungen in anderen Städten ohne Folge blieben, entspannte sich die Lage. Um kurz nach 12 Uhr – zu diesem Zeitpunkt war die Explosion angekündigt worden – konnten die Mitarbeiter ins Rathaus Kiel zurück. Und Beate Lembke durfte ihren Pass verlängern.

Bombendrohungen

Nicht die erste Bombendrohung in Schleswig-Holstein

In den vergangenen Monaten hatten mehrfach Bombendrohungen die Einsatzkräfte in Schleswig-Holstein auf Trab gehalten. Im März 2019 war das Rathaus von Rendsburg betroffen. Zuvor musste nach einer Bombendrohung der Bahnhof Pinneberg kurzzeitig gesperrt werden, auch gegen das Flensburger Rathaus lag eine Bombendrohung vor. Weiter betroffen waren vier Landgerichte (unter anderem Kiel), eine Marktpassage in Heide (Kreis Dithmarschen) und der Lübecker Hauptbahnhof. Bei keinem der Vorfälle waren später verdächtige Gegenstände gefunden worden.

Weitere Nachrichten aus Kiel lesen Sie hier.

Feueralarm, Absperrband, Polizeiwagen: Nach Drohungen gegen Rathäuser in Köln, Bremen und München traf es am Donnerstag Kiel. Per E-Mail kündigte ein mutmaßlich rechtsextremer Absender eine Bombe an, die im Gebäude explodieren sollte. Trotz Evakuierung und Spürhunden gab es bald Entwarnung.

Niklas Wieczorek 17.10.2019

Kiel soll sich nachhaltiger entwickeln. Damit das gelingt, starten Stadt und Christian-Albrechts-Universität eine Kooperation, bei der internationale Studenten mit ihrem frischen Blick helfen sollen, Konzepte dafür zu entwickeln.

Marc R. Hofmann 17.10.2019

50.000 Euro in elf Jahren: Seit 2008 sammelt die Country & Line Dance Gruppe Kiel Geld für die Krebsgesellschaft. Bereits im Februar kamen sie auf über 47.000 Euro Spenden. Nun wurde der letzte Scheck zur runden Summe übergeben.

17.10.2019